III. Akt, 3. Szene

Irgendjemand hat mich mal einen humorvollen und entspannten Menschen genannt. Humorvoll kann ich von innen nicht beurteilen und für das entspannt sein habe ich einiges getan.

Neben dem Schatz und der Tatsache, dass ich andere auch lieb habe, hilft mir in vielen Situationen, denen ich nicht entfliehen kann, mein virtueller Statler.

Menschen in meinem Alter kennen vermutlich noch die 2 Alten aus der Muppet-Show, die über dem Ganzen sitzend, die Show kommentieren. Genau das mach ich auch.

Immer dann, wenn sich die Diskutanten in einer Besprechung gegenseitig versichern, wie wichtig ein professioneller Umgang miteinander ist und dass man die vertrauensvolle Zusammenarbeit schätzt und ich genau weiß, dass das die beiden eigentlich einen Scheißdreck interessiert und sie nur auf der Suche nach einer Pfanne sind, in die sie ihr Gegenüber bei nächster Gelegenheit hauen können, immer dann wenn zwar schon alles gesagt wurde aber leider noch nicht von allen, immer dann pack ich meinen virtuellen Statler und eine Tüte virtuelles Popcorn, verzieh mich mit ihm in die Loge und wir beginnen das Ganze zu analysieren.

Früher habe ich den Fehler gemacht, in solchen Situationen komplett abzuschalten, was vor allem dann unvorteilhaft war, wenn plötzlich doch jemand eine Frage an mich hatte oder ich im Protokoll nachlesen musste, welche Aufgaben ich alle übernommen hatte.

Seit ich mit Statler das Ganze scharf beobachte, um ja keine Spitze zu überhören und um bei Bedarf Salz und Öl nachzureichen, weil schon alles in Wunden gestreut beziehungsweise ins Feuer geschüttet wurde, passiert mir das nicht mehr. Ich sage das nicht laut, ich denke die Worte „noch jemand Salz?“ nur. Man will ja weder auffallen noch das Leiden verlängern.

Seit ich viele Meetings ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch auf einer Metaebene wahrnehme fällt es mir um einiges leichter, entspannt zu bleiben.

Wenn in der zwanzigsten Besprechung zum hundertsten Mal gesagt wird, was man eigentlich tun müsste um jetzt endlich durchzustarten, regt mich das nicht mehr auf. Ich werfe einen virtuellen Euro ins Phrasenschwein und lächle lautlos vor mich hin.

Wenn man aus blindem Aktionismus durch bloßes Umdefinieren planvolles und strukturiertes Handeln zu machen versucht, bleib ich still, freue mich auf die nächste Wendung und stoße mit Statler auf die Darbietung an. Ich bin da ganz bei Lenka, die schon vor über 5 Jahren wusste: „I know I’ve got to let it go, and just enjoy the show“, um auch mal zeitgenössische Musik zu zitieren und nicht nur irgendwelche alten griechischen oder deutschen Philosophen. In Liedtexten steckt manchmal erstaunlich viel Wahrheit.

Ich bin natürlich nicht so durchgeknallt, mich mit einer Stoffpuppe zu unterhalten. Je nach Situation wird Statler von verschiedenen Personen in meinem Umfeld gespielt, bei denen ich das Gefühl habe, wir würden auf einer Wellenlänge liegen.

Zumindest was die Grundschwingung angeht, gibt es da wirklich ein paar wenige, auch wenn sie das nach Lesen dieses Textes vermutlich vehement abstreiten würden.

Aber ich kann sie beruhigen, für die Oberwellen gilt das vermutlich nicht, alleine schon deswegen, weil ich da einige Phasenverschiebungen drin habe, aber wem erzähl ich das.

Es würde mich auch überhaupt nicht wundern, wenn man irgendwann mal die Tabletten absetzt und ich feststelle, dass ich seit 20 Jahren eine Jacke trage, die man hinten an den Ärmeln schließt, während ich sabbernd auf einem Stuhl sitzend eine weiße Wand anstarre und dabei Unverständliches vor mich hinmurmle. Aber noch zahlt die Versicherung glücklicherweise ja die Medikation, was soll ich mich über ungelegte Eier aufregen.

Zurück zum Thema.

Völlig unabhängig davon, ob man das Ganze zu einer großen Waldorf-und-Statler-Show mit Gastauftritten aufbläst, oder nur ab und an mal versucht die 90% des Eisbergs zu sehen, die unsichtbar unter der Wasserlinie lauern, offiziell nie angesprochen werden, aber den Verlauf der Diskussion entscheidend prägen, es hilft ungemein die Diskussion mal auf einer Metaebene zu sehen, weil man dann den Anderen nicht nur als den Idioten wahrnimmt, den ziemlich überzeugend zu spielen er sich anscheinend gerade vorgenommen hat.

Manche bleiben auch dann Idioten, aber glücklicherweise längst nicht alle.

Fast hätte ich den Vorhang vergessen, aber der fällt ja von alleine

– Vorhang –

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