langweilig

Natürlich hat schon fast jeder angemerkt, dass dieser Wahlkampf an Langweiligkeit kaum überbietbar scheint, aber gemäß dem Motto

Es ist zwar schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem

möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben.

Dank Gerhard Schröder findet der Wahlkampf seit 2005 einen Monat im Jahr früher statt, was dazu führt, dass es vor der Bundestagswahl nur noch zwei Wochen gibt, in denen in keinem Bundesland mehr Sommerferien sind. In der scheinbar heissen Phase des Wahlkampfs sonnen sich Bajuwaren, Badner und Schwaben noch unter südlicher Sonne und zollen weder dem Deutschlandplan des Kandidaten, noch dem (ja was eigentlich? hat die CDU überhaupt ein Wahlprogramm?) … der CDU die nötige Aufmerksamkeit.

Stattdessen wird ein bisschen aufgebauscht. Der Dienstwagen, dessen Deklaration seines Spanien-Urlaubs als Privatnutzung unsere Gesundheitsministerin zurück ins Kompetenz-Team brachte, die Eingabe eines Gesetzes ins Bundeskabinett, auf dem noch fröhlich das Logo der einbringenden beteiligten Kanzlei prangte, ominöse Pläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Deutschland nach dem bereits beschlossenen Wahlsieg von schwarz/gelb in eine Wirtschaftsdiktatur umzuwandeln, Partei-Vorsitzende, denen der Wunschkoalitionspartner schon mal die Regierungsfähigkeit abspricht …

Mag sein, dass in Zeiten von Britt am Mittag, mein Leben und ich (und wie diese ganzen Sendungen heissen, die man nur zu sehen bekommt, wenn man entweder krank zuhause liegt, oder bei einer Kur alleine unter Müttern weilt) die Aufmerksamkeitsspanne auf unter 60 Sekunden gefallen ist und mag auch sein, dass der Grossteil der Wähler sich Wahlprogramme sowieso nicht durchliest (alleine der Deutschlandplan klingt eher nach Buzzword-Bingo als nach etwas, was sich der durchschnittliche Wähler in Gänze antun würde. Z.B. 8x Cluster, natürlich ohne Erklärung), aber man könnte doch für den Rest wenigstens ein bisschen was konkretisieren.

Aber wir haben halt eine repräsentative Demokratie. Vermutlich verdienen wir es nicht besser. Ich halte es da mit Dieter Nuhr

Setzen Sie sich mal zwei Stunden in eine U-Bahn und gucken Sie sich mal die Gestalten an, die da ein- und aussteigen. Ich meine, da kann man doch nicht mehr für ein allgemeines Wahlrecht eintreten.

Gut, in meinem Fall war es der Bahnhofsvorplatz von Hagen.

Und ja, ich weiß das ein Klassenwahlrecht nichts ändert und ich bin ja eigentlich auch gegen ein solches, aber manchmal ärgert es mich schon, dass meine Stimme genausoviel wenig zählt, wie die des Superprolls in einer dieser Talk-Shows, in der ich ganz neue Regionen in der Disziplin „Fremdschämen“ erreiche.

Falls der geneigte Leser (ich weiss halt nicht, ob ich duzen oder siezen soll, da umgehe ich das lieber) bis hier gelesen hat, hat er vermutlich schon eine höhere Aufmerksamkeitsspanne als der Durchschnitt. Das sollen doch alle wissen, deswegen gilt: Kommentarfunktion nutzen 🙂

4 Gedanken zu „langweilig“

  1. Ich habe deinen Artikel zwar nicht bis zum Ende gelesen, möchte aber anmerken, dass du recht hast. Dieser Wahlkampf ist laaangweilig, und man gewinnt fast den Eindruck, als wäre Abstinenz das Mittel der Stunde. Vielleicht hatte ich ja auch eine FDP Brille auf, aber ich hatte gestern Abend bei Anne Will z.B. den Eindruck, dass diese am besten von allen Parteien wegkam – ohne einen Vetreter vor Ort gehabt zu haben. Ideenlosigkeit wird nun mal abgestraft, und tritt noch mehr zu Tage wenn man den Mund aufmacht und nichts herauskommt, statt wenn man ihn geschlossen lassen würde.

    (Da wir gerade bei Anne Wills Sendung von gestern sind, hatte nur ich den Eindruck, dass große Zahlen mittlerweile sehr, sehr erregend sind für Peer Steinbrück?)

  2. Ein immer stärker zunehmendes Problem ist die nachlassende Allgemein- und politische Bildung: einen Teil der Schuld trifft die Bildungspolitik, den anderen Teil erledigt die Masse der Politikaste wie Fr. Schmidt, Fr. Merkel, Hr. Steinmeier, Hr. Westerwelle, Fr. Roth usw.
    Es ist langweilig, ihnen zuzuhören, es widert an, ihre Gesichter zu sehen.
    Es war vor 20, 30 Jahren noch „schick“, sich politisch zu organisieren, zu steiten oder auch nur informiert zu sein. Mittlerweile wird auch in eigentlich interessierten Kreisen beim Thema Politik häufig genervt abgewunken, was auch an der Art der politischen Darstellung liegt (V. Lengsfeld aktuell oder Fr. K-M, die faulste EU-Parlamentarierin), welche im eklatanten Einklang zur Realität der Selbstbedienung durch Dienstwagen und „Nebeneinkünfte“ steht, die dem irgendwann abgehalfterten oder pensionierten Politiker zu lukrativen Folge-Jobs verhilft (s. Schröder und Gazprom).
    Ob die FDP wirklich mehr Ideen hat, als ihrer Standard-Klientel zu weiteren Steuergeschenken zu verhelfen, das wage ich zu bezweifeln. Meines Erachtens hat mit dem Adligen (OGL) ein neoliberaler Sturm-Wind in der FDP Einzug gehalten, der von sehr wenigen lokalen Ausnahmen und den langsam wegsterbenden Ur-Liberalen wie Hirsch usw., kaum Gegenwehr empfing. Die FDP ist in einer Koalition mit der CDU kaum ein Garant für den Erhalt von Grundrechten und Rechtsstaatlichkeit.

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