Die Mär von der Wehrgerechtigkeit

Der Verteidigungsminister wird nicht müde zu betonen, dass es um die Wehrgerechtigkeit gut bestellt sei, schliesslich liege der sogenannte Ausschöpfungsrest gerade mal bei 7,5%.

wehrgerechtigkeit

Verschwiegen wird dabei des öfteren, wie man denn auf diese Zahl gekommen ist, vermutlich, weil man nicht sagen will, dass man sie sich schöngerechnet hat.

Obige Tabelle stammt von der Webseite des Bundesverteidigungsministeriums. Davon abgesehen, dass man mittlerweile auch die Jahrgänge bis 1985 anzeigen könnte, weil:

Die tatsächliche Ausschöpfung einzelner Geburtsjahrgänge kann erst beurteilt werden, wenn diese Jahrgänge die für den Grundwehrdienst festgesetzte allgemeine Heranziehungsgrenze mit Vollendung des 23. Lebensjahres überschritten haben.

sieht man hier schön, wie die Zahlen zustandekommen.

Der Jahrgang 1976 hatte noch 174’072 verfügbare Wehrpflichtige (also ohne alle Untauglichen, KDV, 3. Brüder etc.). Davon haben 15’427 keinen Wehrdienst geleistet.

Man sollte annehmen, dass der Aussschöpfungsrest auf die verfügbaren Wehrpflichtigen gerechnet wird, doch dann würden die Zahlen zu gross. Also nimmt man die erfassten Wehrpflichtigen als Basis und kommt auf gerade mal 3,9%. Würde man die Zahl derer nehmen, die hätten können, aber nicht mussten, wäre man schon für den Jahrgang 1976 auf 8,9% gekommen.

Der Jahrgang 1982 zeichnet sich durch eine geringere Zahl von verfügbaren Wehrpflichtigen aus, weil seit 2003 die T3-gemusterten nicht mehr verfügbar sind. Die KDV-Zahlen lagen ähnlich hoch, die sind nicht schuld.

140’295 Wehrpflichtige hätten ihren Wehrdienst ableisten können, es mussten aber nur 107’047. Ich komme dann auf einen Ausschöpfungsrest von 23,7%. Der Bundesverteidigungsminister kommt stattdessen auf 7,5% weil das besser aussieht.

Wenn man (mit gewissen Unsicherheiten) mal einen Ausblick wagt, dann wird sich das ganze noch erheblich verschlechtern, bzw. hat es schon.

Das Personalstrukturmodell PSM 2010 der Bundeswehr sieht insgesamt 55’000 Stellen für GWDL/FWDL vor. Die Bundeswehrplanung geht von 35’000 GWDL-Stellen und 25’000 FWDL-Stellen aus. Das sind bestenfalls 47’000 einzuziehende GWDL und 18’000 FWDL, also insgesamt 65’000.

Aber wer weiss, vermutlich werden einfach die Tauglichkeitskriterien angepasst, dann kommt man schon soweit, dass die Zahl von 140’000 auf 100’000 sinkt. Oder man zieht einfach auch GWDL zu Auslandseinsätzen (was momentan übrigens schon möglich ist), dann steigt die Zahl der KDV.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.