Adventskalender 17/24

Ab und an traut sich mal jemand, mir ehrliche Fragen zu stellen, zum Beispiel die, warum es mir trotz anscheinend vorhandener Intelligenz nicht gelingt, komplexere Sachverhalte oder etwas längere Gedankengänge verständlich zu artikulieren, beziehungsweise niederzuschreiben.

Für die Beantwortung der Frage bräuchte ich eigentlich ein Wimmelbuch, oder zumindest ein Foto davon. Aber wenn man einmal was von seinen Kindern braucht, dann haben sie es entweder verschenkt, oder verliehen, oder es ist unauffindbar.

Tja, dann halt ohne Bild.

Eltern werden wissen was ich meine, Nicht-Eltern können ja mal googlen, wenn schon meine Erklärung eines Wimmelbilds zu konfus wird. Oder ich nehme einfach die Erklärung von Wikipedia, die ist hoffentlich verständlich.

Auf den sich meist doppelseitig erstreckenden Bildern „wimmelt“ es von Details, Menschen, Tieren und Dingen, sogenannte Wimmelbilder, von denen auch der Name abgeleitet ist. Innerhalb eines Bildes werden Dutzende kleine Alltagsszenen dargestellt, die miteinander durch die gemeinsame Umgebung, wie zum Beispiel einen Zoo, eine Stadt oder einen Bauernhof, verbunden sind.

Und genau so sieht’s in meinem Kopf aus. In sich konsistent, detailreich, unheimlich viel zu sehen.

Problematisch wird das Ganze dann, wenn man oder zumindest ich versuche, das jemandem zu beschreiben, der das Bild nicht kennt. Hätte es in meiner Jugend schon ADHS gegeben, hätte ich das sicher gehabt. Mittlerweile bin ich zu alt zum Testen, ich komme mir neben den ganzen 6-Jährigen und ihren Helikopter-Eltern ein bisschen deplatziert1 vor, ausserdem verschreibt mir vermutlich niemand Methylphenidat.

Selbst, wenn ich fokussiert und konzentriert wäre (was ich, wie man an obiger Abschweifung erkennen kann, zumindest in diesem blog nicht bin) gelänge es mir vermutlich nicht, das Bild so zu beschreiben, dass ein Anderer es sich vorstellen kann. Gebe ich erst einen groben Überblick und gehe dann ins Detail, hangele ich mich von Kleinstszene zu Kleinstszene, von oben links nach unten rechts, was stellt sich mein Gegenüber unter einem großen roten Traktor vor? Und ui, hab‘ ich das kleine gelbe Auto da am Strassenrand schon erwähnt? Fragen über Fragen.

Dummerweise war bei meinem Kopf keine verständliche Bedienungsanleitung oder Gebrauchsanweisung dabei, in der ich schnell nachschauen könnte. War mehr so ein Buch, auf dem sich die Bilder doppelseitig erstrecken.

Und warum mach‘ ich das dann überhaupt wenn ich es schon weiss und bin nicht einfach still oder beschränke mich auf die Erklärung einfacher Strichzeichnungen?

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum.

Vielleicht weil es ein paar Menschen gibt, die meine Versuche manchmal verstehen und irgendwas damit anfangen können. Selten das, was ich eigentlich damit bezwecken wollte, aber wenn’s hilft oder Spaß macht, ist das ja eher nebensächlich.

  1. gelernt habe ich noch, dass man das so schreibt „deplaziert“, woran man erkennen kann, wie alt ich bin []

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