Unmut

grundsätzlich habe ich ja nichts gegen Wirtschaftsberater, allerdings frage ich mich manchmal schon, woher die ihre Zahlen haben.

PricewaterhouseCooper rechnet aufgrund der Verschrottungsprämie mit einer Erhöhung des Neuwagenumsatzes um 300’000.

Vermutlich wird kein PwC-Mitarbeiter in Genuss der Prämie kommen, denn entweder sind deren Autos jünger als 9 Jahre, oder bringen trotz ihres Alters noch mehr als 2’500 EUR (oder gibt es irgendeinen Grund, warum man sein Fahrzeug verschrotten lässt, wenn man auf anderem Wege mehr Geld bekommt).

Sie müssen also jemanden gefragt haben. Vermutlich kennen PwC-Mitarbeiter in den Entscheidungspositionen auch keinen, auf den das zutreffen könnte. Sie teilen dummerweise nicht mit, wen sie denn gefragt haben, die Zahl steht zumindest in den Presseveröffentlichungen relativ nackt da.

Ich habe grosse Schwierigkeiten damit, mir jemanden vorzustellen, der bisher ein (Fast-)Schrottauto gefahren ist und nun Geld für einen Neuwagen oder Jahreswagen ausgibt und selbst im günstigsten Falle noch 8’000-12’000 EUR dafür bezahlen muss. Irgendeinen Grund, warum die Leute das bisher nicht gemacht haben, wird es geben (ich vermute monetäre Gründe an vorderster Stelle).

Oder geht es eigentlich gar nicht um die Leute sondern man möchte das unterste Segment aus dem Gebrauchthandel nehmen, so dass derjenige, der sich bisher für einen Golf IV Baujahr 1996 mit 200’000 Kilometer für 2’500 EUR gekauft hat, zukünftig 1’000 EUR mehr hinlegen muss und sich der Gebrauchtwagenmarkt ganz allgemein nach oben hin verschiebt.

Das erledigen allerdings erstens zahlreiche osteuropäische Autohändler heute schon ganz zuverlässig und zweitens werden ja nur die Autos zum verschrotten gebracht, deren Besitzer den Kauf einen Neuwagens anstrebt.

Unmut

Bla, bla, bla. Energiesparlampen sind toll, Glühlampen sind doof. Und weil der dumme Europäer das nicht weiss, bekommt er es eben von oben verordnet. Kann ja nicht sein, dass wir es mit vernunftbegabten Menschen zu tun haben, die selber wissen, was sie eigentlich wollen.

Völlig egal, mit welchem CO2-Rucksack die Energiesparlampen hier ankommen, das geht schliesslich für China in die Bilanz ein.

Völlig egal welcher ökologische Rucksack mitgeschleppt wird, schliesslich sterben die Fische in China in den Flüssen und nicht hier.

Völlig egal, wie es mit der Entsorgung aussieht, vielleicht kann man die Lampen ja als wertvollen Elektronikschrott wieder nach Afrika verschiffen.

Völlig egal, dass man diese Lampen gar nicht oder nur völlig unzureichend dimmen kann. Der Verbraucher soll sich halt entscheiden, wie hell er es haben will.

Völlig egal, dass es eine gewisse Mindestgrösse braucht, soll sich der Verbraucher halt neue Lampen kaufen, das kurbelt auch noch den Markt an.

Völlig egal, dass Energiesparlampen nur in den allerwenigsten Fällen die Schaltzyklen durchhält, die eine Glühlampe schafft. Sollen die Leute halt das Licht brennen lassen oder längere Timerzeiten für Bewegungsmelder etc. programmieren.

Völlig egal, dass viele Energiesparlampen nach einer einer gewissen Zeit dunkler werden. Wer es nicht am Anfang zu hell und am Schluss zu dunkel haben will, kann ja nachkaufen, auch wenn die Lampe noch nicht defekt ist.

Völlig egal, dass das was auf den Lampen steht (11W ersetzen 60W), sich des öfteren nicht mit der Realität in Einklang bringen lässt, sollen die Leute halt andere Lampenschirme kaufen und den Tisch so ausrichten, dass er auf der hellen Seite der Lampe steht.

Völlig egal, dass das Lichtspektrum nicht dem entspricht, was eine Glühlampe von sich gibt, sind doch eh alles nur esoterische Spinner.

Völlig egal, dass sich die EU den Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts nennt. Freiheit ist immer nur dass, was man so definiert.

Unmut

Jetzt hat es also Esso und Tchibo erwischt.

Nach Nokia, Rewe, Microsoft und Burger King haben die zwei Unternehmen da oben mit einem (allerdings abgewandelten) Slogan Werbung gemacht, der über dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald hing (wer jetzt überlegen muss, was da stand, hat schon verloren).

Einerseits kann man natürlich von hippen snowboard-fahrenden Creative Directors und Werbetextern nicht verlangen, dass sie sich an irgendwas erinnern, was länger als der letzte Drogenflash zurückliegt (hey, diese Kolumne ist hauptsächlich zur Selbsttherapie konzipiert und nicht der Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet), andererseits ist es zumindest in meinen Augen auch schwer, völlig unbelastete Worte in der deutschen Sprache zu finden, schliesslich haben die Nationalsozialisten 12 Jahre in dieser Sprache Macht und Terror ausgeübt.

„Sozial ist, wer Arbeit schafft“ wurde von Hugenberg benutzt (wer jetzt nachschauen muss, wer dieser Hugenberg überhaupt ist, hat auch verloren) und ebenfalls ganz leicht abgewandelt von CDU/CSU und einem FDP-Landtagskandidaten in Hessen (der wandelt ihn allerdings gar nicht ab).

Wer den Satz: „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ für unbelastet hat, sollte sich den Leitspruch der Polizei im 3. Reich mal genauer anschauen. In dem Zusammenhang vielleicht auch noch deren Taten.

Als ich vor kurzem meinen Ebay-Account anschaute, begrüsste mich ebay mit unstenstehendem Bild:

stern

Stolperfalle über Stolperfalle.

Für Matthias Heyl hat in dieser Schrift die deutsche Übersetzung des römischen Rechtsgrundsatzes „suum cuique“ (den die Römer von den Griechen übernommen hatten), seine Unschuld verloren.

Bei manchen Begriffen kann ich das verstehen, aber bei Rechtssätzen, die über 2’000 Jahre alt sind, irgendwie nicht.

Unmut

eine neue Kategorie für ein neues Jahr, das schon gleich richtig toll beginnt, aber ich will den nächsten Beiträgen nicht vorgreifen.

Die deutsche Sprache ist eine sehr reiche und ausdrucksstarke und ich bilde mir ein, dass ich ein wenig auf ihrer Klaviatur spielen kann. Nicht, dass ich Konzertreife hätte, aber für ein wenig Hausmusik sollte es reichen.

Bevor ich dieses Jahr an Bluthochdruck sterbe, mir aufgrund angefressenen Frusts weitere Diäten völlig schenken kann, bevor ich hunderte Euros dafür ausgebe, einem mir unbekannten Menschen mit Psychologie-Diplom meinen Unmut zu schildern und ich als einzige Gegenleistung ein „und wie fühlen Sie sich dabei“ bekomme, wird sich in diesem Jahr die Kategorie Unmut füllen. Das beruhigt, beugt Fressattacken vor und ausserdem besteht die Chance, dass ich sinnvollere Kommentare bekomme (Flo, vielleicht auch den ersten vor Dir? 🙂

In diesem Sinne bald in diesem Programm:

Spass mit einem Clatronic-Autoradio, Irrungen und Wirrungen bei der Internet-Bestellung einer digitalen Spiegelreflex-Kamera in Grossbritannien, chinesische Rodelschlitten mit österreichischem Namen ohne Lenkkufe …

np: the Killers – human