Adventskalender 23/24

Da viele Menschen der Meinung sind, „face tamen“ wäre englisch, dann feststellen müssen, dass das Wörterbuch „tamen“ nicht kennt, zumindest nicht das englische, oder um ganz genau zu sein, dass englisch-deutsche, fragt der ein oder andere nach.

Die schnelle Antwort:

„face tamen“ ist nichts anderes als das „yolo“ des versnobten, humanistisch gebildeten Bürgertums.

Man könnte auch auf das „just do it“ von nike zurückgreifen, welches von eben jenen Menschen übrigens so gesprochen wird, wie man es schreibt (mit der Betonung auf der erstens Silbe), weil sie erstens nicht wissen, wie man das auf englisch ausspricht (stummes e am Ende oder nicht) und zweitens wieder mal den Klugscheisser raushängen lassen können. Ich meinte übrigens „nike“, nicht „just do it“, falls sich jemand fragt, an welchem Wort da ein stummes e am Ende sein könnte.

Während 2012 gefühlt jedes 5. T-Shirt mit #yolo bedruckt war, nachdem es zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde, danach abrupt von keinem unter 30 mehr benutzt wurde und die T-Shirts in die Krabbelkiste bei Charmant&Attraktiv wanderten, findet man „face tamen“ eher selten auf T-Shirts. Ich hab’s bisher nur auf zweien gesehen und dann auch nur in spiegelverkehrt.

Aber das sagt ja alles nichts darüber aus, warum ich das zu einer meiner Lebens-Maximen (ich bin mir unschlüssig ob es jetzt Mottos, Motti, oder Motten heißt und Maxime klingt genau so gut) gemacht habe.

Zum ersten Mal gesehen habe ich den Spruch 1993 an einer Bremer Autobahnbrücke als Vierzeiler:

carpe diem
delecta noctem
respice finem
face tamen

was so viel bedeutet wie

Nutze den Tag
Geniesse die Nacht
Bedenke das Ende
Tu es dennoch

Damals war ich noch jung, und das finem ziemlich weit weg.

Mittlerweile ist es näher gerückt. Wenn ich den Mathematikern des statistischen Bundesamts und ihren Sterbetafeln trauen darf, dann hab‘ ich schon mehr Sonnenaufgänge hinter, als Sonnenuntergänge vor mir.

Da gewinnt das mit dem face plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

Was mich zu einem kurzen Einschub für Leute bringt, die ab und zu mal laut in der Öffentlichkeit fluchen müssen. Tourette light, also zwar so vorhanden, dass man manchmal einfach raus damit muss, aber nicht so schlimm, dass man es als Entschuldigung benutzen kann.

Einfach ganz laut „fuck“ sagen. Läßt sich von „fac“ nicht unterscheiden und falls irgendjemand kritisch schaut – wobei solche Menschen eher indigniert als kritisch schauen – einfach antworten mit:
„Imperativ I, Singular, aktiv von facere. Ich versuche nur, mir ein bisschen Mut zuzusprechen“.

Die meisten sind dann stumm, die anderen langweilen mit Geschichten über ihren Lateinunterricht, der noch von Cicero persönlich geleitet wurde.

Eigentlich sollte es heute um was ganz anderes gehen, aber irgendwie schaffe ich es nicht, mich um meine Ziele zu kümmern.

Weil es irgendwie passt, kommt jetzt noch das bisherige Resümee dieses Adventskalenders:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.