Einen Schuss, der nach hinten losgeht

gibt es hier zwar nicht visuell zu bestaunen (da gibt es bei sicher was passendes bei youtube oder ratiopharm), aber metaphorisch betrachtet passt’s dann doch irgendwie.

Das deutsche Glückspielgewerbe und die Vergabe von Konzessionen ist in letzter Zeit ein wenig unübersichtlich.

Angefangen hat alles mit diesem Urteil des BVerfG 1 BvR 1054/01 aus dem Jahr 2006, das folgendes Leitsatz enthält

Ein staatliches Monopol für Sportwetten ist mit dem Grundrecht der Berufsfreiheit des Art. 12 Abs. 1 GG nur vereinbar, wenn es konsequent am Ziel der Bekämpfung von Suchtgefahren ausgerichtet ist.

In der Folge entwickelte sich bei den staatlichen Toto-Lottogesellschaften ein hektisches Treiben, denn schliesslich gehören Toto und Lotto mit zum profitabelsten, was es gibt.

Nur 50% der Einnahmen werden ausgeschüttet, 10% gehen in die Verwaltung und die Annahmestellen, 16,7% gehen als Steuer ans Land und mit 23% kann der Staat Wohltätigkeiten verteilen (zwar zweckgebunden, aber immerhin geht dabei kein „eigenes“ Geld drauf).

Relativ schnell wurde ein Glücksspielstaatsvertrag abgeschlossen (weil wir ja so unheimlich föderal sind, machen das die Länder und weil die das nicht alle zusammen machen wollen, gibt es Staatsverträge, denen dann alle 16 Länderparlamente zustimmen müssen).

Im Zuge dieses Vertrages verloren Online-Anbieter unter anderem die Möglichkeit, Lottoscheine „anzunehmen“.

Das war jetzt der Schuss 🙂

Wie das ganze nach hinten losgegangen ist, sieht man beispielsweise bei tipp24.

Bis 31.12.2008 hat man dort online getippt, die Einnahmen und der Lottoschein gingen an die jeweilige Landeslottogesellschaft. Tipp24 war nur Vermittler.

Seit dem 01.01.2009 gibt es eine englische tipp24 Ltd bei der auf den ersten Blick alles gleich läuft. Allerdings liefert diese Gesellschaft keine Lottoscheine mehr ab sondern behält das komplette Geld für sich und bezahlt aus diesem Topf die Gewinne, die sich an den Gewinnen des deutschen Lotto orientieren. Die Zahlen übernimmt man der Einfachheit halber auch gleich 🙂

Während also bis zum Ende des vergangenen Jahres über 43% der Einnahmen im Online-Lotto an den Staat gingen und 6,25% an tipp24, gehen jetzt 50% der Einnahmen an tipp24 und 0% an den Staat.

Solange online ähnlich getippt wird wie offline und solange die Spielerbasis bei tipp24 gross genug ist um auch mal einen 6er mit Superzahl zu verkraften, ergibt sich eine eindeutige Verbesserung für den Online-Anbieter und eine eindeutige Verschlechterung für den staatlichen Totolottoblock.

2 Gedanken zu „Einen Schuss, der nach hinten losgeht“

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