Des Kaisers neue Kleider

Theater-Intendanten werden ja immer dafür gelobt, wenn sie historische Stücke modern inszenieren, zum Beispiel den Nabucco mit Saddam Hussein und Panzern auf der Bühne.

Die europäische Kommission war davon fasziniert und hat sich jetzt eines Stückes von Hans Christian Andersen angenommen

Des Kaisers neue Kleider

Vor vielen Jahren lebten Regierungen, die so ungeheuer viel auf die Verteilung von Wohltaten ans Wahlvolk und ihre eigene Klientel hielten, daß sie all ihr Geld und das Geld anderer Leute dafür ausgaben, um recht geputzt zu sein und wiedergewählt zu werden. Sie kümmerten sich nicht um ihre Infrastruktur, kümmerten sich nicht um Bildung und liebten es nicht, vors Volk zu treten, außer um neue Wohltaten zu verkünden. Sie hatten Fonds für jede Unbill des Lebens, und ebenso wie man von werktätigen Menschen sagt, sie sind bei der Arbeit, so sagte man hier immer: „Die Regierung ist in der Lobby“.

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So gingen die Regierungen unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Ratingagenturen sprachen: „Wie sind der Staaten Anleihen unvergleichlich! Welche Wirtschaftskraft sie haben! Wie prompt sie bisher immer zurückgezahlt haben!“ Keiner wollte es sich merken lassen, daß er den Abgrund sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen oder gar ein euroskeptischer Nationalist. Keine Anleihen der Staaten hatten solches Glück gemacht wie diese.

„Aber die sind ja gar nichts wert!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme des Marktes!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

„Aber die sind ja gar nichts wert!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff die Regierungen, denn das Volk schien recht zu haben, aber sie dachten bei sich: ,Nun muß ich aushalten.‘ Und die Kommission ging und trug die Schleppe, die gar nicht da war.

2 Gedanken zu „Des Kaisers neue Kleider“

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