Qualitätsjournalismus im Spiegel

Die Weltbank veröffentlicht eine Studie über die Wirtschaftsfreundlichkeit der einzelnen Staaten und der Spiegel springt drüber, über das dargebotene Stöckchen.

In einem weltweiten Vergleich der Wirtschaftsfreundlichkeit ziehen sogar Kleinstaaten wie Georgien und Mauritius an der Bundesrepublik vorbei. Grund ist der eklatante Reformstau.

Ich hätte ja mal gefragt, inwieweit man Länder wie Mauritius und Deutschland überhaupt vergleichen kann, bevor ich dieses Land im teaser erwähne. Dann wäre mir vielleicht aufgefallen, dass der Vergleich zwischen einem Land, welches hauptsächlich vom Zuckerrohranbau und dem Tourismus lebt mit einer Industrienation, in der hauptsächlich nur noch High-Tech-Branchen die Globalisierung überlebt haben, ziemlich sinnfrei ist.

Selbst wenn Deutschland 24 Plätze vor Mauritius läge, käme vermutlich kein Anbieter von Tauchurlauben auf die Idee, statt in Cap Malheureux(sic!) eine Tauchbasis in der Eifel zu errichten, weils doch so viel wirtschaftsfreundlicher ist. Anders herum würde AMD seine neue Fab vermutlich auch dann nicht in Port Louis statt in Dresden bauen, wenn Mauritius 24 Plätze vor Deutschland läge.

Die Studie an und für sich sieht interessant aus, aber warum man sich bei der Berichterstattung auf Nebenkriegsschauplätze begibt, erschliesst sich wohl nur dem Redakteur.

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