Kalenderblatt 11.01.06

Vor 54 Jahren ratifizierte der deutsche Bundestag den Vertrag über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (gegen die Stimmen der SPD), die die Keimzelle für die europäische Gemeinschaft und deren Nachfolger, die europäische Union sein sollte.

Damals waren es noch 6 Länder, mittlerweile hat sich sowohl die Mitgliederzahl als auch die Fläche und die Einwphnerzahl vervierfacht.

Wann kippen Traditionen?

Im Spiegel zu lesen:

Abtreibungen nach reinen geschlechtsspezifischen Erwägungen sind in Indien seit 1994 verboten. Es ist jedoch allgemein bekannt, dass viele Ärzte sich nicht daran halten. Nach einem Zensus der Regierung kamen auf 1000 Jungen schon im Jahr 1991 nur 945 Mädchen. Zehn Jahre später waren es nur noch 927. Söhne werden in traditionellen indischen Familien nach wie vor bevorzugt, weil sie das Prestige der Eltern heben und zudem keine teure Aussteuer benötigen.

Die Frage die sich stellt ist, ob die 7% der Inder, deren Söhne keine Frau abbekommen haben, weil es einfach keine mehr gab, sich wirklich besser stellen als diejenigen, die halt eine Tochter haben. Irgendwann muss doch trotz aller Traditionen der Punkt kommen, an dem man auf die Mitgift verzichtet, oder gar noch was drauflegt, nur damit der Sohnemann die Wäsche nicht mehr zu Mama bringt.

Sozialer Videorecorder

Alleine schon die Überschrift, die die Redaktion für einen Artikel über videgor gewählt hat, spricht Bände.
Um was es eigentlich geht, findet man auf der Homepage des videgor-Projektes:

Für den Benutzer ist ein Videgor Rekorder fast nicht von einem normalen VDR zu unterscheiden. Aufnahmen können wie gewohnt programmiert und abgespielt werden. Die einzigen beiden Unterschiede sind, dass (1) nicht nur Aufnahmen für zukünftige Sendungen programmiert werden können, sondern auch für Sendungen die bereits vorbei sind, und (2) beliebig viele Aufnahmen gleichzeitig programmiert werden können.

Wenn man also den Anfang des Tatorts verpasst hat, nimmt man ihn einfach nachträglich auf, und zwar von jemandem, der pünktlich eingeschaltet und ebenfalls die Software laufen hat.
Je nach Zeitschrift, die diese Software rezensieren wird, was in den nächste Monaten vermutlich des öfteren der Fall sein wird, wird man aber wenig von sozialem Videorecorder lesen, sondern vermutlich mehr über böse Raubkopierer-Tools, stellt doch vermutlich das Zurverfügungstellen eines mitgeschnittenen Videostreams eine Urheberrechtsverletzung dar (was ich persönlich ja schade finde, denn von den meisten Sendungen, die mich interessieren, verpasse ich den Anfang).

Chinesische Verhältnisse für Herrn Ackermann

das wäre vielleicht mal ein Ansatz. Der Spiegel beleuchtet Herrn Ackermanns Rede bei einem Neujahrsempfang hier:

Die Projekte Airbus, Ariane und Galileo zeigten eindrucksvoll, wozu die Länder des Kontinentes in der Lage seien, wenn sie gemeinsam agieren,

Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Da hat Herr Ackermann aber treffsicher 3 Projekte ausgewählt, bei denen die beteiligten Firmen im kuscheligen Bett der staatlichen Absicherung sitzen.

Von dem in der „Lissabon Agenda“ des Jahres 2000 formulierten Ziel, die dynamischste Region der Welt zu werden, sei die EU weit entfernt: Sie wachse nicht nur deutlich langsamer als das Kraftzentrum China,

Dass in einem Land wie China, welches sowohl von der Industrialisierung als auch dem Wohlstand meilenweit von der EU entfernt ist, ein höheres Wachstum möglich ist als in Deutschland, sollte eigentlich Herrn Ackermann klar sein. Weshalb erwähnt er es dann?

Während die USA 15 Prozent ihrer öffentlichen Ausgaben für Sozialleistungen aufwenden, seien es in der EU durchschnittlich 27 Prozent. „Diese Relation sollte uns zu denken geben“,

Wer je in den USA war, und zwar nicht wie Herr Ackermann in einer S-Klasse durch die Finanzentren gefahren werdend, sondern auch mal abseits der touristischen Hauptziele; Wer die Bilder nach dem Wirbelsturm Katrina gesehen hat, dem gibt es zu denken, allerdings vielleicht anders als Herrn Ackermann das klar ist.

Und zum Abschluss noch eine persönliche Anmerkung:
Wenn Herrn Ackermann China als Land so gut gefällt, dann sollte er sich mal schlau machen, was denn in China mit korrupten Bankmanagern passiert:

Ein Gericht in Peking hat wegen Korruption das Todesurteil gegen einen Bankmanager verhängt. Die Richter sahen es als erweisen an, daß Wen Mengjie 10,7 Millionen Yuan (rund eine Million Euro) Bestechungsgeld angenommen und beim Einkauf von Geldautomaten 4,3 Millionen Yuan veruntreut hat.