Outtakes

Doch noch ein Blogbeitrag, aber mit nur wenig Text.

Was ich noch loswerden wollte

Im Laufe der letzten sieben Wochen habe ich mich ziemlich intensiv mir mit auseinandergesetzt. Manche finden das eklig, andere nennen die Beschäftigung mit sich selbst Reflexion.

Ich habe für mich ganz interessante Erkenntnisse gewonnen und damit ich sie nicht jedem verständnislos blickenden Menschen in Gänze erklären muss, schreib ich es ins blog und drucke mir Karten mit einem darauf verlinkenden 2D-Barcode.

Die wichtigste Erkenntnis, die ich jetzt wirklich verinnerlicht habe: Ich bin nicht massenkompatibel. Da ich meine Jugend als Klassenclown verbracht habe, in der Hoffnung jedem zu gefallen, trifft mich diese Erkenntnis ein wenig, aber besser spät als nie.

Ich war vor über 20 Jahren mal auf einem Geburtstag, auf dem ich mich mit wirklich jedem gerne unterhalten habe. Schon damals habe ich mich gefragt, wie so eine Geburtstagsfeier bei mir aussähe, wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – mal für eine Viertelstunde verschwinden würde. Amüsieren sich alle prächtig, oder schweigen sie sich an? Würden sich meine Freunde auch ohne mich treffen, oder bekomme ich nach der Feier Bemerkungen wie „der ist aber schon seltsam“?

Ich tendiere zur 2. Alternative und mittlerweile glaube ich auch zu wissen warum. Das Geburtstagskind auf der erwähnten Feier hat sich nicht verstellt. Sie war immer sie. Und entweder man mochte sie, oder eben halt nicht. Sie hatte ein Umfeld, das sie mochte wie sie war. Bei mir habe ich relativ häufig das Gefühl, dass die Leute eher die Rolle mögen, die ich in der jeweiligen Situation spiele, weil ich halt irgendwie immer noch der vergeblichen Auffassung bin beziehungsweise war, irgendwie jedem gefallen zu müssen. Also nicht wirklich jedem, aber vielen.

Ich war auf Produktpräsentationsveranstaltungen zu Kochgeräten, auf denen ich mich zu Tode gelangweilt habe, ich war auf Weihnachtsmärkten, auf denen ich die bedauernswerten Ehefrauen von Kollegen zu Tode gelangweilt habe, weil die ursprünglichen Menschen, mit denen ich da war, weg waren. Ich war bei Abteilungsfeiern, bei denen ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe, als dass der Satz „Scotty, beam mich hoch“ funktionieren würde. Ich war auf Parteitagen, bei denen sich außer mir irgendwie fast alle wahnsinnig intensiv zu unterhalten schienen. Vor kurzem wurde ich zur Weihnachtsfeier der örtlichen Aerobic-Gruppe eingeladen, mehrfach und mit dem Hinweis, mit mir wäre es besser. Alleine schon der Gedanke, dass irgendjemand auf die Idee kommt, ich könnte da auch nur einen Hauch Gefallen daran finden zeigt mir, dass mich die betreffende Person so gar nicht kennt. Die Frage ist, wen sie stattdessen glaubt zu kennen. Mich auf jeden Fall nicht.

Was fang ich jetzt mit der Erkenntnis an?

Ich werde versuchen, mich weniger zu langweilen, auch wenn das heißt, dass mich noch mehr Menschen seltsam oder abgehoben oder arrogant finden werden. Einladungen, bei denen ich ziemlich stark vermute, dass sie so gar nicht meiner Vorstellung von einem gelungenen Nachmittag oder Abend entsprechen, werde ich ablehnen. Ich werde nur noch in Beziehungen investieren bei denen ich glaube, dass mein Gegenüber mich mag und nicht den Clown mit der roten Nase, oder was auch immer ich ihm gegenüber bisher gespielt habe. Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten weiter hilfsbereit und nett sein, aber wenn mich jemand nicht mag so wie ich bin, dann ist das halt so. Es entgeht glaube ich keinem von uns irgendwas, wenn das so ist. Um mit einem bekannten schwedischen Zahnmediziner zu sprechen „it’s my life take it or leave it“.

Vermutlich wäre ich in einer Großstadt besser aufgehoben, mein dörfliches Umfeld ist so weit von meiner Lebenswirklichkeit weg, wie ich von seiner. Aber da könnte ich mir vermutlich nur eine kleine Wohnung leisten, in der ich nicht so laut Musik hören könnte, außerdem ist es mir zu voll. Ich bin übrigens nicht der Meinung, irgendwie besser zu sein, als die anderen. Es ist halt einfach nicht meine Welt, aber das ist die Welt der Hochfinanz auch nicht.

Es gibt eine Handvoll Menschen die mich wirklich kennen und von denen ich im Schiller’schen Sinne behaupten kann „eines Freundes Freund zu seyn“. Menschen, mit denen ich ohne Schere im Kopf sprechen kann, weil ich mir keine Gedanken machen muss, wie irgendwas klingt oder wie irgendwas ankommt. Menschen, die nachts um zwei klingeln können und wissen, die Tür geht auf. Und nach dem ersten verständnislosen Blick dürfen sie auch rein.

Und das ist die zweite Erkenntnis: ich sollte meine Freundschaften besser pflegen. Ich bin in der Beziehung ein ziemlich unsensibler Stoffel. Ich könnte das natürlich darauf schieben, dass sie alle ziemlich weit weg wohnen, aber anderen gelingt das mit mir schliesslich auch.

Was bleibt noch?

Am Anfang waren diese Blogbeiträge nur ein weiterer Hirnfurz meinerseits, aber mittlerweile bin ich froh damit angefangen zu haben. Im Gegensatz zur Politik, wo ja immer auch ein wenig Sendungsbewusstsein mitschwang, reicht es mir hier, dass es einfach da steht.

Muss keinen interessieren.

Schön wenn doch, aber wenn nicht, dann nicht.

Addendum I

Don’t blame it on me.

Ich wollte wirklich aufhören.

Aber eine Frau, in deren Händen ich zu gewöhnlichem Wachs verkomme, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich die Geschichte mit dem Hammer noch nicht aufgelöst habe. Also beiße ich in den sauren Apfel und schreibe halt noch mal was. Dafür hat sie jetzt klebrige Finger.

Echt jetzt? Wegen des Wachses natürlich. Man könnte meinen, ich schriebe für eine Horde pubertierender fünfzehnjähriger. Ja, auch wenn das Wachs metaphorisch für mich steht, bedeutet das nicht, dass sie irgendwelche klebrigen Sachen von mir an den Händen hat.

Wo war ich? Richtig, ich war beim Nageln. Oh Jungs, werdet erwachsen. Ihr müsst mich nicht ständig falsch verstehen, nur weil sich dann eine wie auch immer geartete sexuelle Konnotation ergibt. Wenn ich so wäre wie ihr, hätte mich ihre Einladung, doch noch mal in sie zu gehen, vermutlich irritiert.

Zurück zum Thema. Die kinetische Energie eines Hammers ergibt sich aus Masse mal Geschwindigkeit zum Quadrat durch zwei. Ich lasse die Formel hier weg, weil sich Texte mit Formeln nie jemand durchliest.

Das bedeutet allerdings auch, dass bei einem Hammer in einem gewissen Bereich fehlende Masse beziehungsweise Größe durch Geschwindigkeit kompensiert werden kann und weil die Geschwindigkeit im Quadrat in die Energie eingeht, reicht bei einer halbierten Masse, die anderthalbfache Geschwindigkeit um das gleiche Ergebnis zu erhalten. Das geht natürlich nur in einem gewissen Bereich.

Irgendwann ist mit der Geschwindigkeitserhöhung Schluss, wenn man nicht will, dass es nach verbranntem Gummi riecht. Da hilft dann nur noch Technik. Beim Nageln geht es ja in erster Linie um die Übertragung des Impulses auf das Zielobjekt. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen, ist zum Beispiel der Winkel entscheidend. Bei einer Abweichung von 30° vermindert sich die Effektivität um über 20%.

Ich muss mich also korrigieren: Auch bei einem Hammer ist die reine Größe nicht so entscheidend, mindestens ebenso wichtig sind die Frequenz und die Treffgenauigkeit. Man kann durch konzentriertes Arbeiten auch mit einem kleinen Hammer sein Ziel erreichen. Und weil Nageln nicht für Alle ein Sport ist, sondern manchmal auch ein kontemplativer Akt, kann man auch mit einem kleinen Hammer Spaß haben.

Epilog

Eigentlich wollte ich hier etwas über Goa schreiben und die erstaunlich gute ärztliche Versorgung. Aber da ich am Wochenende ein längeres Gespräch mit jemandem hatte, der zurecht eine Führungskraft ist, wollte ich die letzte Möglichkeit nutzen, etwas über mich zu schreiben.

Ich wäre als Vorgesetzter völlig ungeeignet und ich habe auch gar keine Lust einer zu sein. Allein schon der Gedanke, ich hätte Mitarbeiter wie mich.

Wenn ich mich am Montag morgen auf dem Gang sehen würde und wüsste, ich hätte gleich jour fix mit mir, wäre die Woche schon gelaufen.

Da bin ich doch lieber einfacher Mitarbeiter, der genug Zeit hat, Blödsinn in Worte zu giessen um damit ein blog zu füllen.

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Das war’s.

Inklusive der ausgefallenen Szene1 füllt das ganze 96 Seiten im Taschenbuchformat und irgendwann werde ich das Ganze vermutlich wirklich in Buchform giessen, einfach weil ich’s kann.

Danke an alle, die bisher durchgehalten haben. Ich habe es mir gerade eben noch mal von vorne bis hinten durchgelesen und vermutlich habe ich das nur durchgehalten, weil ich es selbst geschrieben habe. Falls irgend jemand einen Vorschlag hat, über was ich sonst so schreiben könnte, nehme ich das gerne in den Kommentaren oder per mail an erzaehl@markus-ritter.de entgegen. Das ist ein catch-all-account, von daher geht auch labersack@markus-ritter.de oder irgendwas anderes.

  1. für diejenigen, die es nicht bei facebook gelesen haben: Nachdem das Lektoren-Team der 4. Szene der einhelligen Meinung war, dass so ein Text frühestens posthum veröffentlicht werden sollte, bleibt er unveröffentlicht. Ich verrate auch nicht, wer den Text kennt und diejenigen, die ihn kennen, tun das hoffentlich auch nicht []