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Natürlich nur, wenn man auch mit mir kommuniziert, ich bin ja nicht Tokio Hotel (siehe hierzu auch Punkt 5)

Die Wichtigste Maxime im Umgang mit mir

Unterstelle nie Bösartigkeit, was durch Dummheit oder Gedankenlosigkeit hinreichend erklärbar ist.

Gerade in der rein schriftlichen Kommunikation ist es manchmal nicht immer ersichtlich, wie man etwas meint und es fehlt die direkte Rückmeldung, wie es denn angekommen ist.
Sollte ich manchmal den Eindruck erwecken, mit dem Feingefühl einer Horde herangaloppierender Hunnen ausgestattet zu sein, dann ist der wahrscheinliche Grund der, dass ich zuwenig oder das Falsche gedacht habe, bevor ich in die Tasten gegriffen habe. Ich überhole mich nicht nur beim Sprechen manchmal selbst.

Obige Maxime ist in Anlehnung an Ockham’s Razor auch als Hanlon’s Razor bekannt. Die Apostrophe hinter den Namen sind übrigens keine Deppenapostrophe, die Engländer machen das so, auch wenn kein Buchstabe fehlt. Das bringt mich dann auch gleich zu Punkt zwei

Je nach Sichtweise bin ich ein ekliger Besserwisser oder ein adäquater Wikipedia-Ersatz, wenn man mal kein Internet hat

Damals, als der Browser noch Mosaic hieß, twitter mit Vögeln assoziiert wurde1 und Enzyklopädien nicht in der Hosentasche getragen werden konnten, war es sinnvoll, Dinge zu wissen. Nicht, dass es wirklich überlebenswichtig war, zum Beispiel die Hauptstadt Madagaskars zu kennen (auch wenn sich da ein Bundespräsident mal kräftig blamiert hat) oder den Länderfinanzausgleich erklären zu können (auch wenn den scheinbar2 nicht mal bayrische Ministerpräsidenten verstehen), aber wenn auf einer Party mal die Stimmung ins zu Überschwängliche abzugleiten drohte, hatte man gleich ein Thema, um sie wieder abzukühlen. Die Zeiten sind vorbei, heute zückt ja jeder gleich sein Smartphone. Von daher weiß ich, wie sich Dampflok-Heizer bei der Einführung von Dieselloks gefühlt haben müssen, was mich dann auch gleich zu Punkt 3 führt

ich schweife ab

Das passiert mir regelmäßig. Sitzungen an denen ich teilnehme verlängern sich automatisch um eine halbe Stunde, wenn ich das Wort ergreife. Dass das so ist, liegt am nächsten Punkt

ich interessiere mich grundsätzlich für alles

Es gibt keine langweiligen Themen. Es gibt Themen, die langweilig präsentiert werden, es gibt Themen, die aufgrund ihrer Einfachheit auch mit einem einzigen Satz ausreichend behandelt werden könnten, aber wirklich uninteressant finde ich nur ganz wenig. Das da oben ist ein juristisches grundsätzlich, das heißt es sind Ausnahmen möglich, was mich direkt zum nächsten Punkt führt

Ich mag Tokio Hotel nicht und finde alles damit Zusammenhängende in Gänze unspannend

Das hindert mein Umfeld allerdings nicht daran, mir alles zu schicken, zu sagen und vorzuspielen, was mit Tokio Hotel zusammenhängt. Ich bekomme mitgeteilt, dass Tokio Hotel bei den MTV-Latin Awards einen Preis gewonnen haben, welches Bandmitglied  gerade eine neue Frisur hat oder daß sie einen Schulabschluß gemacht haben (mit der Abschlußnote 1,8 falls das jemand wissen will), was dann auch gleich zum nächsten Punkt überleitet

ich bin ganz schlecht im Vergessen

Ich kann mir irgendwie jeden Unsinn merken. Bei ganz wichtigen Dingen haut es manchmal nicht hin, aber sollte jemand wissen wollen, wem Joschka Fischer sein “Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch” entgegengeschleudert hat, kann er mich auch im Funkloch fragen3. All das zusammen bringt mich auf den nächsten Punkt

ich bin in aller Regel nicht nachtragend

Dass ich etwas nicht vergesse bedeutet nicht automatisch, dass ich es dem- oder derjenigen auch noch übelnehme. Außer meiner Schwester, die schon als Kind immer mit mehr Lego gespielt hat als ich, weil sie immer die Farben genommen hat, in denen wir viele Steine hatten. Ich habe dann blau und gelb bekommen, was gerade mal für die Mauer eines ganz kleinen Hauses gereicht hat, von den Dachziegeln ganz zu schweigen, die waren nämlich rot und rot war ihre Farbe (Punkt 3, falls sie sich fragen, was das soll), was dann folgerichtig auf den nächsten Punkt führt

Ich ziehe Dinge oft ins Lächerliche

Je nachdem, wen man über mich fragt, bin ich entweder ironisch, sarkastisch oder zynisch. Ich war nicht immer so, das hat die Welt mit mir gemacht. Zurückblickender Abgrund und so. Was mir tierisch auf die Nerven geht sind Leute, die es eigentlich wissen müssten, es aber nicht tun. Dann flüchte ich mich in den Sarkasmus, um alles irgendwie besser ertragen zu können. Sollte ich also bei Ihnen so auftreten ist das ein Zeichen dafür, dass ich eigentlich eine höhere Meinung von ihnen habe, als sie sie durch ihr Handeln gerade rechtfertigen, was mich direkt auf den drittletzten Punkt führt

ich bin überheblich

Ich lasse jetzt mal den Spruch aussen vor, dass Kompetenz von unten oft mit Arroganz verwechselt wird, weil das zwar stimmt, aber nicht alles erklärt. Die erste Strophe von “you’re so vain” wurde wirklich für mich geschrieben. Die Erwähnung eines Liedes bringt mich auch schon fast zum Ende

ich liebe Musik

Musik gehört zu meinem Leben und meine Geschmack ist diesbezüglich entweder breit gestreut oder beliebig. Ich tendiere zu ersterem, weil je nach Stimmung Adele und Jule Neigel oder halt Axxis und Metallica. Kommen wir zum Schluß

ich bin eigentlich ziemlich einfach gestrickt

Menschen, die mich näher kennen, werden das bestätigen.

 

  1. bei der falschen Assoziation bezüglich des Substantivs gleich noch mal Punkt 1 lesen []
  2. ich kenne den Unterschied zwischen scheinbar und anscheinend []
  3. Richard Stücklen []


Momentan jammern wieder viele wegen einer möglichen Einführung einer Finanztransaktionssteuer (in Höhe von 0,1% auf Aktien und 0,01% auf Derivate), die vermutlich zum Untergang des Abendlandes führen wird. Stellvertretend für viele Hermann Otto Solms:

  • Ganz zu schweigen davon, dass die Finanztransaktionssteuer nicht von Banken, sondern von Privatpersonen, von Bürgerinnen und Bürgern bezahlt wird.
  • Dass die Finanztransaktionssteuer Finanzgeschäfte an weniger regulierte Börsenstandorte verlagern wird. Worunter auch der Standort Frankfurt am Main leiden wird.
  • Dass die Finanztransaktionssteuer zu weniger Investitionen von Unternehmen in Deutschland führen wird. Sondern diese ins Ausland verlagert werden.
  • Und dass den Banken das Geld für Kredite zur Finanzierung von Investitionen fehlen wird.

Mal ganz davon abgesehen, dass die obigen Argumente ziemlich inkosistent sind (wieso fehlt den Banken das Geld, wenn die Steuer von Privatpersonen bezahlt wird und wieso verlagern Unternehmen Investitionen ins Ausland, wenn Börsengeschäfte versteuert werden) und weiterhin davon abgesehen, dass ich neue Steuern auch nicht gut finde, bleibt mir nur, Ihnen und Euch ein

Jammerlappen

entgegen zu schleudern.

Es geht um 0,1%. Der Kurs der Deutschen Bank hat gestern um 0,4% geschwankt, der von Daimler um 1,8% und der von BASF um 1,4%. Da gehen – für den normalen Anleger – die zusätzlichen 0,1% im statistischen Rauschen unter.

Wenn ihr mal wirklich weinen wollt, dann schaut doch mal, was eine normale Familie an Steuern bezahlt, wenn sie ein Haus baut.

Nehmen wir eine Familie in Schleswig-Holstein, die für 100’000 € ein Grundstück erwirbt und darauf für 200’000 € ein Haus baut.

Für das Grundstück werden 6’500 € Grunderwerbsteuer fällig, und von den 200’000 € fürs Haus sieht das Hausbauunternehmen nur 168’000 €, weil sie 32’000 € gleich ans Finanzamt überweisen1.

Da Häuser in aller Regel nicht bar bezahlt werden, sondern über Kredite finanziert, ist es mit den 38’500 € aber nicht getan.

Wenn man annimmt, dass obiger Bauherr 200’000 € finanzieren muss, dann müsste er bei Steuerfreiheit nur 161’500 € finanzieren. Bei 3% Zinsen und 1’000 € Monatsrate ergibt sich dann folgendes Schaubild:

steuer

 

Zu dem Zeitpunkt, zu dem der steuerfrei gebliebene Hausherr seine letzte Rate bezahlt, hat der steuerzahlende Hausherr noch einen Betrag von 64’000 € offen und 71 weitere Monate Kredittilgung.

Der nicht steuerzahlende Bauherr zahlt 206’000 € für Tilgung und Zinsen, der steuerzahlende 277’000 €2.

Über 25% der Zeit, die er mit der Kredittilgung verbringt, zahlt er nur für die Grunderwerbs- und die Umsatzsteuer.

Über 25% der Zins- und Tilgungssumme gehen für die Grunderwerbs- und Umsatzsteuer drauf.

Und ihr jammert über 0,01%?

  1. lassen wir so Dinge wie Bauabzugsteuer mal aussen vor, die das Ganze nur unnötig verkomplizieren, weil nicht das Unternehmen sondern der Bauherr zum direkten Steuerschuldner wird []
  2. als ob er eine Wahl hätte []


Ich versuch’s jetzt auch mal mit reisserischem Titel, Katzenbilder alleine scheinen nicht zu wirken.

Bei der Landtagswahl in Sachsen haben von 3’375’734 Wahlberechtigten nur 1’637’364 ihre Chance genutzt, die Besetzung des Landtags aktiv mitzubestimmen, das sind gerade mal 48,5%.
In diversen blogs und Facebook-Beiträgen wird diese Wahlbeteiligung heftig kritisiert, das Sturmgeschütz der Demokratie (der Postillon, falls da Zweifel bestehen sollten) titelt gar:

Demokratie in Sachsen an 50%-Hürde gescheitert

Dabei sind die Gründe, nicht zur Wahl zu gehen durchaus vielfältig.

Ob ich wählen gehe oder nicht, ändert die Sitzverteilung kein bisschen.

Das stimmt. Bei ca. 1,6 Millionen Wählern und 130 Landtags-Sitzen repräsentiert ein MdL ungefähr 125’000 Wähler. Wenn man sich z.B. auf Wahlrecht.de mal die Berechnungen anschaut, dann geht es da bei der Entscheidung 1 Sitz mehr / 1 Sitz weniger für eine Partei immer um mindestens 100 Stimmen,meistens ist die Zahl vierstellig. Man hat aber nur eine. Auch die Wahlbeteiligung steigt bzw. fällt nur um knapp 0,00003%. Der Wille wählen zu gehen, bzw. es sein zu lassen beeinflusst auch andere Menschen nicht nennenswert. Vielleicht den Lebenspartner, der dann halt auch nicht geht, bzw. den Besuch im Wahllokal mitmacht.

Das ist doch alles die gleiche Scheisse.

Das klingt auf den ersten Blick ein wenig hart, aber wenn man seine Facebook-Freunde nicht nur aus dem eigenen politischen Lager hat, dann liest man des öfteren Sätze die von “Es gibt in Deutschland nur noch sozialistische Nanny-Parteien” bis zu “die Parteien bestehen doch nur noch aus lobbyhörigen neokapitalistischen Konzernhuren” reichen.
Wer jetzt meint, dass sei alles Unsinn, die Parteien unterschieden sich doch extrem, kann ja mal folgenden Test machen.
Welche Parteien saßen in der Regierung, als folgendes beschlossen wurde:

  • Der Spitzensteuersatz wird um 11 Prozentpunkte gesenkt
  • Die Wehrpflicht wird ausgesetzt
  • Zum ersten Mal seit Ende des zweiten Weltkriegs sind deutsche Soldaten im Ausland in einem Kampfeinsatz. Für diesen Einsatz gibt es kein UN-Mandat.
  • Mit den Stromkonzerne wird ein Atomausstieg vereinbart, bei dessen Abschluß noch nicht einmal die Hälfte des Atomstroms produziert worden ist
  • Die paritätische Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung wird beendet
  • Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften werden steuerrechtlich Ehepaaren gleichgestellt.
  • Mit der Flugverkehrsabgabe wird eine neue Steuer eingeführt

Das liesse sich beliebig fortsetzen, ich denke aber, der dahinterliegende Gedanke ist rübergekommen

Die Wahlprogramme gelten nur bis zum Wahlsonntag 18:00 Uhr

Welche Wichtigkeit ein bestimmter Punkt hat, ob er essentiell ist (wie bei Guido W. der keinen Koalitionsvertrag unterschreiben wollte, der keine Steuersenkung beinhaltet ihn nicht zum Aussenminister macht) oder einer, der zur Disposition gestellt werden kann (z.B. die Nichtaussetzung der Wehrpflicht bei der CDU 2009) steht dummerweise nie in den Wahlprogrammen. Es kann also sein, dass man eine Partei aus genau den Gründen wählt, die in einer Koalition unter den Tisch fallen.

Die machen danach doch eh was sie wollen

Vor einer Wahl sind die Fragestellungen, die während einer Legislaturperiode aufkommen, oft noch nicht sichtbar. Wer hätte 1987 gedacht, dass er über die Art und Weise der Wiedervereinigung abstimmt, oder 1994 über die Einführung des Euro, oder 2005 über die Art und Weise, wie die Euro-Krise bewältigt werden soll. Selbst wenn sich die Parteien an ihre Wahlprogramme halten wollten, werden sie oft genug von der Realität eingeholt. Zur Not wird alles auf Brüssel geschoben, auch wenn man sich dabei “normativ unfrei” fühlt.

Ich wähle einen Bundestag, entscheiden tut ein Koalitionsausschuß

Ja.

Beim Herstellen meines Frühstücks-Smoothies bin ich mit der Hand in den Mixer gekommen und saß danach den ganzen Tag in der Notaufnahme.

Das mag selten passieren, aber irgendwie muss ich ja den Titel rechtfertigen.



Ich habe es wirklich versucht. Gestern nach Schliessung der Wahllokale habe ich nur ganz kurz bei ARD und ZDF vorbeigeschaut, um mich gleich danach mit “Grip – das Motorsportmagazin” und “Schwiegertochter gesucht” abzulenken. Es hat allerdings nichts gebracht. Vermutlich bin ich da ganz so wie der Skorpion in der Fabel.

Also doch eine kleine Nachbetrachtung der Landtagswahlen in Sachsen. Auf den ersten Blick keine Überraschungen. Die Nichtwähler haben dieses Mal die absolute Mehrheit geholt.
Die große Koalition aus CDU und SPD, die vermutlich die nächste Landesregierung stellen werden, konnte 25% der Wahlberechtigten hinter sich vereinen.
NPD und FDP haben die 5%-Hürde nicht geschafft, die aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung sogar nur eine 2,4%-Hürde war. Der NPD sind Protestwähler verloren gegangen, weil mit der AFD eine Alternative da war. Die FDP hat einfach verkackt. All die tollen Analysen danach sind nett, gehen aber großteils am eigentlichen Problem vorbei.

Zeitgeist ist ein deutsches Wort, das es als Lehnwort ins Englische geschafft hat und der Zeitgeist bläst der FDP momentan von vorne mitten ins Gesicht.
Ich glaube nicht, dass die sächsische FDP irgendetwas hätte tun können, um ins Parlament zu kommen. Die Frage, ob der Zeitgeist berechtigt ist oder nicht, ist völlig zweitrangig. Er ist da und man muß mit ihm umgehen.

  • Man kann es mit Inhalten versuchen, aber der Anteil der Menschen, die vor einer Wahl die Programme lesen liegt vermutlich im niedrigen einstelligen Prozentbereich und von denen haben viele gelernt, dass Wahlprogramme nur eine Gültigkeitsdauer bis zum Wahlsonntag um 18.00 Uhr haben.
  • Man kann einen Neustart propagieren, aber nach dem gefühlt fühnzehnten Neustart, der von immer den gleichen Leuten ausgerufen wird, nutzt sich so ein Neustart-Gehabe mit der Zeit ab.
  • Man kann sich abspalten und einen echten Neustart wagen. Entweder man bleibt damit erfolglos und dümpelt irgendwo im Promillebereich rum, oder man zieht Spinner an wie Scheisse die Fliegen.
  • Man kann darauf hoffen, dass die jeweilige Regierungskoalition soviel Mist baut, dass sich die Leute die FDP zurücksehnen. Nachdem wir alle kurz gelacht haben, kurz zu den Gründen, warum das scheitert:
    • Es gibt genug Alternativen, die einen noch nicht enttäuscht haben. Vermutlich machen die es auch nicht besser, aber denen klebt wenigstens nicht der Geruch des Schon-so-oft-versagt-habens an den Schuhen. Das hat im letzten Jahrtausend funktioniert, als die Parteienlandschaft übersichtlich war und die Wählerbindung intensiver. Bei manchen Wahlen sind die Wählerwanderungsbalken mittlerweile dicker als der Ergebnisbalken.
    • Man weiß eigentlich auch nicht so genau, was die FDP besser machen könnte.
    • Die mediale Aufmerksamkeit ist dahin. Neue Parteien und deren Streitereien sind viel interessanter als der zahnlos vor sich hin brabbelnde Opa, der von vergangenen glorreichen Zeiten erzählt.

Wenn man sich die vergangen Landtagswahlen anschaut, in denen die FDP den Sprung in den Landtag geschafft hat stellt man fest, dass es in den seltensten Fällen an der FDP lag.

  • In Baden-Württemberg und Niedersachsen war klar, dass die CDU es alleine nicht schaffen wird und das “bürgerliche” Lager hat einen Steigbügelhalter für den CDU-Ministerpräsidentenkandidaten gewählt. Es hat zweimal nicht geklappt, von daher werden die Wähler das das nächste Mal vermutlich nicht mehr probieren.
  • In Nordrhein-Westfalen hatte der CDU-Ministerpräsidentenkandidat so offensichtlich keine Lust, dass das Kreuz bei der FDP eher eine Verzweiflungstat war, denn eine aus echter Überzeugung.
  • In Schleswig-Holstein gab es bei der CDU kurz vor der Wahl einen Austausch des CDU-Spitzenkandidaten. Ausserdem trat mit Wolfgang Kubicki für die FDP einer der bekanntesten und vermutlich authentischsten FDP-Politiker an.
  • Hamburg hatte mit Katja Suding ein frisches unverbrauchtes Gesicht und einen relativ unbekannten CDU-Kandidaten.
  • Hessen lässt mich etwas ratlos zurück, allerdings sind 5,0% als Ergebnis auch nicht so berauschend, als daß man es als Blaupause benutzen könnte.

Die FDP-Sitze in Thüringen und Brandenburg werden in 2 Wochen Geschichte sein, so daß sich die parlamentarische Vertretung der FDP auf 64 MdL1 in 6 Landesparlamenten und 3 MdEP verkleinern wird. Das war in den 90er Jahren schon mal schlechter, als die FDP nur noch in 4 Landesparlamenten saß, aber da gab es zumindest eine Bundestagsfraktion und weniger Auswahl auf dem Stimmzettel.

Genug gelabert, die Ergebnisse (ohne lästige Zahlen und in bunt):

landtagswahl-sachsen-2014

Wahlergebnis unter Berücksichtigung der Nichtwähler

legende

  1. für die Klugscheisser unter uns: 55 Mitglieder des Landtags und 9 Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft []


Momentan wird Facebook überflutet mit Hochkant-Videos, in denen sich Menschen Eiswasser-Kübel über den Kopf kippen und drei andere Menschen dazu auffordern, es ihnen gleichzutun.

Abseits der Fragen, wie sinnvoll das ist und warum die Videos, in denen etwas schief geht viel öfter angeschaut werden als die, bei denen es klappt, kann man das Ganze auch anders betrachten, von Seiten der Mathematik.

Wie schnell verbreitet sich sowas eigentlich?

Wenn ich es richtig mitbekommen habe, nominiert jeder Übergossene 3 weitere Personen, die 24 Stunden Zeit haben, sich auch zu übergiessen. Das Ganze ist also eine simple Exponentialfunktion.

funktion

funktion und stammfunktion der ice bucket challenge

Exponentialfunktionen haben die Tendenz, ganz langsam in Gang zu kommen und dann abzugehen wie Schmidts Katze1.

Nach einer Woche haben insgesamt 3.280 Personen teilgenommen, nach 2 Wochen 7,2 Millionen und nach 3 Wochen war dann jeder mal dran, weil dann theoretisch 15,7 Milliarden Menschen teilgenommen haben.

grafik

entwicklung der nassen, frierenden menschen

 

And now for something completely different

Da die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne immer weiter abnimmt, muss man öfter mal das Thema wechseln, um die Leute bei Laune zu halten. Zugegebenermaßen wird bis hierhin sowieso fast keiner vordringen, weil da oben so komische Symbole stehen und es um Mathe zu gehen scheint.

Man kann die Ice Bucket Challenge auch dazu nutzen, Graphen zu zeichnen und anhand dieser dann festzustellen, in welche Promikategorie jemand gehört (A-Z und falls das nicht reicht, auch noch die Umlaute). Der Zeitpunkt der Nominierung hängt einerseits mit dem Vernetzungsgrad zusammen (von wie vielen Leuten könnte ich aufgefordert werden) und von der Enge der Bindung (wem, der sich gerade einen Eimer Eiswasser über seinen Kopf geschüttet hat, falle ich spontan ein). Ich kann mich beruhigt zurücklehnen, ich bin nicht mal Ü-Promi und kann die Eiswürfel für Smoothies nutzen.

And now for something completely different

Man kann die Ice Bucket Challenge auch betrachten um festzustellen, wann ein Trend beginnt zu langweilen, weil jeder dritte Post im Feed diesen Trend aufgreift und wann die Meta-Diskussionen beginnen, das eigentliche Thema zu verdrängen.

So rein gefühlsmäßig hat das vor 1-2 Tagen begonnen.

Helene Fischers Video vom 20. August haben noch über 30.000 Personen auf Facebook geteilt, die Promis der letzten Tage kommen auf weit geringere Zahlen2.

  1. ich soll auf jeden Fall was mit Katzen machen hat man mir gesagt, weil das die Klickzahl erhöht []
  2. das kann ich jetzt nicht mit Namen untermauern, aber ich habe gelernt, dass zu viele Zahlen sowieso schädlich sind und die besten Argumente die sind, die nicht nachprüfbar sind []