Adventskalender 7/24

Man soll nicht einkaufen, wenn man hungrig ist und man sollte nicht bloggen, wenn man genervt ist.

Schöne Grundsätze, an die ich mich für gewöhnlich auch halte. Ein manchmal übervoller Kühlschrank und diverse Beiträge in diesem Blog belegen die Ausnahmen. Jetzt kommt wieder eine.

Die cc-Seuche ist eigentlich kein Thema für einen Adventskalender, da sollten eher besinnliche, vorweihnachtliche Sachen stehen, dass wir uns alle lieb haben und so. Ich kann’s ja mal versuchen.

Viele Menschen sind mir lieb und wert. Manche schaffen sogar den Superlativ der entsprechenden Adjektive, sie sind mir am liebsten am Allerwertesten.

Na also, geht doch.

Früher, als Briefe noch von Sekretärinnen mit Schreibmaschine geschrieben wurden, hat man manchmal ein Durchschlagpapier und ein zweites Blatt mit eingespannt, wenn man den Brief noch jemandem anderen zur Information zukommen lassen wollte. Im englischen heißt das Papier carbon paper und der Durchschlag ist die carbon copy, oder abgekürzt cc.

Heute weiß keiner mehr, was eine Schreibmaschine oder Durchschlagpapier ist und nur der dämlichste Teil der Sache, das cc hat in Form eines kleinen Feldes im Email-Programm überlebt.

Weil das Feld ja irgendeinen Grund haben muss und schon nicht einfach so dastehen wird, wird es von ganz vielen Menschen auch gefüllt. Nur eins vorneweg: Man kann Emails auch mit leerem cc-Feld verschicken, das Email-Programm motzt dann nicht mal.

Wenn ich die knapp 17 Jahre geschäftliche Email-Nutzung revue passieren lasse (ja, ich bin alt), vom Kleinunternehmen bis zum Weltkonzern, dann kristallisieren sich mehrere Typen von cc-Nutzern heraus (ich weiß noch nicht, wie viele es werden, dieser Text entsteht während des Tippens):

  • Das klassische CYA-cc
    Das Akronym CYA steht für „cover your ass“ wird manchmal auch als CMA „cover my ass“ gebraucht und sagt eigentlich schon alles. Diese Email wird irgendwann mal rausgezogen, wenn es darum geht, Schuldige zu finden. Meistens mit den Worten „Davor hab‘ ich schon vor Monaten gewarnt, aber es hat ja keiner reagiert“. So richtig auf den Putz hauen will der CYA-cc-Schreiber nicht, es geht nur darum, den eigenen Arsch zu retten (falls man mir die etwas despektierliche Ausdrucksweise verzeihen kann)
  • Das ich-bin-wichtig-cc
    Schaut auf diese Email ihr Völker der Welt. Ich schreibe dem Vorstand, oder dem Bereichsleiter, oder zumindest dem assistant deputy head of the facility management department und ich möchte, dass ihr das würdigt. Vielleicht mit einem roten Teppich morgen früh, oder zumindest mit einem Kaffee an den Arbeitsplatz.
    VORSTAND!!!1111einseinself!!! meine Herren.
  • Das Hierarchie-cc
    Da gibt es zwei Spielarten von. Meistens dann, wenn der Entwickler nicht das machen will, was der Auftraggeber möchte (zum Beispiel Frau und Kindern Lebewohl sagen, sich in den Serverraum einschliessen und die nächsten 3 Monate rund um die Uhr an diesem ganz speziellen Projekt arbeiten).
    Entweder man bringt die eigene Hierarchie ins Spiel, was manchmal zu Verwechslungen mit dem „ich-bin-wichtig-cc“ führt, oder man bringt die Hierarchie des Empfängers ins Spiel, um mal nicht ganz so subtil ein bisschen Druck aufzubauen, dass man auch anders könnte, wenn man wollte.
  • Das der-hat-in-meinen-Sandkasten-gekackt-cc
    Manchmal, ganz selten bin ich in Teams, die fast nur noch schriftlich kommunizieren (das liegt echt nicht an mir. Die haben das schon getan, bevor ich gekommen bin und sie tun es immer noch, obwohl ich längst weg bin). Meinungsdifferenzen werden grundsätzlich unter Einbeziehung des Team-Email-Verteilers geführt, weil es ja nicht sein kann, dass der Rest des Teams normal weiterarbeiten kann, während gerade (zumindest gefühlt) die Welt untergeht. Wegen so einer Mailkaskade musste ich mal zu meinem Chef, weil ich – ohne irgendein cc-Feld zu benutzen – ausschliesslich den beiden Kontrahenten geschrieben habe, sie mögen doch bitte Abstand davon nehmen, mir alles zu schicken und dass es mir völlig ausreichen würde, wenn mir der Überlebende dieses epischen und sicherlich heldenhaften Endkampfs mitteilt, wessen Kacka-Haufen das jetzt war und wer wessen Schäufelchen benutzen musste, um ihn weg zu machen. Hätte ich nicht tun sollen. Nicht wegen des Chefgesprächs, das bin ich gewohnt, sondern weil das eine weitere Welle voll erboster Emails hervorgerufen hat.

Meine persönlichen Favoriten sind Emails mit genau 1 (in Worten einem) Empfänger und einem cc-Feld, dass nur auf einem 42-Zoll-Monitor in UHD-Auflösung und 4-Punkt großer Schrift komplett angezeigt werden kann.
Ich überlege mir da immer, wie wohl die Walze einer Schreibmaschine ausgesehen hätte haben müssen, mit der man den einzuführenden Papierstoss hätte bewältigen können und ob es spezielle Durchschlagschreibmaschinen gab, die statt eines Typenrads Ambosshämmer gehabt haben, damit auch der 394ste Durchschlag lesbar war.

Bevor ich jetzt aufhöre, fällt mir neben dem Einkaufen und dem Schreiben noch was ein, was man nicht kombinieren sollte. Alkohol und Telefone.

Aber darüber schreib‘ ich ein anderes Mal. Sind ja noch 17 Tage bis Heilig Abend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.