IV. Akt, 3. Szene

Wo war ich stehengeblieben?
Ach ja, dass das Leben vor 22 Jahren schon manchmal ein ziemlich mieses Arschloch sein konnte.
Dummerweise hat sich das seither nicht sehr geändert und das Leben ist es manchmal auch heute noch. Während ich dem ganzen früher eher hilflos gegenüberstand, haben sich sowohl mein Sarkasmus als auch mein Zynismus weiterentwickelt und stehen in voller Blüte.

Wenn man Nietzsche glauben mag, dann verdirbt die Gewöhnung an Ironie, ebenso wie die an Sarkasmus den Charakter, sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Überlegenheit: man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat, außer dem Beißen.

In letzter Zeit musste ich dummerweise feststellen, dass ich vom Lachen vermehrt zum Beißen übergegangen bin und ich habe leider keine Ahnung warum.
Während früher Sarkasmus meine letzte Verteidigungslinie war, hinter die ich mich zurückgezogen habe, bevor mich wirklich jemand trifft, scheint es mittlerweile teilweise so zu sein, dass es die erste ist und ich mit allem zurückschieße was ich habe und oft viel zu spät aufhöre.
Weil Nachtreten bisher nicht zu den Eigenschaften gehört hat, die ich bei mir vermutete und ich mich wirklich für einen ausgeglichenen Menschen gehalten habe, weiß ich manchmal echt nicht, was mich da wieder gerade reitet. Mein Über-Ich schaut zu und erinnert an einen Fußballspieler kurz nach einem bösen Foul, der scheinbar auch gar nichts damit zu tun hat, dass da einer liegt und sich schmerzverzerrt das Schienbein hält.

Da ich mich prinzipiell immer noch für einen analytischen, rationalen Menschen halte, versuche ich mich mal an ein wenig Ursachenforschung.
Nach längerem Nachdenken sind mir 3 mögliche Gründe eingefallen. Zwei und den Cliffhanger zum Dritten gibt’s heute bevor ich dann damit den IV. Akt und das Buch schließen werde. Ich war zumindest gefühlt immer irgendwie ein Nonkonformist und 4 Akte sind selten genug, um mich in meinem Gefühl zu bestärken.
Der Grund bei dem ich mich am wenigstens schuldig fühlen müsste, ist der, dass sich aufgrund meiner Diät der Glucose-Spiegel im Blut gesenkt hat, was meinem Gehirn gar nicht gefällt, das täglich auf ungefähr 140 Gramm Glucose angewiesen ist. Und wenn mein Gehirn schlechte Laune hat, wird es mit dem Dopamin ein wenig knausrig. Ich habe also keine schlechte Laune, mein Gehirn ist einfach nur auf Entzug. Wen das genauer interessiert, kann sich ein wenig in die Selfish-Brain-Theorie einlesen.
Dieser Grund hätte den Vorteil, dass es sich mit der schlechten Laune vermutlich bald legt. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass sich nicht-dicke Menschen die ganze Zeit so fühlen wie ich jetzt, denn dann bin ich lieber dick.

Der zweite Grund ist mein Jobwechsel. In meiner alten Firma hatte mein Sarkasmus jeden Tag genug damit zu tun, die Situation zu kommentieren, um sie halbwegs erträglich zu machen. Abends und am Wochenende war einfach nichts mehr übrig und der kleine Sonnenschein-Markus durfte raus zum Spielen. In meinem jetzigen Job ist das nicht so, der macht sogar Spaß. Da ich mich auch nicht mehr für Politik interessiere, fällt ein weiterer großer Block weg, an dem sich mein Sarkasmus bisher abarbeiten konnte.
Das würde bedeuten, dass sich der Ironie-Anteil in meinem Leben gar nicht erhöht hat, sondern nur zu anderen Tageszeiten und gegenüber anderen Personen auftritt. Das wiederum hieße, ich müsste ernsthaft an mir arbeiten, um das irgendwie in den Griff zu bekommen. Oder ich fange wieder an, über Politik zu bloggen.

Und nun zum dritten Grund.

Eine Bekannte, der meine Veränderung auch irgendwie aufgefallen ist, hat nachgebohrt was denn los sei. Da ich es zu dem Zeitpunkt nicht so richtig in Worte fassen konnte, hat sie mir Vorschläge gemacht. Es waren sehr interessante und teilweise auch sehr abwegige dabei und einer, bei dem ich mich gefragt habe, wie man so unfassbar weit mit einer Antwort von der Wahrheit entfernt sein kann, die man dann doch genau trifft.

War irgendwie gar nicht komisch heute, aber das muss es ja auch nicht immer sein. Ich geh jetzt noch ein wenig sardonisch lachen hinter dem

– Vorhang –

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