III. Akt, 1. Szene

Man hat mir gesagt, ich würde mich in manchen Blogbeiträgen umsonst schlecht machen. Das mag sein, aber ich finde ich komme im Gegensatz zu manch anderem noch relativ gut weg und ausserdem zeigt es, dass ich auch mich nicht schone, wenn die Chance besteht, dadurch einen billigen Witz anbringen zu können.

Aber um auch mal was positives über mich zu schreiben: Frauen haben mir ein Denkmal gesetzt. Also augenscheinlich nicht alle Frauen und auch nicht komplett, aber immerhin einige Frauen und das für sie in Bezug auf meine Person wichtigste Körperteil. Nein, nicht das vermeintlich Offensichtliche, wobei, wenn ich es recht bedenke lesen hier ja nur Menschen mit die mich kennen, natürlich das Offensichtliche: Meine Schulter in Gips.

Als ich nach dem Abitur in die große weite Welt zog, was in meinem Fall Bremen bedeutete, bekam ich sie überreicht, zwar nicht mit den Worten „On behalf of a grateful nation, please accept this as a symbol of our appreciation for your honorable and faithful service“, aber irgendwie kam es mir trotzdem vor wie ein Begräbnis. Zu Grabe getragen wurde allerdings meine Hoffnung, was nicht weiter schlimm war, denn damals zumindest war ich ganz bei Nietzsche, der in Bezug auf die Büchse der Pandora schon anmerkte, dass Hoffnung in Wahrheit das übelste der Übel sei, weil sie die Qual der Menschen verlängere.

Mittlerweile hat sich meine Sicht auf die Dinge geändert und ich bin dankbar für die Zeit, in der ich zwar noch mit niemand geschlafen, aber mit zwanzig Frauen teilweise sehr emotionale Gespräche geführt hatte, ganz im Gegensatz zu anderen, bei denen das umgekehrt war. Nein, eigentlich immer noch nicht komplett, aber ich glaube fest daran, dass das irgendwann mal der Fall sein wird.

Es hat auf jeden Fall meine Sicht auf Frauen geprägt. Ich konnte mich zum Beispiel mit ihnen unterhalten, ohne mir gleich vorzustellen, wie sie nackt aussehen. Das scheint damals erstaunlich wenigen gelungen zu sein und wenn ich mir meine (Ex-)Kollegen und meinen weiteren Bekanntenkreis so anschaue, dann haben heute manche noch das Problem. Wobei sie das vermutlich nicht als Problem sehen, zumindest nicht bei den gutaussehenden Frauen.

Es war natürlich nicht so, dass alle Männer in meiner Umgebung ziemlich eindimensionale Wesen und alle Frauen hochkomplexe Persönlichkeiten mit ausgeprägtem Hang zur Selbstreflexion waren, aber manchmal hatte ich schon Emma-Lazarus-Momente dergestalt dass ich glaubte, sie hätte die Zeile „Give me your tired, your poor, your huddled masses yearning to breathe free“ für mich geschrieben und nicht für die Freiheitsstatue.

Es war schön zu sehen, wie manche ihr Joch aus fehlendem Selbstbewußtsein und -vertrauen abstreiften und ihr Licht unter dem Scheffel hervorholten. Nicht, dass ich so vermessen wäre, das auf mich zurückzuführen, aber bei vielen chaotisch-deterministischen Systemen reicht ja manchmal schon die minimale Änderung eines Eingangsparameters, um ein völlig anderes Ergebnis zu bekommen.

Interessanterweise wurde ich von den Männern nie als Beziehungsbedrohung angesehen. Erstens waren vermutlich viele froh nicht selbst mit ihren Freundinnen quatschen zu müssen, weil die gemeinsame Zeit ja begrenzt und für sinnvollere Sachen genutzt werden konnte und zweitens ging es ihnen wie ihren Freundinnen, in einem Beziehungsschaubild wäre ich nie unter A wie Alternative aufgetaucht. Ich habe mich damals oft gefragt, wie man zwar einerseits stundenlang darüber jammern kann, dass er nie mit ihr reden würde und oft nicht da sei und ihre Bedürfnisse gar nicht sähe und andererseits völlig ausblenden konnte, dass man das zu jemandem sagte, der da war, zuhörte und mit ihr einkaufen ging. Dann hat mir jemand mal Platons Symposium zum Lesen gegeben und ich habe es verstanden. Also, ich habe nicht komplett verstanden, was Platon seinen Lesern näherbringen wollte, aber obige Frage konnte ich endlich klären.

Zur näheren Erläuterung kann ich jetzt entweder Platon und Diotima nehmen, oder Klaus Lage. Eingedenk der Tatsache, dass das hier eigentlich Bildungs-Blogging ist sollte ich vermutlich erstere nehmen, aber mein Altgriechisch ist zu eingerostet und ausserdem verliert es stark in der Übersetzung. Ich gehe jetzt stillschweigend davon aus, dass jeder, der das hier liest weiß, dass ich keinen Fetzen altgriechisch kann. Falls nicht: Ich kann keinen Fetzen altgriechisch. Ich benutze übrigens auch keine Smilies in diesen Texten, weil ich nicht die Intelligenz meiner Leser dadurch beleidigen will, dass ich ankündige, wenn etwas lustig oder ironisch sein soll. Sollte das jemals als Kabarett-Programm von mir auf die Bühne gebracht werden, werde ich wahrscheinlich schon „Applaus“ und „Lacher“-Schilder verwenden, aber jetzt braucht es das noch nicht. Gegenteilige Meinungen sind in den Kommentaren willkommen.

Zurück zu Klaus Lage, Platon und Diotima. Die drei in einem Satz unterzubringen muss man auch erst einmal hinbekommen. Momentan fehlt noch etwas Sinnhaftigkeit, aber ich komme gleich zum Punkt. Das bekannteste Lied Klaus Lages behandelt unter anderem die beim Tanzen berührte silberne Spange. Klaus Lage postuliert etwas, was die alten Griechen wohl als Transformation von philia zu eros beschrieben hätten, wenn es damals „tausendmal berührt“ schon gegeben hätte. Sie hätten es abgelehnt, weil ihrer Meinung nach der Weg genau andersherum ist. Aus körperlichem Begehren kann sich eine tiefe Freundschaft entwickeln, umgekehrt ist das selten bis nie der Fall.

Man kann sich trotzdem jahrelang kennen und dann erst ein Paar werden, aber soweit ich das mitbekommen habe, waren das nie sehr tiefgehende Freundschaften, die sich dann irgendwann einmal in hemmungslosem Sex auf dem Küchentisch entladen haben. Wenn ich meine Freundschaften zu Frauen revue passieren lasse, dann gab es da sehr viele, bei denen Sex nie ein Thema war. Also Sex war schon manchmal ein Thema, aber nie Sex zwischen uns. Zumindest von meiner Seite aus nicht. Sollte ich damals irgendwelche Zeichen übersehen oder falsch interpretiert haben, bitte ich um kurze Nachricht, dann können wir das nachholen. Und aus einem gesinnungsethischen Ansatz verbunden mit dem juristischen Grundsatz „nullum crime sine lege“ wäre das nicht mal Untreue, da ich zum damaligen Zeitpunkt ziemlich sicher weder verheiratet noch liiert war. Man kann dabei zu den Themenkreisen „zum Tatbestand gehörender Erfolg“, „sukzessive Tatbegehung“ und „fortgesetzte Tat“ durchaus geteilter Meinung sein, aber das bekomme ich dann schon verargumentiert. Man muss die Regeln kennen, um sie umgehen zu können.

 

Es ist schon spät und hier kommt der

– Vorhang –

 

 

 

2 Gedanken zu „III. Akt, 1. Szene“

  1. was sagen die Borg zum letzten Absatz ?
    ein lesenswerter Beitrag, jetzt kann ich beruhigt schlafen….
    aber eine Frage habe ich noch: haben sich schon Frauen gemeldet ?

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