Die CDU im Land verjüngt sich

Nachdem ich beim Stöbern im Internet über die Nominierung des 24-jährigen Felix Schreiner für die CDU im Wahlkreis Waldshut zur Landtagswahl 2011 gestolpert bin, hat mich ein weiterer junger CDU-Kandidat gar nicht mehr so erschreckt ūüôā

Der 23-jährige Nikolas Löbel tritt im Wahlkreis Mannheim I an, den die CDU allerdings noch nie gewinnen konnte. Mannheim I ging bei den bisherigen Landtagswahlen immer an die SPD.

Da die CDU in den letzten Wahlen regelmäßig mehr Wahlkreisgewinner hatte, als ihr nach dem Stimmen-Verhältnis eigentlich Sitze zugestanden hätten, muss man als CDU-Kandidat einen Wahlkreis gewinnen, um in den Landtag zu kommen.

In Esslingen steht für die CDU Andreas Deuschle (Jahrgang 1978) auf dem Stimmzettel, in Mannheim II Claudius Kranz (Jahrgang 1975).

Ob es der CDU damit gelingen wird, die Altersstruktur ihrer Wählerschaft der Altersstruktur der Wahlberechtigten anzupassen, ist meines Erachtens zweifelhaft.

Die CDU ist diejenige Partei, die fast die Hälfte ihrer Wählerschaft aus der Generation Ü60 rekrutiert und bei der Generation U35 am schlechtesten abschneidet. Da die Generation Ü60 im Gegensatz zur Generation U35 aber wählen geht und die Generation Ü60 über ein Drittel aller Wahlberechtigten in Baden-Württemberg stellt, fällt das momentan noch nicht so auf.

Nominierungen zur Landtagswahl 2011

Zur Zeit nominieren die Parteien, die zur Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg antreten wollen, ihre jeweiligen Kandidaten.

Relativ unbeachtet von der Öffentlichkeit spielen sich Szenen ab, die irgendwo zwischen SED-Parteitag (1 Kandidat, Zustimmungsquoten von 99,x%) und echter Kampfabstimmung (kurz vor der Nominierung treten 140 Neu-Mitglieder ein, die dann auch alle zur Aufstellungsversammlung kommen) liegen.

Auch die Mitglieder-Präsenz bei den Abstimmungen unterliegt grossen Schwankungen. Während in einem Wahlkreis 17 stimmberechtigte Mitglieder anwesend waren, die bequem ins Nebenzimmer einer Gaststätte gepasst haben, gab es Massenveranstaltungen in einer Sporthalle mit 544 Stimmberechtigten. Teilweise waren fast 50% aller Parteimitglieder des jeweiligen Wahlkreises anwesend, teilweise lag die Quote unter 15%.

Manch stimmberechtigtes Mitglied fühlte sich ein wenig von seinem Kreisvorstand überfahren, weil der eigene Wahlkreis für die eigene Partei einen relativ sicheren Einzug in den Landtag ermöglicht und dem Spitzenkandidaten für den Landtagswahlkampf sein alter Wahlkreis aufgrund der Wahlrechtsänderung zu unsicher schien und er deswegen wechselte.

In aller Regel sind amtierende MdL vor einer Abwahl gefeit, aber manchmal siegt dann doch ein Aussenseiter.

Da für alle Parteien ausser der CDU (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nur der Weg über das Zweitmandat in den Landtag führt (bei der letzten Landtagswahl kamen 69 von 70 Nicht-CDUlern über den Verhältnisausgleich in den Landtag) und man dort mit den Parteifreunden aus dem eigenen Regierungspräsidium konkurriert, könnte das ganze am 27. März 2011 relativ lange relativ spannend bleiben (wenn man sich für Politik interessiert. Für andere ist die Landtagswahl vermutlich so spannend wie für mich DSDS, GNTM …).

  • Vertreibt ein Newcomer einen (dann Ex-)MdL?
  • Wieviele Überhang- und Ausgleichsmandate produziert die CDU?
  • Gelingt einem grünen Kandidaten der Gewinn eines Direktmandats (evtl. Freiburg II, Stuttgart I, Heidelberg)?
  • Wie stimmt Stuttgart ab? (Die Frage klingt nur solange komisch, bis man sich die dortigen Ergebnisse von 2009 zum Gemeinderat und zur Regionalversammlung anschaut).
  • Gelingt der Linken der Sprung in den Landtag? (Was nicht ganz unwahrscheinlich ist, bei der Bundestagswahl 2009 hatte sie 7,2% der Zweitstimmen in Baden-Württemberg).
  • Sinkt die Wahlbeteiligung unter 50%, verschlimmert sich die Wahlabstinenz der jungen und mittelalten Wähler? (im Jahr 2006 erreichte nur die Gruppe der Ü50-Jährigen eine Wahlbeteiligung über 50%. In der Gruppe der U40-Jährigen gingen von 2,4 Millionen Wahlberechtigten gerade mal 911’000 (38%) wählen).

 

Für alle Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind, beginnt nach der Nominierung dann noch die Jagd nach Unterstützerunterschriften. 150 pro Wahlkreis schreibt das Landeswahlgesetz vor. Mindestens 10’500 Unterstützer muss eine bisher nicht im Landtag vertretene Partei finden, die landesweit antreten will.