Unmut

Bla, bla, bla. Energiesparlampen sind toll, Glühlampen sind doof. Und weil der dumme Europäer das nicht weiss, bekommt er es eben von oben verordnet. Kann ja nicht sein, dass wir es mit vernunftbegabten Menschen zu tun haben, die selber wissen, was sie eigentlich wollen.

Völlig egal, mit welchem CO2-Rucksack die Energiesparlampen hier ankommen, das geht schliesslich für China in die Bilanz ein.

Völlig egal welcher ökologische Rucksack mitgeschleppt wird, schliesslich sterben die Fische in China in den Flüssen und nicht hier.

Völlig egal, wie es mit der Entsorgung aussieht, vielleicht kann man die Lampen ja als wertvollen Elektronikschrott wieder nach Afrika verschiffen.

Völlig egal, dass man diese Lampen gar nicht oder nur völlig unzureichend dimmen kann. Der Verbraucher soll sich halt entscheiden, wie hell er es haben will.

Völlig egal, dass es eine gewisse Mindestgrösse braucht, soll sich der Verbraucher halt neue Lampen kaufen, das kurbelt auch noch den Markt an.

Völlig egal, dass Energiesparlampen nur in den allerwenigsten Fällen die Schaltzyklen durchhält, die eine Glühlampe schafft. Sollen die Leute halt das Licht brennen lassen oder längere Timerzeiten für Bewegungsmelder etc. programmieren.

Völlig egal, dass viele Energiesparlampen nach einer einer gewissen Zeit dunkler werden. Wer es nicht am Anfang zu hell und am Schluss zu dunkel haben will, kann ja nachkaufen, auch wenn die Lampe noch nicht defekt ist.

Völlig egal, dass das was auf den Lampen steht (11W ersetzen 60W), sich des öfteren nicht mit der Realität in Einklang bringen lässt, sollen die Leute halt andere Lampenschirme kaufen und den Tisch so ausrichten, dass er auf der hellen Seite der Lampe steht.

Völlig egal, dass das Lichtspektrum nicht dem entspricht, was eine Glühlampe von sich gibt, sind doch eh alles nur esoterische Spinner.

Völlig egal, dass sich die EU den Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts nennt. Freiheit ist immer nur dass, was man so definiert.

Unmut

Jetzt hat es also Esso und Tchibo erwischt.

Nach Nokia, Rewe, Microsoft und Burger King haben die zwei Unternehmen da oben mit einem (allerdings abgewandelten) Slogan Werbung gemacht, der über dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald hing (wer jetzt überlegen muss, was da stand, hat schon verloren).

Einerseits kann man natürlich von hippen snowboard-fahrenden Creative Directors und Werbetextern nicht verlangen, dass sie sich an irgendwas erinnern, was länger als der letzte Drogenflash zurückliegt (hey, diese Kolumne ist hauptsächlich zur Selbsttherapie konzipiert und nicht der Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet), andererseits ist es zumindest in meinen Augen auch schwer, völlig unbelastete Worte in der deutschen Sprache zu finden, schliesslich haben die Nationalsozialisten 12 Jahre in dieser Sprache Macht und Terror ausgeübt.

„Sozial ist, wer Arbeit schafft“ wurde von Hugenberg benutzt (wer jetzt nachschauen muss, wer dieser Hugenberg überhaupt ist, hat auch verloren) und ebenfalls ganz leicht abgewandelt von CDU/CSU und einem FDP-Landtagskandidaten in Hessen (der wandelt ihn allerdings gar nicht ab).

Wer den Satz: „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ für unbelastet hat, sollte sich den Leitspruch der Polizei im 3. Reich mal genauer anschauen. In dem Zusammenhang vielleicht auch noch deren Taten.

Als ich vor kurzem meinen Ebay-Account anschaute, begrüsste mich ebay mit unstenstehendem Bild:

stern

Stolperfalle über Stolperfalle.

Für Matthias Heyl hat in dieser Schrift die deutsche Übersetzung des römischen Rechtsgrundsatzes „suum cuique“ (den die Römer von den Griechen übernommen hatten), seine Unschuld verloren.

Bei manchen Begriffen kann ich das verstehen, aber bei Rechtssätzen, die über 2’000 Jahre alt sind, irgendwie nicht.

Unmut

eine neue Kategorie für ein neues Jahr, das schon gleich richtig toll beginnt, aber ich will den nächsten Beiträgen nicht vorgreifen.

Die deutsche Sprache ist eine sehr reiche und ausdrucksstarke und ich bilde mir ein, dass ich ein wenig auf ihrer Klaviatur spielen kann. Nicht, dass ich Konzertreife hätte, aber für ein wenig Hausmusik sollte es reichen.

Bevor ich dieses Jahr an Bluthochdruck sterbe, mir aufgrund angefressenen Frusts weitere Diäten völlig schenken kann, bevor ich hunderte Euros dafür ausgebe, einem mir unbekannten Menschen mit Psychologie-Diplom meinen Unmut zu schildern und ich als einzige Gegenleistung ein „und wie fühlen Sie sich dabei“ bekomme, wird sich in diesem Jahr die Kategorie Unmut füllen. Das beruhigt, beugt Fressattacken vor und ausserdem besteht die Chance, dass ich sinnvollere Kommentare bekomme (Flo, vielleicht auch den ersten vor Dir? 🙂

In diesem Sinne bald in diesem Programm:

Spass mit einem Clatronic-Autoradio, Irrungen und Wirrungen bei der Internet-Bestellung einer digitalen Spiegelreflex-Kamera in Grossbritannien, chinesische Rodelschlitten mit österreichischem Namen ohne Lenkkufe …

np: the Killers – human

Was soll man schreiben,

wenn alles, was man schreiben könnte durch die Realität noch geschlagen wird?

Eben muss ich bei Spiegel-Online und diversen anderen Medien (die kopieren eh nur alle nur noch die Agenturmeldungen) lesen:

FINANZKRISE
Commerzbank wird teilverstaatlicht
Milliardenrisiken ließen die Übernahme der Dresdner Bank für die Commerzbank zur Gefahr werden. Der Bund hilft deshalb mit einer weiteren Kapitalspritze von zehn Milliarden Euro aus.

Die Mär von der Wehrgerechtigkeit

Der Verteidigungsminister wird nicht müde zu betonen, dass es um die Wehrgerechtigkeit gut bestellt sei, schliesslich liege der sogenannte Ausschöpfungsrest gerade mal bei 7,5%.

wehrgerechtigkeit

Verschwiegen wird dabei des öfteren, wie man denn auf diese Zahl gekommen ist, vermutlich, weil man nicht sagen will, dass man sie sich schöngerechnet hat.

Obige Tabelle stammt von der Webseite des Bundesverteidigungsministeriums. Davon abgesehen, dass man mittlerweile auch die Jahrgänge bis 1985 anzeigen könnte, weil:

Die tatsächliche Ausschöpfung einzelner Geburtsjahrgänge kann erst beurteilt werden, wenn diese Jahrgänge die für den Grundwehrdienst festgesetzte allgemeine Heranziehungsgrenze mit Vollendung des 23. Lebensjahres überschritten haben.

sieht man hier schön, wie die Zahlen zustandekommen.

Der Jahrgang 1976 hatte noch 174’072 verfügbare Wehrpflichtige (also ohne alle Untauglichen, KDV, 3. Brüder etc.). Davon haben 15’427 keinen Wehrdienst geleistet.

Man sollte annehmen, dass der Aussschöpfungsrest auf die verfügbaren Wehrpflichtigen gerechnet wird, doch dann würden die Zahlen zu gross. Also nimmt man die erfassten Wehrpflichtigen als Basis und kommt auf gerade mal 3,9%. Würde man die Zahl derer nehmen, die hätten können, aber nicht mussten, wäre man schon für den Jahrgang 1976 auf 8,9% gekommen.

Der Jahrgang 1982 zeichnet sich durch eine geringere Zahl von verfügbaren Wehrpflichtigen aus, weil seit 2003 die T3-gemusterten nicht mehr verfügbar sind. Die KDV-Zahlen lagen ähnlich hoch, die sind nicht schuld.

140’295 Wehrpflichtige hätten ihren Wehrdienst ableisten können, es mussten aber nur 107’047. Ich komme dann auf einen Ausschöpfungsrest von 23,7%. Der Bundesverteidigungsminister kommt stattdessen auf 7,5% weil das besser aussieht.

Wenn man (mit gewissen Unsicherheiten) mal einen Ausblick wagt, dann wird sich das ganze noch erheblich verschlechtern, bzw. hat es schon.

Das Personalstrukturmodell PSM 2010 der Bundeswehr sieht insgesamt 55’000 Stellen für GWDL/FWDL vor. Die Bundeswehrplanung geht von 35’000 GWDL-Stellen und 25’000 FWDL-Stellen aus. Das sind bestenfalls 47’000 einzuziehende GWDL und 18’000 FWDL, also insgesamt 65’000.

Aber wer weiss, vermutlich werden einfach die Tauglichkeitskriterien angepasst, dann kommt man schon soweit, dass die Zahl von 140’000 auf 100’000 sinkt. Oder man zieht einfach auch GWDL zu Auslandseinsätzen (was momentan übrigens schon möglich ist), dann steigt die Zahl der KDV.