#PISA-Ergebnisse und die Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse des letzten PISA-Tests sind veröffentlicht und schon stürzen sich alle drauf, picken die Staaten mit guten Ergebnissen heraus, die ihren Vorstellungen von einem guten Bildungssystem am besten entsprechen und fordern einen entsprechenden Umbau des deutschen Systems.

Alles andere wird ausgeblendet.

Den besten Kommentar zum Test habe ich bei der Financial Times Deutschland gefunden:

Es hängt offenkundig weder von der Schulkultur noch von der volkswirtschaftlichen Leistungskraft eines Landes ab, wie gut Schüler lesen oder rechnen können. Erstaunlich ist, dass Länder mit sehr unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen gleichermaßen gute Ergebnisse erzielen können: Auf der einen Seite offene, liberale Länder wie Finnland, auf der anderen Seite Staaten, in denen Schulen sehr stark auf Leistung, Disziplin bis hin zu Drill setzen.

Wetten, dass das in den Diskussionen der nächsten Wochen kaum eine Rolle spielen wird?

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Wahlprognose Dezember

Es gibt eine neue Wahlprognose von infratest dimap, in Auftrag gegeben vom SWR.

landtagswahl-bw-dezember

Langsam nähert sich Weihnachten, dann kommt eine sehr lange 5. Jahreszeit (Aschermittwoch ist nächstes Jahr erst am 9. März) und zweieinhalb Wochen später sind auch schon Landtagswahlen.

Diesen Satz (aus dem verlinkten SWR-Artikel) finde ich sehr bezeichnend:

Könnten die Baden-Württemberger den Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich 46 Prozent der Befragten für den Amtsinhaber Stefan Mappus (CDU) entscheiden, 31 Prozent würden seinen Herausforderer Winfried Kretschmann (Die Grünen) wählen.

Warum Menschen Politiker-verdrossen sind #JMStV

Die SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein wird aller Voraussicht nach dem Zustimmungsgesetz zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nicht zustimmen.

Die Stimme der Vernunft?

Wohl eher nicht. Auch wenn ich es durchaus begrüssenswert finde, wenn sich Landtagsabgeordnete Gedanken machen, kommt das ganze in den Geruch des kosten- und folgenlosen Profilierungsversuchs der SPD als Internet-Partei; Die SPD ist in Schleswig-Holstein in der Opposition und ihr Abstimmungsverhalten ist (so leid das den einzelnen MdL vermutlich tut) nicht entscheidungsrelevant.

Die SPD ist in folgenden Parlamenten an der Regierung beteiligt, bzw. stellt sogar den Regierungschef:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen-Anhalt
  • Thüringen

Wie viele SPD-Landtagsfraktionen davon haben bisher gegen den JMStV gestimmt?

Null.

In Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz hat die SPD ihre „Regierungsverantwortung“ wahrgenommen und für die Novellierung des JMStV gestimmt. Auch in Hamburg waren die SPD-Abgeordneten mehrheitlich für den JMStV (für die anderen Länder bin ich jetzt zu faul zu suchen).

Sind die Menschen in Schleswig-Holstein einfach klüger als ihre Kollegen in den anderen Parlamenten, sind sie freiheitsliebender, internet-affiner?

Gerne würde ich es glauben. Aber irgendwie schaffe ich es nicht.

Es handelt sich beim JMStV um nichts, was irgendwie einen regionalen Bezug hat. Der Staatsvertrag trägt die Unterschriften von 5 SPD-Ministerpräsidenten (Kurt Beck, Klaus Wowereit, Matthias Platzeck, Jens Böhrnsen und Erwin Sellering).

Glaubt wirklich irgendjemand, die SPD in Schleswig-Holstein würde am Ende gegen den JMStV stimmen, wenn er die Unterschrift eines schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten mit SPD-Parteibuch trüge?

Ich zumindest glaube das nicht, aber ich kann mich täuschen.

Die SPD-Landtagsabgeordneten aus Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern haben die Möglichkeit, mir den Glauben an ihre Unabhängigkeit zurückzugeben. Nicht dass das für irgendjemanden der Damen und Herren entscheidungsrelevant wäre, ich wollte es nur gesagt haben.

Gedanken zum #JMStV

Über den Inhalt, über Sinn und Unsinn den JMStV wird an vielen Stellen diskutiert, wobei man alles zwischen heller Aufregung und dem Aufruf zur Gelassenheit findet. Zum Inhalt will ich mich gar nicht äussern, da bin ich weder kompetent noch halte ich mich dafür.

Zur Form des JMStV soll dieser Beitrag sein, zum Zustandekommen und zum Konstrukt des Staatsvertrages. Da bin ich zwar auch nicht kompetent, aber ich halte mich dafür 🙂

Wer handelt was aus und warum, wer stimmt eigentlich über was ab und wie?

Deutschland ist ein föderales Land.

Art 70 I GG
Die Länder haben das Recht der Gesetzgebung, soweit dieses Grundgesetz nicht dem Bunde Gesetzgebungsbefugnisse verleiht.

Wenn man in den anderen Artikeln des Grundgesetzes nichts findet, was dem Bund die Gesetzgebungsbefugnis verleiht, haben also die Länder die Gesetzgebungskompetenz.

Wie man zum Beispiel an der deutschen voruniversitären Bildungslandschaft sieht, nehmen die Länder diese Kompetenz auch gerne wahr und es gibt je nach Bundesland 4 bis 6 Jahre Grundschule, 6 bis 9 Jahre Gymnasium, es gibt 3-gliedrige Schulsysteme und 2-gliedrige, manchmal hat man nach der 10. Klasse Gymnasium die mittlere Reife, manchmal nicht. Es gibt Hauptschulen, an denen man einen Realschulabschluss machen kann, …

Bei gewissen Sachverhalten ist eine rein landesrechtliche Lösung allerdings nicht möglich. Wenn man den Bereich Rundfunk nimmt und sich das Verbreitungsgebiet der Sender anschaut, dann sieht man einige länderübergreifende Rundfunkanstalten, die Länder müssen sich also irgendwie einigen.

Manchmal (wie zum Beispiel beim SWR) gibt es Staatsverträge zwischen 2 Bundesländern, manchmal machen alle 16 Länder mit. So auch beim [Regieanweisung: Tusch]

Staatsvertrag
über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz
in Rundfunk und Telemedien
Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) vom 10.–27. September 2002, in Kraft getreten am 1. April 2003,
zuletzt geändert durch den Neunten Rundfunkänderungsstaatsvertrag vom 31. Juli bis 10. Oktober 2006,
in Kraft getreten am 1. März 2007

Rundfunk ist halt Ländersache. Schutz der Menschenwürde wäre prinzipiell ja auch eine Bundesangelegenheit, aber wie schon Art. 1 I GG so treffend bemerkt, ist der Schutz der Menschenwürde Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Die Länder also, aber wer dort und wie?

Am Ende muss ein Landesgesetz stehen, welches vom jeweiligen Landtag 1 verabschiedet worden sein muss. Recht ineffektiv wäre es, wenn man alle 1’853 Landtagsabgeordnete zusammentrommeln würde, um etwas schönes zu beschliessen. Eine Mehrheit in diesem Gremium würde ja nicht automatisch eine Mehrheit in jedem der 16 Landesparlamente bedeuten.

Man trifft sich also im kleineren Kreis und jedes Bundesland schickt jemanden, dem man zutraut, im heimischen Parlament eine Mehrheit für ein Zustimmungsgesetz zu bekommen, den Regierungschef 2. Damit nicht 16 Ministerpräsidenten mit 16 komplett unterschiedlichen Vorschlägen zur Konferenz anreisen, gibt es ein federführendes Land.

Im Fall des JMStV war das Rheinland-Pfalz mit Herrn Beck von der SPD an der Spitze. Solche Konferenzen sind zäh, man muss den grössten gemeinsamen Nenner finden (und weil das alles Primadonnen äh Primzahlen sind, ist das dann gleichzeitig auch der kleinste).

Es gibt in Deutschlands Landesparlamenten folgende Regierungskonstellationen:

  • CDU/FDP
  • CSU/FDP
  • SPD/Linke
  • SPD/Grüne
  • CDU/Grüne (mittlerweile eine CDU Minderheitsregierung)
  • SPD/CDU
  • SPD
  • CDU/FDP/Grüne
  • CDU/SPD

Also irgendwie alle.

Ministerpräsidenten stellen zwar nur CDU und SPD, aber der jeweilige (kleine) Koalitionspartner will ja auch mitreden.

Man macht sich ein paar Gedanken und am Ende unterschreiben 16 Ministerpräsidenten einen Staatsvertrag und nehmen in zum ratifizieren lassen mit nach Hause. Die jeweiligen Landtage waren entweder rudimentär oder gar nicht eingebunden und haben nur die Möglichkeit, ein Zustimmungsgesetz zu erlassen oder es sein zu lassen. Wenn die Tinte der Regierungschefs getrocknet ist gilt nur noch „alles oder nichts“.

Manchmal kommt dann etwas raus, was Prof. Dr. Thomas Hoeren mit folgenden Wortem kommentiert:

Was man in letzter Zeit als Gesetzgebungsentwürfe liest, schlägt einem auf den Magen. Sei es die Reform des Arbeitnehmerdatenschutzes oder das Buttongesetz gegen Internetabzocke – man wird den Verdacht nicht los, daß hier „Legastheniker“ am Werke waren, die erst nach mehrfachen Anläufen ihr Jurastudium an irgendeiner C-Universität zu Ende gebracht haben.

Doch alles bisherige wird überboten durch den Jugendmedienstaatsvertrag, der Anfang 2011 in Kraft treten soll.

Das grundsätzliche Problem ist meines Erachtens die Konstruktion des Staatsvertrages. Niemand fühlt sich wirklich dafür verantwortlich.

  • Die Landtagsabgeordneten fühlen sich genötigt ein Zustimmungsgesetz zu erlassen, weil sie nicht dafür verantwortlich sein wollen, dass ein Staatsvertrag platzt
  • Die Ministerpräsidenten verstecken sich jeweils hinter ihren 15 Amtskollegen
  • Die jeweils wirklich zuständigen Staatskanzleien stehen sowieso nicht im Rampenlicht

Eigentlich wäre der Bund viel besser dafür geeignet, den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien gesetzlich zu regeln. Aber das geht ja nicht, weil wir ja ein föderales System haben und überhaupt. Deshalb stimmen insgesamt 1’853 Abgeordnete über insgesamt 16 (fast) identische Landesgesetze ab, die nicht beraten, geändert und angepasst werden konnten.

Ja, das gibt es auch im Bundestag. Das verlangt schon Angela ‚Tina‘ 3 Merkel aus verschiedenen Gründen. Es gibt im Bundestag auch Kungelrunden aka Koalitionsausschuss, wo 6 Leute darüber beraten, wie Gesetze auszusehen haben. Aber man hat als Bürger wenigstens einen direkten Ansprechpartner, dem man seinen Widerwillen gegen gewisse Regelungen an den Kopf werfen kann 4. Wer ist das bei einem Staatsvertrag?

  1. bzw. Abgeordnetenhaus in Berlin und Bürgerschaft in Bremen und Hamburg, ich verwende trotzdem ab jetzt Landtag[]
  2. plus Delegation, aber die sieht keiner[]
  3. There Is No Alternative[]
  4. bildlich gesprochen, das ist kein Aufruf zur Gewalt, ich möchte mein Blog nicht labeln[]

Milchvieh-Haltung unter dem Aspekt der Gendergerechtigkeit

kuhIm nächsten Jahr stehen insgesamt Wahlen zu 7 Landesparlamenten an.

Weil die Grünen fast nirgends mehr in der Regierung sind, weil die SPD einfach nicht auf die Füße kommt und weil die Menschen (teilweise zurecht) von der Regierungsarbeit der jetzigen Koalition im Bund ein wenig enttäuscht sind, läuft momentan alles zu den Grünen.

In Berlin und Baden-Württemberg liegen sie in Umfragen konstant vor der SPD, im Bund werden sie relativ stabil auf über 20% geschätzt.

Ich möchte jetzt mal aussen vor lassen, dass Grüne in Regierungsverantwortung oft so gar nichts mit Grünen in der Opposition gemein haben, beginnend beim Kosovo-Krieg, dem ersten Kampfeinsatz deutscher Truppen nach dem II. Weltkrieg (der dazu auch noch ohne UN-Mandat geführt wurde), über ihre völlig nebulöse Haltung bei der Endlagersuche (dass radioaktiver Abfall endgelagert werden muss, wissen auch die Grünen, ein blosser Erkundungsstopp ändert daran nichts) bis hin zur aktuellen Entscheidung der grünen MdL im nordrhein-westfälischen Landtag, dem Jugendschutz-Medienstaatsvertrag aus Parlamentsräson zuzustimmen, obwohl die beiden Parteien die jetzt dort die Regierung stellen, diesen JMStV im Wahlkampf abgelehnt haben.

Um das geht es mir eigentlich gar nicht.

Richtig spannend finde ich z.B. ihr Parteistatut und da ganz besonders das Frauenstatut, in dem man unter anderem lesen kann:

Redelisten werden getrennt geführt, Frauen und Männer reden abwechselnd. Ist die Redeliste der Frauen erschöpft, ist die Versammlung zu befragen, ob die Debatte fortgesetzt werden soll.

[..]

Die Mehrheit der Frauen einer Bundesversammlung, eines Länderrates und anderer Gremien hat ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Eine von den Frauen abgelehnte Vorlage kann erst auf der nächsten Bundesversammlung erneut eingebracht bzw. von der Versammlung mehrheitlich an den Länderrat überwiesen werden.

Jetzt ersetzt man Männer/Frauen einfach durch andere „Gegenteile“ und schaut, ob man das ganze immer noch gut und richtig findet.

Ganz harmlos und unverfänglich könnte man einfach tauschen, aus Frauen werden Männer und umgekehrt. Andere Beispiele lasse ich weg, ich will ja nicht schon im ersten Beitrag Godwin’s law erfüllen.

  • Ja, ich weiss, dass in den Vorständen deutscher DAX-Unternehmen fast nur Männer zu finden sind, aber was bringt das dem Werkschutzmann, der monatlich 986 EUR brutto verdient?
  • Ja, ich weiss, dass in den Führungsgremien deutscher Parteien und in den Parlamenten überwiegend Männer zu finden sind, aber was bringt das den über 400’000 männlichen Parteimitgliedern in Deutschland, die nie über den Status eines einfachen Mitglieds hinauskommen?

Ich habe generell ein Problem damit, wenn einer Einzelperson aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe Nachteile erwachsen, ohne dass die Person die Möglichkeit hat, daran etwas zu ändern. Das regt mich schon bei privaten Institutionen auf, wenn beispielsweise Frauen in der PKV grundsätzlich einen höheren Beitrag zahlen müssen als Männer 1, oder wenn Nichtmitglieder der öffentlichen Dienstes bei ihrer Kfz-Versicherung einen Aufschlag von 20% bezahlen müssen 2.

Wenn das ganze dann aber via Regierungspartei auch noch in Gesetze einfliesst, hört mein Verständnis völlig auf.

  • Du gehörst zu Gruppe X, von Gruppe X tun viele Y, also tust Du das auch, zumindest behandeln wir Dich so, als würdest Du es tun.
  • Du gehörst zu Gruppe A, Gruppe A ist im Bereich B überrepräsentiert, also fördern wir Dich nicht, sondern nur Mitglieder der Gruppe der Anti-A, weil die Gruppe Anti-A nur so aufholen kann.

Man wählt man 27. März 2011 in Baden-Württemberg nur zu einem ganz kleinen Teil „Stuttgart 21“ 3, man wählt auch eine Politikrichtung, wie sie im Titel dieses Beitrags anklingt. Man wählt eine Partei, die keine Probleme damit hat, dass der Arbeiter aus Mannheim dem Photovoltaikanlage-betreibendem Zahnarzt aus Heidelberg seine 12%-Rendite zahlt, eine Partei, die bisher in keinem Bundesland in dem sie an der Regierung war ein besseres Bildungskonzept hatte, als das derzeitige baden-württembergische.

  1. gibt es eigentlich Studien zu den Krankheitskosten, wenn man die Geburten etc. bei Frauen rausrechnet?[]
  2. dass das ganze als Rabatt für Mitglieder des ÖD bezeichnet wird, ändert ja im Grundsatz nichts[]
  3. wobei man aufgrund des bisherigen Verhaltens der Grünen in Regierungen auch nicht sicher sein kann, was dann passiert[]