Qualitätsjournalismus und die FAZ

Irgendwie hat es ein Microsoft-Mitarbeiter geschafft, sich als FAZ-Redakteur zu tarnen und einen Bericht in die Online-Ausgabe zu schmuggeln.

Anders ist die fast völlige Abwesenheit von inhaltlich korrekten Sätzen nicht zu erklären.

Dabei geht es um eine Antwort auf die Frage, wie Daten aus Dokumenten, die vor 20 Jahren von einem Computer gespeichert worden sind, auch in 40 Jahren noch lesbar sein werden. Das Open-XML-Format zeigt privaten Computernutzern, Unternehmen, aber auch öffentlichen Institutionen wie Archiven einen Weg, Daten zukunftssicher zu machen

Wie das gelingen soll, wenn sich in der 8300 Seiten starken Spezifikation Stellen finden wie:

  • useWord97LineBreakRules
  • autoSpaceLikeWord95.
  • lineWrapLikeWord6
  • truncateFontHeightsLikeWP6
  • useWord2002TableStyleRules
  • uiCompat97To2003

ist vermutlich nicht nur dem Autor des Artikels unklar.

Munter wird Microsoft auch noch gleich zum Erfinder von XML gemacht:

Microsoft hatte das Format mit dem Dateikürzel „.xml“ mit dem Bürosoftware-Programmpaket Office 2007 eingeführt. Der Standard hat seither Verbreitung in der Softwareindustrie gefunden und wird von verschiedenen Technologieplattformen verwendet, einschließlich der Betriebssysteme Linux, Windows, Mac OS und Palm OS.

An diesem Satz stimmt gar nichts.

  1. Microsoft hat XML nicht eingeführt, XML ist eine Beschreibungssprache, die seit dem Jahr 1998 existiert.
  2. Die Dateikürzel für Office2007-Dokumente ist docx, xlsx …
  3. Es existiert bisher genau zwei (halbgare) Umsetzung des OOXML, Office 2007 für Windows und Office 2008 für Mac OS X. Es gibt Programme, die Export/Import-Filter bereitstellen, aber eine weite Verbreitung sieht anders aus.

Aber auch Werbung wird munter gemacht:

Die meisten Bürodokumente der Welt sind mit einem Programm gespeichert worden, das vom weltmarktführenden Softwarehersteller Microsoft stammt, sei es mit Word, Excel oder Powerpoint.

Gar nicht eingegangen wird auf die Ungereimtheiten rund um die Anerkennung, beispielsweise

  • das Fluten der Gremien mit Microsoft-Partnerfirmen,
  • die Tatsache, dass man bei der DIN-Abstimmung nur zwischen Ja und Enthaltung wählen konnte,
  • dass Norwegen trotz einer 80%-Ablehnung im Gremium für Ja entschieden hat,
  • dass in Polen nicht abgegebene Stimmen als Ja gewertet wurden, obwohl das den Abstimmenden nicht bekannt war,

Angesichts dieses Artikels sollte die FAZ vielleicht ihren Slogan überdenken, statt

„Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“

fiele mir spontan

„Dahinter steckt immer ein dicker Briefumschlag“

ein.

Die Kommentare zum Artikel sind lesenswerter als der Artikel selbst.

6 Gedanken zu „Qualitätsjournalismus und die FAZ“

  1. Damals(TM) darf ein Jungspund wie Du doch noch überhaupt nicht in den Mund nehmen.
    Damals(TM), das war als es noch Raider gab und Treets, um jetzt mal bei Schokolade zu bleiben.

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