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Archiv für die Kategorie „Informationstechnik“

Sollte sich der Bericht im Handelsblatt bewahrheiten, dass die Bundesregierung vor den USA eingeknickt ist und sich beim Geheimabkommen zum Bankdatenaustausch mit den USA nur enthalten will, schmeisst die Bundesregierung mal wieder alle Prinzipien über Bord, um den Leuten in Washington zu gefallen. Und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Ab dem 1. Dezember steht dem Europaparlament aufgrund des Lissabon-Vertrags ein Mitspracherecht zu. Das Abkommen soll am 30. November noch vom bis dahin zuständigen EU-Ministerrat abgesegnet werden, weil sich im EU-Parlament zu viele gegen den Datenaustausch stellen. Alles lupenreine Europäer. Von Merkel über de Maiziere bis hin zu Herrn Westerwelle. Aber bitte doch nicht so. Kann sich noch jemand an die Schönwetterreden anlässlich der Abstimmung im Bundestag erinnern? Die betreffenden Damen und Herren anscheinend auch nicht.
  2. Das Vertragswerk ist nicht komplett öffentlich. Ich habe gedacht, das sei seit Rapallo und dem geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt in der deutschen Aussenpolitik nicht mehr üblich. Wer jetzt welche Daten bekommt und aus welchen Gründen, an wen er sie weiterleiten darf und was passiert, wenn man aufgrund von Verwechslungen, Übertragungsfehlern o. ä. in das Visier der USA gerät, bleibt im Dunkeln.
  3. Wie will man auf Augenhöhe mit den USA verhandeln, wenn man bei eigenen Forderungen immer gleich nachgibt und bei Forderungen der USA den Schwanz einzieht und kneift. Die Bundesregierung wird vom deutschen Volk gewählt (über den Umweg Bundestag), sie wird nicht von der US-Administration eingesetzt.
  4. Noch nie hat (meinem Empfinden nach) eine Koalitionspartei so schnell ihre Vorschusslorbeeren (in Form von Wählerstimmen) verspielt, wie die FDP nach dem 27. September.

Wer jetzt einwendet, dass sei ja alles halb so schlimm, es gehe doch nur um den internationalen Terrorismus, der darf mir seine IBAN-Nummer schicken, ich überweise dann aus der Schweiz ein wenig Geld mit dem richtigen Betreff und wir unterhalten uns weiter, wenn eine willfährige deutsche Exekutive die Konten gesperrt hat und man in kafkaesker Manier sein Leben entschwinden sieht.

Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. [..]

Was waren denn das für Menschen? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehörten sie an? K. lebte doch in einem Rechtsstaat, überall herrschte Friede, alle Gesetze bestanden aufrecht, wer wagte ihn in seiner Wohnung zu überfallen? [..]

Wenn man sich anschaut, was nach dem 11. September 2001 alles passiert ist, dann kann man sich als naiver Mensch schon mal die Frage stellen, ob die CIA wirklich aufgehört hat, Bin Laden zu bezahlen.



Man sollte meinen, die Recht(ein)haber der Kreativindustrie (läuft Kreativindustrie eigentlich schon unter Oxymoron?) wollen, dass ihnen auch noch die letzten CD-Kunden abhanden kommen.

Anders kann ich mir einen Artikel bei telepolis nicht erklären.

Ein IronMaiden-Fan, der nach eigener Aussage vor 15 Jahren eine CD dieser Gruppe im elektronikmarkt gekauft hat und diese jetzt über ein Onlieverkaufsportal (ebay, hood und wie sie alle heissen) wieder verkaufen wollte, wurde abgemahnt, weil die CD damals anscheinend nicht vom Rechteinhaber lizensiert wurde.

Die ganze Problematik bzgl. der CD allgemein ist hier recht gut zusammengefasst.

Während ich bei Tauschbörsen noch halbwegs auf der Seite der Rechteinhaber stehe (halbwegs deshalb, weil mir die angewandten Methoden mehr als zweifelhaft erscheinen), fehlt mir für solche Aktionen jedes Verständnis. Das einzige, was man damit erreicht ist, dass noch mehr Menschen in die Illegalität abwandern, weil es da vielfach die Probleme nicht gibt, die es mit legal gekauften Sachen gibt.

  • Amazon hat einem Kunden gekaufte Bücher auf seinem E-Reader Kindle gelöscht, weil das Benutzerkonto gesperrt wurde
  • Sony packte auf viele seiner CD Rootkits, die zum Einfallstor für Schadsoftware auf dem eigenen PC werden können
  • diverse kopiergeschützte CD laufen nicht auf dem eigenen PC oder im Autoradio
  • bei Microsoft gekaufte Musik liess sich nicht mehr abspielen, weil der Lizenz-Server abgestellt wurde
  • diverse Musikstücke lassen sich aufgrund des kopiergeschützten Formats nicht auf dem MP3-Player abspielen
  • Kopiergeschützte DVD lassen sich nicht auf allen DVD-Playern abspielen
  • Vor jedem Film gibt es einen teilweise minutenlangen Zwangsvorspann, der dem ehrlichen Kunden erklärt, wie böse doch Raubkopierer sind.

All diese Dinge sind keine inhärenten Eigenschaften einer CD, DVD, einem E-Book oder einer MP3-Datei. Die Kreativindustrie hat sie dazugepackt, um Rechtsverstösse zu verhindern und dabei völlig übersehen, dass diejenigen, die diese Rechtsverstösse begehen, ihnen immer einen Schritt voraus sind.

Wer sich aus illegalen Quellen versorgt (und ein wenig darauf achtet, was er tut) hat keine Probleme damit, dass die Musik nicht in der Stereoanlage, dem Autoradio, PC oder MP3-Player läuft, er hat bei DVDs keinen Zwangsvorspann, in dem ihm erklärt wird, dass die Kreativindustrie hart aber fair ist, ihm werden keine Daten gelöscht, nur weil ein Account gesperrt wurde. Kurzum, er hat all die Probleme nicht, die ehrliche Kunden aufgrund seiner illegalen Tätigkeit und der (Über-)Reaktion der Content-Industrie darauf haben.

Und da er kaum auf die Idee verfallen wird, seine illegal hergestellten Vervielfältigungen zu verkaufen, hat er auch nie Probleme damit, dass er beim Verkauf Post vom Anwalt bekommt.

Die Kreativindustrie erzielt mit ihrem Vorgehen keinen Rückgang der illegalen Verbreitung und vergrätzt noch den letzten ehrlichen Kunden, der eigentlich nichts anderes will als das, was ihm bis vor kurzem noch vom Gesetz erlaubt war: Musik da hören, wo er will.



soeben von Amazon bekommen:

Liebe Kundin, lieber Kunde!

Da Sie “Calvin und Hobbes, Bd.14, Die Phantastischen Zwei” von Bill Watterson [..] gekauft oder bewertet haben, freut es Sie sicher, dass “Johannes Calvin” am September 2009 erscheint. Bestellen Sie jetzt Ihr Exemplar vor!

Zwar ist auch Calvin von Calvin & Hobbes ein Philosoph, aber mit der Reformation in der Schweiz hat er doch eher wenig am Hut.



Wir werden eines Tages nicht nur gefragt nach dem, was wir getan haben, sondern auch nach dem, was wir vielleicht nicht getan haben. Wo wir gekniffen haben. Wo wir uns geduckt haben, nur weils anstrengend wird. Hier muss man dann auch Farbe bekennen. Hier muss man dann auch Stürme durchstehen.

Ursula von der Leyen, Bundesfamilienministerin



ohne weitere Worte.

Nur eins noch: Ich bin gegen Netzsperren, finde aber in meinem Umfeld vermutlich nur sehr wenige Menschen, die mich deshalb als links bezeichnen würden. Informiert, halbwegs intelligent, Dinge hinterfragend vielleicht noch, aber links?

Alle Länder, die von den Befürwortern der Sperre bisher ins Feld geführt wurden als Länder, in denen Kinderpornographie nicht geächtet wird, z.B. Indien und Kasachstan, haben Gesetze dagegen. Sie haben allerdings auch etwas dagegen, in dieses Licht gerückt zu werden.

netzpolitik.org/2009/von-der-leyen-und-indien-antwort-der-botschaft/

Das Problem bei diesem Thema ist, dass man irgendwann müde wird zu widersprechen, dass diese Frau aber anscheinend nicht müde wird, Unsinn zu behaupten. Andere, die seitens der Strafverfolgung, als Organe der Rechtspflege (Anwälte wäre kürzer, ich weiss) und auch von der technischen Seite viel mehr verstehen als ich, haben in hunderten von fundierten Beiträgen die Theorien, die Frau von der Leyen postuliert, widerlegt. Allein, es hört ihnen keiner zu.

Und auch wenn es viel zu übertrieben klingt, bleibt mir nur, mal wieder Erich Kästner und Max Liebermann zu zitieren:

Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. Das ist der Schluss, den wir aus unseren Erfahrungen ziehen müssen, und es ist der Schluss meiner Rede. Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben. Es ist eine Angelegenheit des Terminkalenders, nicht des Heroismus.

Erich Kästner

Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.

Max Liebermann