Kalenderblatt 04.02.06

Vor 6 Jahren endete die Übernahmeschlacht um Mannesmann. Die erste öffentlich zelebrierte unfreundliche Übernahme, die auch in den Zeitungen mit ganzseitigen Anzeigen augetragen wurde, und die Aktionäre davon überzeugen sollten, ihre Aktien zu verkaufen oder zu behalten. Auch nach der Übernahme verebbte die Aufregung nicht. Erst ging es darum, dass Vodafone Buchverluste in Milliardenhöhe von der Steuer absetzen wolte und wohl auch tat, und dann ging es um den Vorwurf der Untreue gegen verschiedene Aufsichtsratsmitglieder, weil sie dem Vorstand nach der Übernahme noch Geschenke in Millionenhöhe gemacht haben.

Kalenderblatt 03.02.06

Eine gar illustre Runde hat am heutigen Tag Geburtstag. Herbert Anton Hilger zum Beispiel, dessen Name jetzt vermutlich den wenigsten was sagt. Allerdings gehe ich jede Wette ein, dass er 75% der Leser trotzdem bekannt ist (da 4 Leute hier mitlesen und ich es von mindestens dreien weiss, gehe ich kein allzu hohes Risiko ein 🙂 )

Hans-Jochen Vogel wird heute 80, ein Mann, den die Partei auch nie wirklich geliebt hat, obwohl er immerhin 4 Jahre ihr Chef war. Aber vermutlich ging mit Willy Brandt der letzte, dem das gelungen ist (Auch Müntefering wurde meines Erachtens erst nach seinem Rücktritt richtig beliebt).

Dann hat noch ein Steuerhinterzieher Geburtstag, der einem Parteispendenskandal seinen Namen gab.

Kalenderblatt 02.02.06

An manchen Tagen ist fast nichts passiert und an anderen Tagen geben sich die Ereignisse die Klinke in die Hand.
Heute ist eher ein letzterer Tag. Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll, aber es ist mir ein Bedürfnis, diesen Tag ausreichend zu würdigen, wobei wir wundersamerweise schon beim ersten Thema wären, den ersten öffentlichen Bedürfnisanstalten in London, die 1852 eröffnet wurden. Es stellt sich die Frage, ob und gegebenenfalls wie man Bedürfnisanstalten einweiht. Das überlasse ich aber lieber der Phantasie des Lesers, manche Bilder verblassen, sobald sie in schwarz auf weiss zu lesen sind. Mit einer gewagten Überleitung gehts zum zweiten Thema. Vor 17 Jahren hat der europäische Gerichtshof Jahren das deutsche Reinheitsgebot für Wurst verworfen. Seither dürfen ausländische Würste in Deutschland auch pflanzliche Fette und Milch enthalten. Deutsche Würste sind wie deutsches Bier immer noch „rein“. Das nennt man auf EU-Deutsch Inländerdiskriminierung und sorgt unter anderem auch dafür, dass sich deutsche Nudeln in Italien nicht an das dortige Reinheitsgebot halten müssen, oder der deutsche Meisterzwang bei der Führung bestimmter Handwerke nur für Deutsche gilt.

Und jetzt geht es zum letzten Thema, dass mit den ersten beiden so gar nichts zu tun hat. James Joyce feierte heute seinen 124. Geburtstag, wäre er nicht 1941 an einem Darmdurchbruch in Zürich gestorben (wobei sich eine thematische Nähe zum ersten Thema vielleicht dadurch herstellen liesse, dass man darüber spekulieren kann, dass das vielleicht nicht passiert wäre, hätte damals auch Zürich öffentliche Bedürfnisanstalten gehabt). Das bekannteste Werk von James Joyce ist Ulysses.

Ein interessantes Buch, bei dem man zum Schluss kommen kann, dass der Beruf des Anzeigenaquisiteurs nicht unbedingt langweiliger ist als der des tragischen griechischen Helden.

Kalenderblatt 01.02.06

Vor 30 Jahren starb Werner Heisenberg, dem wir unter anderem die Unschärferelation verdanken. Und als Bezug zu heute bietet sich seine Mitwirkung beim Göttinger Manifest an, in dem sich 18 Atomforscher gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr wandten.

Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, daß es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden noch am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichtet.

Da kann Tiefflug-Rupert natürlich nicht mithalten, der in der Bild forderte

Wir brauchen von unseren Partnern und der NATO bindende Zusagen, dass sie Deutschland auch vor einer nuklearen terroristischen Bedrohung oder Erpressung mit dem Einsatz von Atomwaffen schützen.

Wen man denn im Falle einer terroristischen Bedrohung mit Atomwaffen vom Planeten fegen will, wurde in den letzten Tagen zwar oft gefragt, da war Herr Scholz allerdings schon wieder in der Bedeutungslosigkeit abgetaucht. Wenn jemand seine Antwort darauf kennt, wäre ich ihm dankbar, wenn er sie mir mitteilt.