Auf Wiedersehen Glühlampe, danke liebe EU-Kommission, liebes EU-Parlament und lieber EU-Ministerrat

Foto von kmj/wikipediaAb Übermorgen dürfen in der EU nur noch Restbestände von Glühlampen mit mehr als 60 Watt verkauft werden, schliesslich müssen wir irgendwie die Klimaziele erreichen und der doofe Verbraucher kann das nicht ohne Verbot.

Lassen wir mal völlig aussen vor, dass im vorletzten Jahr nur 1,6% des privaten Energierverbrauchs für Wohnen auf Beleuchtung entfallen ist, dass die Rücknahme von Energiesparlampen bisher nur suboptimal läuft (z.B. dass das Kassenpersonal die zurückgegebene ESL entnervt im Mülleimer entsorgt), dass Millionen Dimmer nicht mit ESL funktionieren und als teurer Einbauelektronikschrott vor sich hin modern werden und ich mich jetzt entscheiden muss, wie hell mein Wohnzimmer zu jedem Zeitpunkt ist, betrachten wir mal nicht das Lichtspektrum oder die Farbtemperatur, ignorieren wir die Tatsache, dass die aufgedruckten Watt-Äquivalente auf den Energiesparlampen irgendwie immer zu hoch sind (zumindest habe ich erst sehr wenige getroffen, die wirklich 1 zu 1 getauscht haben), lassen wir aussen vor, dass man beim Kostenvergleich irgendwie immer Billig-ESL nimmt, wenn man auf Probleme anspricht immer gesagt/geschrieben wird, man dürfe halt keinen Ramsch kaufen, blenden wir die Umweltstandards aus, unter denen die Energiesparlampen hergestellt werden …

 

Warum in alles in der Welt wird so etwas nicht einfach über eine Steuer geregelt?

Wer Glühlampen aus welchen Gründen auch immer anderen Lichtquellen vorzieht zahlt dafür, alle anderen nutzen Energiesparlampen.

Für den Betrieb einer 60-Watt-Birne werden im Laufe ihrer 1000-Lebensstunden ca. 36 Kilogramm CO2 freigesetzt. Bei einer Energiesparlampe mit 15 Watt werden 9 Kilogramm freigesetzt, ergibt eine Ersparnis von 27 Kilogramm CO2. 1 Tonne CO2 kostet bei goclimate (sowas wie moderner Ablasshandel) 23,80 EUR, 27 Kilogramm entsprechend 65 Cent.

Es gäbe vermutlich viele (unter anderem mich), die bereit wären, das als Aufpreis zu zahlen. Das ganze hätte den positiven Nebenaspekt, dass damit sinnvolle Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern gefördert würden, statt die weitere Schwermetallvergiftung chinesischer Flüsse.

Aber das geht ja nicht, das wäre ja irgendwie sozial ungerecht, weil sich die Reichen weiter Glühlampen leisten könnten und die Armen nicht. Da verbietet man es aus Gleichheitsgründen lieber gleich allen. „Warum steuern, wenn ich auch verbieten kann“ scheint sich der gemeine MdEP zu denken.

2 Gedanken zu „Auf Wiedersehen Glühlampe, danke liebe EU-Kommission, liebes EU-Parlament und lieber EU-Ministerrat“

  1. Dazu passend dieser Bericht:

    http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:preiserhoehung-seltene-erden-verteuern-energiesparlampen/60097903.html

    Irgendwie erinnert das Ganze an die Einführung von E10, erst die Alternativen verbieten oder mit Strafzöllen belegen und dann die Preise erhöhen.

    Ökologischer Sinn und Zweck beider Aktionen äußerst zweifelhaft. Das Schlimme: Früher konnte man zumindest noch bei Wahlen politisch einen Denkzettel verpassen. Heute sitzt die Partei welcher man solche Gesetzte zuschreiben würde in der Opposition und der politische Gegner kämpft sich mit Anti-Atom, E10 und Energiesparlampen durch.

  2. @enkei: irgendwie habe ich auch den Verdacht, dass man die Partei, die vorgibt, die eigenen Interessen zu vertreten möglichst in der Opposition schicken sollte, damit die „richtige“ Politik gemacht wird (war 1998-2005 schon so, Spitzensteuersatz, Steuerfreiheit bei Unternehmensveräusserungen, Hartz-IV, Leiharbeit, Bond-Markt, …)

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