Logikmodul defekt?

Ich wollte mich ja eigentlich nicht zur Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen äussern, aber manchmal schaffen es Aussagen (in der schwäbischen Zeitung) wie diese:

Im Jahr 2009 gab es bei uns einen leichten Rückgang speziell der geschäftlichen Übernachtungen

und

Das Weingartener Art Hotel beherbergt fast ausschließlich Firmenkunden. [..] „Das Gesetz ist ja auch ein Investitionsförderungsgesetz“, die Übernachtungspreise bleiben also konstant.

dass ich dann doch meine Grundsätze vergesse.

Für geschäftliche Übernachtungen gilt, dass die Übernachtungen seit dem 1. Januar 2010 für all jene teurer geworden sind, die vorsteuerabzugsberechtigt sind. Der Aussendienstmitarbeiter, der letztes Jahr 40 EUR netto für die Übernachtung bezahlen musste, bezahlt seit diesem Jahr 44.49 EUR. Denn die Preise gesenkt hat fast kein Hotel.

Wenn ich dann auch noch lesen muss:

Das Gesetz ermögliche nicht nur einen guten finanziellen Schub, um in ein aktuelles Angebot zu investieren, sondern auch eine bessere Konkurrenzfähigkeit mit Hotels in Österreich und der Schweiz. Das sei besonders hier im Dreiländereck wichtig.

dann frage ich mich endgültig, wie die Hotels bisher überlebt haben.

Welcher Privatgast steigt denn statt in Ravensburg in einem Hotel in der Schweiz ab, weil dort die Preise niedriger(!) sind?

3 Gedanken zu „Logikmodul defekt?“

  1. Mein CeBit Messehotel freut sich jedenfalls riesig, bei stabilen Brutto Preisen jenseits der Schmerzgrenze dürften auch dort die Sektkorken geknallt haben. Per Definition ein Umsatzplus von ca. 10 %, nicht schlecht.

  2. Man bucht halt nicht brutto 🙂

    Und ausserdem, brauchen die Hoteliers in Hannover die USt-Senkung, wo doch die ganzen Cebit-Besucher sonst im nahen Ausland (Polen, Niederlande, Dänemark) ihr Hotel gebucht hätten. Ach nee, für die ist es jetzt ja teurer, hmmm.
    Na gut, aber die ganzen Touristen, die jedes Jahr nach Hannover kommen, hätten sonst ihre Übernachtung im nahen Ausland gebucht. Ach nee, für die wird es ja nicht billiger, hmmm.
    Na gut, aber die Hoteliers wären ohne die USt-Senkung alle pleite gegangen, weil sie ähnlich den Milchbauern unter ihrem Einstandspreis verkaufen müssen, um überhaupt einen Gast nach Hannover statt nach Utrecht zu bekommen.

  3. Für den einzelnen sind es sowieso Kleckerlesbeträge, die keinen großen Effekt haben werden. Für spürbare Steuersenkungen müßte man die Staatsausgaben zu sehr verändern, das gibt dann Ärger mit den Transferempfängern.

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