Aktien-SPAM und wie man davon profitiert

nachdem die erste SPAM-Welle für deutsche Aktien durch’s Netz gerollt ist (Gisela Blecher-Stratmann empfiehlt die Artstor AG), die dann auch einen Sprung von 9ct auf 26ct gemacht hat (bei gleichzeitiger Volumenerhöhung von durchschnittlich 1’000 – 20’000 Aktien auf über 3’000’000 pro Tag), entspann sich im Kollegenkreis eine Diskussion, wie man denn von Aktien-SPAM profitieren kann, wenn er einem schon das Postfach füllt.

Sowohl bei dieser Aktie als auch bei den sporadisch mitbeobachteten älteren SPAM-Wellen steigt der Kurs am Tag nach dem Versenden rapide an. Dummerweise ist es da schon zu spät zum Einsteigen. Ebenso sicher fällt der Kurs nach dieser Hochphase relativ schnell auf sein altes Niveau ab.
Es gibt, ein (un-)gesundes Risikoverhalten vorausgesetzt, mindestens 3 Möglichkeiten, von fallenden Kursen zu profitieren.

  1. Leer verkaufen
  2. Optionen (Puts) kaufen
  3. Futures kaufen

Dummerweise gibt es von den beworbenen Aktien im Normalfall keine Optionen oder Futures, da es sich um nur wenig gehandelte Penny-Stocks aus der 3. bis 4. Reihe handelt. Bleibt also nur die Möglichkeit des Leer verkaufens.

Dabei verkauft man Aktien, ohne sie zu besitzen und kauft sie zu einem späteren Zeitpunkt (hoffentlich günstiger) zurück.

Es gilt der alte Witz:

Wenn in einem Raum 3 Leute sind und 5 herauskommen, müssen wieder 2 hineingehen, damit der Raum leer ist.

Während das Leer verkaufen früher für Privatleute (fast) gar nicht möglich war, gibt es mittlerweile mehrere Banken, die das anbieten. Um das ganze (grob vereinfacht) praktisch zu erläutern nehmen wir die aktuelle SPAM-Welle mit artstor und einen Einsatz von 5’000 EUR.

Wir schauen uns den Kurs der Aktie an, der kurz nach Börsenstart auf 26ct hochgeschnellt ist und seither stetig an Wert verliert. Wir gehen davon aus, dass der Kurs die 26ct nicht mehr sehen wird und wollen bei 23 ct leer verkaufen. Hierfür haben wir 5000 EUR Sicherheit, die wir der Bank geben, damit wir leer verkaufen dürfen.

Da das ganze nämlich sehr risikoreich ist (der Kurs könnte ja steigen statt fallen), sichert die Bank sich und uns gegen einen massiven Kursanstieg ab. Sobald der Kurs so ansteigt, dass wir gerade noch dazu in der Lage sind, mit unserem Vermögen (das der Einfachheit halber jetzt aus dem Verkaufserlös des Leerverkaufs und den 5000 EUR besteht) das Depot wieder glattzustellen, kauft die Bank automatisch die benötigte Anzahl Aktien und wir haben den eingesetzten Betrag verloren.

Beispiel 1 (es läuft schlecht):

Wir verkaufen bei 23ct 100’000 Aktien und erlösen damit 23’000 EUR. Zusammen mit den 5’000 EUR Sicherheit haben wir jetzt ein Depotvermögen von 28’000 EUR und einen Minusbestand von 100’000 Aktien.

Wenn der Kurs auf 28ct steigt, kauft die Bank mit diesen 28’000 EUR 100’000 Aktien und wir haben ein Depotvermögen von 0 EUR und einen Aktienbestand von 0.

Das sind dann 5’000 EUR weniger als vor der Spekulation.

Beispiel 2 (es läuft gut, bzw. wir sind eher konservativ):

Wir sind der Meinung, dass der Kurs der Aktie immer unter den erwähnten 26ct bleiben wird. Wir haben einen Puffer von 3ct pro Aktie und können deshalb 5000/0.03 = 166’666 Aktien verkaufen. Wir nehmen 150’000, weil das einfacher zu rechnen ist. Zusammen mit den 5’000 EUR Sicherheit haben wir jetzt ein Depotvermögen von 39’500 EUR und einen Minusbestand von 150’000 Aktien.

Der Kurs der Aktie sinkt gegen Mittag auf 17ct pro Aktie. Wir kaufen 150’000 Aktien und haben ein Depotvermögen von 14’000 EUR und einen Aktienbestand von 0.

Wir haben unseren Einsatz in 2 Stunden annähernd verdreifacht.

Beispiel 3 (es läuft sehr gut, bzw. wir sind eher spekulativ bis grössenwahnsinnig):

Wir sind der Meinung, dass der Kurs der Aktie immer unter den erwähnten 26ct bleiben wird. Wir haben einen Puffer von 3ct pro Aktie und können deshalb 5000/0.03 = 166’666 Aktien verkaufen. Wir nehmen 150’000, weil das einfacher zu rechnen ist. Zusammen mit den 5’000 EUR Sicherheit haben wir jetzt ein Depotvermögen von 39’500 EUR und einen Minusbestand von 150’000 Aktien.

Der Kurs der Aktie fällt am übernächsten Tag auf 9ct pro Aktie zurück. Wir kaufen 150’000 Aktien und haben ein Depotvermögen von 26’000 EUR und einen Aktienbestand von 0.

Wir haben unseren Einsatz in 48 Stunden annähernd verfünffacht.

Das letzte Beispiel ist spekulativ, weil ich den Kurs von morgen natürlich noch nicht kenne 🙂

Wichtig zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass man die Aktien auf einen Schlag verkauft, um das Vertrauen ein wenig zu erschüttern und langsam zurückkauft, um den Kurs nicht wieder steigen zu lassen.

Ach so ja:

Don’t try this at home

[UPDATE 21.02.07] 

Nachdem ich ein wenig irritiert den Kurs weiterverfolgt habe, bin ich mittlerweile der Meinung, dass wir es hier mit einem etwas intelligenteren Spamming zu tun haben. Der Streubesitz von artstor wird mit 27% angegeben, das sind bei 7 Millionen ausgegebenen Aktien ca. 2 Millionen Aktien. Alleine gestern wurden in Frankfurt und Stuttgart über 8 Millionen Aktien gehandelt, heute sind wird bereits wieder über 3 Millionen. Man kann mit relativ wenig Einsatz den Kurs schön oben behalten, und wird dabei von immer mehr Lemmingen Aktionären „unterstützt“.

Die zweite Email des gleichen Spammers, in der ein anderes Unternehmen empfohlen wird ist auch schon draussen. Wieder ist die Menge der ausgegebenen Aktien gering (15 Millionen bei einem Streubesitz von rund einem Drittel). Da schon die erste Prognose so toll war, werden jetzt tendenziell mehr Bespammte einsteigen, was zu einer weiteren Verstärkung des Effekts führt, zu einem höheren Gewinn beim Spammer und zu einer scheinbar höheren Kompetenz, was den Aktientipp angeht.

3 Gedanken zu „Aktien-SPAM und wie man davon profitiert“

  1. Tja, Beispiel 3 hat’s gerade ausgestoppt mit einem Kurs von 26.5ct. Adieu 5000 EUR.
    (Falls meine Frau hier mitlesen sollte: ich habe das nur als Gedankenexperiment gemacht, allerhöchstens bin ich bei Beispiel 2 sowieso schon ausgestiegen 🙂

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