III. Akt, 4. Szene

Wenn man mich letzte Woche nach einer Gemeinsamkeit von einem gut gewürztem Hundeeintopf und Tokio Hotel gefragt hätte, wäre mir auf Anhieb vermutlich nicht viel vernünftiges eingefallen.

Mittlerweile bin ich eine Woche älter und mir fällt viel mehr dazu ein. Vernünftig ist es zwar immer noch nicht, aber das muss eine Beziehung von etwas ziemlich ekligem, bei dem es mich beim bloßen Gedanken daran schüttelt und einem koreanischen Nationalgericht eigentlich auch nicht sein.

Ich habe, so weit ich weiß, bislang noch kein poshintang gegessen, ich habe allerdings ein Lied von Tokio Hotel zur Gänze gehört und das sogar zweimal. Wer sich jetzt erschüttert von diesem blog abwendet hat mein vollstes Verständnis und alle Entschuldigungsversuche, so ernstgemeint sie auch sind, können bei einem Tabubruch dieser Dimension eigentlich nur lahm und schal klingen.

Es bringt auch nichts darauf hinzuweisen, dass ich am Anfang gar nicht mitbekommen habe, dass in meinem näheren Umfeld jemand ein Lied dieser, Band will ich sie nicht nennen, dieser Ansammlung teilweise verwandter, Musiker will ich sie nicht nennen, dieser Instrumentevergewaltiger, sein Eigen nennt und auch noch hört. Das würde mich beim Hundeeintopf schliesslich auch nicht retten.

Ich bilde mir ein, in der Auswahl meines Umfelds nur höchste Standards gelten zu lassen und wenn auf dem Fragebogen, den ich dazu ausgearbeitet habe, Das Nein-Kreuz bei der Frage „ich mag Tokio Hotel“ auf Seite 17 nicht bis mindestens Seite 21 durchdrückt, dann wird das in aller Regel nichts. Aber da das nicht die Regel ohne Ausnahme ist, die existieren müsste, wenn „keine Regel ohne Ausnahme“ auch eine Regel ist, hat es mich trotzdem erwischt.

Schlimmer kann sich Cäsar nicht gefühlt haben, als er im Moment seines Todes ein letztes „et tu brute“ ausstossend erkennen musste, wer ihm da den Dolch in den Rücken gerammt hatte.

Es hat mich in einer Situation getroffen, in der ich geistig nicht voll auf der Höhe, weil vermutlich ein wenig dehydriert war, in einem Moment, in dem mein Blut anderes zu tun hatte, als die höheren Hirnfunktionen in gewohnter Weise zu unterstützen. Ich rede von einem Augenblick, in dem sich schweißnasse Körper in einem gemeinsamen Rhythmus bewegten, in dem ein bestimmtes Körperteil zum 5-fachen seiner normalen Größe angewachsen war.

Es war beim Sport in einer nicht so gut ausgeleuchteten Halle, weswegen die Pupille auch ganz offen war. Weil das hektisch aber schrecklich ineffektiv durch meinen Körper gepumpte Blut in den Ohren rauschte, weil das vegetative dem somatischen Nervensystem schon lange den Rang abgelaufen hatte, es ging ja um mein Überleben, war ich etwas abgelenkt.

Das alles ist keine Entschuldigung, ich selbst würde das schliesslich auch nicht gelten lassen, aber vielleicht macht es das Ganze ein wenig verständlicher.

Ich weiß nicht, wie ich jetzt mit dieser Schmach umgehen soll. All diejenigen, die mir immer alles brühwarm über diese Gruppe berichtet haben, zum Beispiel dass sie einen MTV Music Latin-Award gewonnen haben, oder dass sie bei Madame Tussauds zu besichtigen sind, müssen sich doch jetzt insgeheim bestätigt vorkommen.

Ich habe Angst. Wer weiß, irgendwann werde ich mit einem Tetrapak französischen Landweins unter irgendeiner Brücke sitzen dabei „durch den Monsun“ singen und mein eigenes Schicksal verfluchen.

Ich geh schon mal ein bisschen üben, aber lieber hinter dem

– Vorhang –

4 Gedanken zu „III. Akt, 4. Szene“

  1. Ich wollt dir alles anvertrauen
    Warum bist du abgehauen
    Komm zurück
    Nimm mich mit

    Komm und rette mich
    Ich verbrenne innerlich
    Komm und rette mich
    Ich schaff’s nicht ohne dich
    Komm und rette mich
    Rette mich
    Rette mich

    PS.: Für den Fall, dass du wirklich kommst, bring Bier und Knabberzeug mit.

    PPS.: Ich bedauere immer noch zutiefst, dass die Tokio Hotel T-Shirts an deinem Vierzigsten zu spät kamen. Gott sei Dank war Pearl bei der Rücknahme kulant, für den Fünfzigsten überlegen wir uns was neues…

  2. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass das da oben ein Ausschnitt aus einem „Lied“-Text von Tokio Hotel ist. Es bestärkt mich in meiner Meinung, nichts darüber wissen zu wollen.

    Ihr könnt mir ja zum Fünfzigsten ein Best-Of-Tokio-Hotel-Album schenken, ich bin mir sicher, dass irgendjemand leere CDs verkauft.

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