Volksentscheid in Hamburg

Am Sonntag haben die Hamburgerinnen und Hamburger über die 6-jährige Primarschule abgestimmt.

Der Volksentscheid, der sich für die Beibehaltung der 4-jährigen Grundschule ausgesprochen hatte, hat alle drei Hürden genommen (Quorum Ja-Stimmen, Mehr Ja als Nein-Stimmen, Mehr Ja-Stimmen als der Vorschlag der Bürgerschaft) und es bleibt bei 4 Jahren Grundschule und 8 Jahren Gymnasium bzw. 9 Jahren Stadtteilschule.

Nach dieser Abstimmung wurde eigentlich schon alles gesagt, aber halt noch nicht von allen 🙂

Das statistische Landesamt hat auf seiner Seite umfangreiche Schaubilder zum Ausgang des Volksentscheids.

Ich möchte 2 rausgreifen, die sich, wenn man sie übereinanderlegt, fast perfekt ergänzen:

wahlbeteiligung-volksentscheid

Dieses Bild zeigt die Wahlbeteiligung in den einzelnen Bezirken an. Dunkle Gebiete hatten eine hohe Wahlbeteiligung, helle Gebiete eine niedrige.

 

Das zweite Bild zeigt den prozentualen Anteil der SGB-II-Empfänger, aka ALG-II, aka Hartz-IV. Auch hier stehen dunkle Farben für einen hohen Anteil, helle Farben für einen niedrigen Anteil.

alg-ii-empfaenger-volksentscheid

 

Legt man beide Schaubilder übereinander, ergeben sich folgende Bilder.

alg-ii-empfaenger-wahlbeteiligung-volksentscheid

Auf dem linken Bild wurde jeweils die dunklere Farbe genommen, auf dem rechten Bild die jeweils hellere.

Eine hohe Wahlbeteiligung korreliert mit einer niedrigen ALG-II-Empfängerrate, eine niedrige Wahlbeteiligung korreliert mit einer hohen ALG-II-Empfängerrate.

Anders ausgedrückt: Arme Menschen gehen nicht wählen. Selbst nicht bei Themen, die scheinbar/anscheined dazu gedacht sind, ihre Situation bzw. die Situation ihrer Kinder zu verbessern. Und damit ist dann auch schon fast alles gesagt.

Solange Eltern der Bildung ihrer Kinder gegenüber neutral oder gar negativ eingestellt sind, können sich die Pädagogen, Bildungspolitiker und Ideologen der verschiedenen Bildungsglaubensrichtungen ein Bein nach dem anderen ausreissen. Es wird sich nichts ändern.

Wenn ich in meinem Lerneifer nicht von meinen nähesten Bezugspersonen, meinen Eltern, unterstützt werde, wenn ich kein ausserschulisches Umfeld habe, dass mir ein ruhiges Lernen ermöglicht, wird es am Ende ganz schwer werden, so etwas wie die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Dann ist es völlig egal, ob ich 4 oder 6 Jahre Grundschule habe, ob alle bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen oder schon nach 4 Jahren getrennt wird.

Bei all den Veröffentlichungen zu PISA, IGLU und TIMMS-Studien werden die Eltern, bzw. das familiäre Umfeld fast völlig ausgeblendet. Da lässt sich vermutlich nicht so gut drüber schimpfen wie über ungerechte Grundschullehrerinnen oder ideologisch verblendete Bildungspolitiker.

2 Gedanken zu „Volksentscheid in Hamburg“

  1. Ok, Erscheinungsebene (phänotypisch) gemeistert- und nun?
    Ich hoffe, dass das keine Untermauerung der GWschen These der sog. spätrömischen Dekadenz werden soll.
    Vor dem Hintergrund dieser Wahlbeteiligung kann jedenfalls weniger die Rede davon sein, dass die „armen“ Reichen von der Masse der (geistig) Armen regiert wird (und für BaWü gilt das doch gar nicht- oder?). Die (einfachen) Leute haben keine Lust mehr auf diese Politik(erInnen). Woran das liegt? U. A. an der medialen Darstellung- entweder so, dass bestimmte Vorgänge nur mit einschlägigem Uni-Diplom (PolJurWiwi- am Besten alle drei) verstanden werden kann oder so platt, dass Haarlängen, Kleiderordnungen und sekundäre Geschlechtsmerkmale die Inhalte ersetzen (sollen). Der Spruch vom Hans, der nichts mehr lernt, ist meiner Erfahrung nach widerlegbar- „man“ muß es nur wollen. In Deinem vorigen Beitrag hast Du schon angedeutet, dass auch „die Politik“ dafür verantwortlich ist, dass weniger (oft) gelogen wird.

  2. Ich hoffe, dass das keine Untermauerung der GWschen These der sog. spätrömischen Dekadenz werden soll.

    Eigentlich nicht, wobei man im römischen Reich die Massen ja auch mit Brot und Spielen ruhiggestellt hat, wir haben DSDS, GZSZ und GNTM. Und wer 1984 gelesen hat, dem kommt das ja auch irgendwie bekannt vor.

    Wenn ich mir meine ehemaligen Klassenkameraden, Kommilitonen, Arbeitskollegen (und mich) anschaue, dann scheint das früher besser geklappt zu haben mit dem Aufstieg. Ich habe keine Ahnung an was das liegt, aber es ist ein Problem und ich habe bisher noch von keiner Partei ein schlüssiges Konzept gelesen, wie man das ändern könnte.

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