der öffentliche Dienst

Bei einem Landratsamt in meiner näheren Umgebung ist momentan

die Stelle der persönlichen Referentin / des persönlichen Referenten des Landrats

baldmöglichst zu besetzen.

Sie haben insbesondere folgende Aufgaben:

  • Mitwirkung bei Entscheidungsprozessen
  • Steuerungs- und Koordinationsaufgaben
  • Projekt- und Sonderaufgaben
  • Vor- und Nachbereitung von Terminen (inkl. Reden und Grußworte) und Teilnahme an diesen
  • Erledigung des repräsentativen Schriftverkehrs und Unterstützung des Landrats im Tagesgeschäft

Sie verfügen über:

  • ein abgeschlossenes Hochschul- oder Fachhochschulstudium in den Bereichen Verwaltung, Verwaltungswissenschaft oder Jura oder eine den Anforderungen der Stelle entsprechende besondere Berufs- und Lebenserfahrung
  • Kenntnisse der Strukturen einer großen Kommunalverwaltung
  • die Fähigkeit zur Analyse komplexer kommunalpolitischer und -rechtlicher Fragestellungen
  • ein hohes Maß an sozialer, kommunikativer und multimedialer Kompetenz
  • selbstständiges, verantwortungsbewusstes und zielorientiertes Arbeiten
    ein freundliches und sicheres Auftreten, außerordentliches Engagement sowie die Bereitschaft für den Einsatz zu unregelmäßigen Arbeitszeiten und am Wochenende.

So weit, so gut.

Weiter unten findet sich dann:

Die Einstellung erfolgt in Entgeltgruppe 10 TVöD.

Ein kurzer Blick in den TVÖD zeigt Folgendes:

Entgeltgruppe 10, Stufe 1: 2’533,08 EUR pro Monat

Ein kurzer Check bei nettolohn.de (Steuerklasse IV) zeigt Folgendes:

Nettolohn: 1’648,27 EUR pro Monat.

Vielleicht bin ich ja durch meine Tätigkeit in der Schweiz viel zu sehr verwöhnt von den Gehältern hier, aber was da für knapp 1’650 EUR netto verlangt wird …

Während man bei dieser Stelle noch sagen kann, „dann schreibt der Landrat seine Reden künftig eben selbst“, ist das bei anderen Aufgaben nicht ganz so einfach. Ob Ingenieure im Bereich Bau und Umwelt oder IT-ler, all diejenigen werden maximal in der Entgeltgruppe 10 TVÖD eingestellt. Sehr attraktiv ist der Arbeitgeber öffentlicher Dienst momentan nicht.

Das sieht man auch daran, wie intensiv und fachkundig sich um das landratsamteigene Gästebuch (bei einem anderen Landratsamt in der Nähe) gekümmert wird (Seite abgerufen am 01.03.2010):

gaestebuch

3 Gedanken zu „der öffentliche Dienst“

  1. Zuerst dachte ich, oh, interessant. Dann, aha, 10= 2500 brutto.
    Zum Vergleich- Einstiegsgehalt als EDV-Supporter [ohne abgeschlossenes Studium] in Magdeburg, 1700 EUR brutto- ohne (große) Verantwortung, dazu im Osten.
    Überinterpretiere ich das jetzt oder wendest Du Dich implizit gegen die (neoliberale) Ideologie vom anzustrebenden „schlanken“ Staat?
    Denn je schlanker, desto dünner das Portemonnaie- dass es auch „im Ländle“ so krass ist, wußte ich bisher nicht- auch so ein Vorurteil, das im Süden besser bezahlt würde…

  2. Nein, ich bin durchaus für einen schlanken Staat, allerdings nicht für einen Bulimie-Staat.

    Bei den Aufgaben, die der Staat bzw. die öffentliche Hand erledigen sollen/müssen, muss man dafür sorgen, dass man genügend qualifiziertes und motiviertes Personal bekommt. Wenn die einzige Motivation für eine Bewerbung im ÖD ist, dass man dann nach 15 Jahren praktisch unkündbar ist, dann läuft irgendwas falsch.

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