I. Akt, 3. Szene

Weil ich in einem Facebook-Kommentar auf Inselbegabung angesprochen wurde und vielleicht nicht jeder weiß, was das ist und ich momentan sowieso nichts Besseres zu tun habe, erkläre ich es mal.

Ehrlich gesagt erkläre ich es nicht, dafür gibt es ja Wikipedia. Ich gebe stattdessen meine persönliche Sicht wieder. Ritterpedia sozusagen. Immer so plausibel, dass es stimmen könnte und oft dann doch so schräg, dass man lieber noch mal nachschaut, wenn ich weg bin.

Die Kompetenzverteilung mancher Mitmenschen gleicht dem Pazifik. Ziemlich viel öde Wasserfläche und auf einmal ragt der Mauna Kea aus dem Meer der persönlichen Unfähigkeiten und lässt die Langeweile des Meeres vergessen.

Andere wiederum gleichen mehr der norddeutschen Tiefebene. Immer schön trocken aber ziemlich flach, so dass man am Morgen schon sieht, wer Mittags zu Besuch kommt (geistige Notiz: Sollte irgendjemand mal was erfinden, mit dem man sich durchschnittlich schneller als 20 km/h bewegen kann, muss ich diesen Witz aussortieren). Und dann gibt es noch Himalayas, die – um im Bild zu bleiben – auf der tibetanischen Hochebene stehen und sich über die eigene Flachheit beklagen, dabei vergessend, dass selbst die Tiefpunkte ihrer Fähigkeiten die Gipfel manch anderer überragen. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass es immer um Abstand geht, nie um absolute Größen (außer bei Hämmern)? Und worauf wollte ich noch mal mit diesen Hämmern hinaus?

Na ja, egal, es wird mir schon wieder einfallen.

Inselbegabung war das Thema und die Fähigkeit diese zu erkennen und sinnvoll in den eigenen Lebensentwurf einzubauen. Manchen Menschen die ich kenne, ist das extrem gut gelungen, manch andere stehen mit Taucherflossen im Harz. Manchmal sehen alle außer der betreffenden Person, dass sie ihre Insel noch nicht gefunden hat, manchmal gibt es einfach keine, was zwar oft schwer zu akzeptieren ist, aber mit einem Segelboot kann auch das Meer unterhaltsam sein.

Schwierig wird es nur, wenn der Taucherflossenmensch das ist, was im Sandkastenalter „Bestimmer“ hieß, also Führungskraft. Oft ändert sich ja nur der Name bei gleichbleibendem Inhalt. Wenn dieser Mensch dann darauf beharrt, am Meer zu sein und sich weder von der Realität in Form von Gipfeln noch seinen Mitarbeitern, die mit Kletterausrüstung gekommen sind, überzeugen lässt, dann schwimmt man halt auch als Mitarbeiter am Klettersteig. Besonders anpassungsfähige Kollegen bringen sogar Schwimmfügel mit und imitieren Kraulbewegungen. Während es im Sandkasten oft möglich war, seine eigene Bande aufzumachen stellt sich das im Berufsleben häufig komplizierter dar. Eigentlich bleibt nur der Wechsel in ein anderes Unternehmen, wobei Ähnlichkeiten mit lebenden oder hier schreibenden Personen Zufall sind.

Das wäre eigentlich ein spannendes Thema und mit der Insel bin ich eigentlich soweit durch, nachdem ich noch kurz erwähnt habe, dass manche Menschen meinen, klugscheissen wäre meine Insel. Sie sei sehr groß, allerdings bestünde sie nicht aus Gestein sondern aus einem Material, das in direktem Zusammenhang mit meiner Begabung steht. Für die Untentschlossenen: Klugheit ist es nicht.

And now for something completely different.

Heute habe ich eine WhatsApp gekommen, in der sinngemäß stand „ich sag nichts mehr, big brother ist watching me :-)“.

Ich möchte niemanden außer mir bloßstellen und ich nehme gerne Passagen raus, falls sich einer wiedererkennt und das nicht möchte. Je nach Gegenüber könnte das mit dem Sein lassen des watchings aber etwas schwierig werden. Da kämpfen dann 30 Jahre Sozialisation gegen 3 Millionen Jahre Evolution. Ich habe damit abgeschlossen, in diesem Leben die Zahl von 2 auf 3 zu erhöhen – auch wenn das meinem Ex-Kollegen dem Vernehmen nach gelungen sein soll – allerdings weigert sich mein Hypophysenvorderlappen standhaft, die Produktion von luteinisierendem Hormon einzustellen, was die Voraussetzung dafür wäre, nicht mehr zu schauen.

Das mit dem nicht mehr Sabbern habe ich schon vor langer Zeit in den Griff bekommen, das mit dem Starren hoffentlich auch. Sollte es in Ausnahmefällen trotzdem noch vorkommen, einfach kurz „buh“ machen. Diese Art von James-Blunt-Momenten habe ich mittlerweile allerdings nur noch sehr selten. Wer sich jetzt fragt, was zur Hölle eigentlich ein James-Blunt-Moment ist, dem empfehle ich den 2. Titel seines „Back to Bedlam“ Albums. Hier soll ja neben der Unterhaltung und der Wissensvermittlung auch die Recherchefähigkeit und das Erinnerungsvermögen geübt werden. Sollten Sie sich also jetzt fragen, was es mit der 2 des vorletzten Absatzes auf sich hat, hat es mit letzterem bisher noch nicht so gut geklappt und sie sollten das Zwischenspiel im I. Akt noch mal durcharbeiten. Zurück zum Kopfkino.

Ich bin ein Kopfkinogigant. Die Hälfte der Leute, davon 95% Frauen würde nicht mehr mit mir sprechen, wenn sie wüssten, welche Rollen sie schon in meinen Produktionen inne hatten.

Einer hab ich gerade davon erzählt und sie spricht noch mit mir, ich kann auf knapp die Hälfte und 94% absenken.

Wobei bleibt eigentlich dieser Vorhang, wenn man ihn braucht?

 

Ah, hier:

 

  • Vorhang –

 

 

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