Und tschüss?

1969 beliefen sich die Zinszahlungen des Bundes auf 3,2 Prozent des Bundeshaushalts; im Jahre 2008 haben sich die Zinsausgaben auf 15 Prozent belaufen, Tendenz steigend.

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Vier Komponenten legen 80 bis 85 Prozent des Bundeshaushaltes fest:
die Schulden, die Zahlungen an die Rentenversicherung, die gesetzlichen Leistungen und die Betriebsausgaben des Bundes. In Wirklichkeit entscheiden Sie als Souverän des Landes frei nur noch über 15 Prozent des Bundeshaushaltes, mehr nicht.

Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister, SPD

Dazu mischen wir dann das Zinsniveau der derzeitigen Bundesanleihen, schauen mal schnell nach, wo dieses Niveau denn bspw. Anfang der 90er Jahre lag, werfen einen Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland in den nächsten 20 Jahren und kommen vermutlich zu einem ähnlichen Schluss wie diesem:

Die Geburtsjahrgänge zwischen 1980 und 2000 haben nach einer Studie der Berenberg Bank und des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) die Hauptlast der deutschen Staatsverschuldung zu tragen.

Die grundlegende Frage ist allerdings: machen sie das auch?

Der Wanderungssaldo für die Bundesrepublik ist schon seit 17 Jahren negativ (wenn man die Aussiedler abzieht, die in der Statistik als Deutsche gezählt werden) und entgegen dem Bild, das diverse Auswanderer-Doku-Soaps zeichnen, sind das in der Masse nicht diejenigen, die in Deutschland keinen Fuß auf den Boden gebracht haben. Es sind oft diejenigen, die (ob zu Recht oder zu Unrecht) als Leistungsträger bezeichnet werden. Menschen, die eine hohe Steuer- und Abgabenlast haben und deren Arbeitskraft auch in anderen Ländern mit (für sie) günstigeren Bedingungen gesucht wird.

Anders als noch vor 30 bis 40 Jahren ist Auswandern kein nur schwer überwindbares Hindernis mehr, die europäische Einigung hat auch für normale Arbeitnehmer viel vereinfacht.

Es wird das passieren, was in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung zu beobachten ist: Die Leute ziehen weg und zurück bleiben oft nur die, für die ein Wechsel des Landes keinen Vorteil bringen würde (was des Öfteren neudeutsch mit braindrain bezeichnet wird oder eher despektierlich mit dem Satz „nur die Alten und die Dummen bleiben“).

Ob diejenigen, die mit vollem Anlauf und im klaren Bewußtsein ihrer Taten den Karren in den Dreck gefahren haben, den Auswandernden dann irgendwelche wie auch immer gearteten moralischen Vorhaltungen ob ihres „unsozialen“ Verhaltens machen können, wage ich zu bezweifeln. Kommen (also die Vorhaltungen) werden sie vermutlich trotzdem.

Vielleicht besinnt man sich auch auf die Ideen der Vorgänger und führt wieder eine Reichsfluchtsteuer ein (dafür muss man nur das Aussensteuergesetz ein wenig aufbohren), oder man baut eine Mauer Sicherlich hat niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen, aber was will man machen, wenn 28% der Bevölkerung im Rentenalter sind und es niemanden gibt, der für sie und die 2 Billionen Staatsschulden aufkommen will?

2 Gedanken zu „Und tschüss?“

  1. vorher schon verfassungsgemäß zulässige Vermögens- und Erbschaftssteuern erheben?
    Alle Einkommensarten in eine (!) Sozial- und Krankenkasse einzahlen lassen?
    Wirtschaftsstraftaten (entschiedener) verfolgen und deren Gewinne abschöpfen?
    Keine Kriege mehr führen?

    ups, ich trolle grad Dein Blog voll- die Argumente sind ja bekannt…

    1. Och, ich freu mich über jeden ernstgemeinten und ernstzunehmenden Kommentar, von mir aus kannst du gerne weiter „trollen“, auch oder gerade weil Du vermutlich oft konträre Meinungen hast. Immer nur Bestätigung ist ja auch nichts 🙂

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