Sehr geehrter Herr de Maizière

In der rheinischen Post durfte ich folgendes von Ihnen lesen:

Hier steht doch vielmehr die grundsätzliche Frage: Kann das Internet völlig frei sein? Müssen wir nicht die Menschen vor Denunziation, Entwürdigung oder unseriösen Geschäften schützen wie im Zivilrecht? Ähnlich wie auf den Finanzmärkten brauchen wir mittelfristig Verkehrsregeln im Internet. Sonst werden wir dort Scheußlichkeiten erleben, die jede Vorstellungskraft sprengen. Vieles geht da übrigens nicht nur national.

Ich mache Ihnen einen ganz einfachen Vorschlag, an dem Sie Ihre Thesen vom freien Internet testen können:

  • Sie verkaufen bei Ebay ein „Ed-Hardy“-Produkt
  • Sie suchen sich bei gettyimages ein Bild aus und verwenden es ohne Nachfrage auf Ihrer Homepage
  • Sie installieren einen Bit-Torrent-Client und suchen nach aktuellen Filmen
  • Sie veröffentlichen auf Ihrer Homepage die geleakten Sperrlisten aus der Schweiz und Norwegen
  • Sie benutzen Worte wie Gentrification und Prekarisierung in Texten auf Ihrer Homepage
  • Sie bestellen im Internet Pflanzenlampen
  • Sie bestellen im Internet frei erhältliche Chemikalien

Danach können wir uns gerne über den rechtsfreien Raum Internet unterhalten.

4 Gedanken zu „Sehr geehrter Herr de Maizière“

  1. Oder Sie fahren ins Bayrische und lesen einfach mal die Emails Ihrer Mitbürger mit. Aber das war nicht die Art von Schutz, die Sie meinten, oder, Herr de Maiziere?

  2. Im Gegenzug könnte man Herrn de Maizière auch folgenden 7 Offline-Vorschläge machen

    • mit 50 km/h durch eine 30er-Zone fahren
    • Nachts von der Telefonzelle aus wildfremde Menschen belästigen
    • Irgendwelchen Menschen anonyme Drohbriefe schicken
    • in einer fremden Stadt in einem Restaurant essen und vor dem Bezahlen gehen
    • Beleidigungen mit wasserfester Farbe auf die Strasse vor der Arbeitsstelle des Beleidigten sprühen
    • Mit einem gezückten Autoschlüssel an einem geparkten Auto vorbeilaufen und den Lack abkratzen
    • Auf dem Bahnhofsvorplatz das Schloss eines Fahrrads knacken und damit davonfahren

    Ich bin mir relativ sicher, dass die Anzahl der folgenlosen Offline-Straftaten über der der folgenlosen Online-Straftaten (wobei vieles davon nicht einmal eine Straftat ist) liegen wird.

  3. http://www.heise.de/newsticker/meldung/142658

    Dass sein WLAN unverschlüsselt und für jeden in der Nähe offen war, hatte für einen Internetnutzer in Recklinghausen nach einem Bericht der Westfälischen Nachrichten drastische Folgen: Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der münsterischen Polizei stürmte seine Wohnung, weil von seinem Internetanschluss eine Amokdrohung verbreitet worden war.

    So, und jetzt stellen wir uns mal vor, der potenzielle Amokläufer hätte statt über das Internet über die deutsche Post seinen Amoklauf angekündigt.

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