Äpfel und Birnen im Vergleich

Da ich mir die günstigsten Telefontarife via heise.de hole, bin ich schon länger nicht mehr auf den Anbieterseiten direkt gewesen.

Gestern allerdings hat es zuerst mich auf die Seite von callando verschlagen und dann mir die Sprache (das ist jetzt stilistisch nicht ganz einwandfrei, man möge mir nachsehen, es ist schon spät 🙂

Meine ermüdeten Augen sahen folgende Werbung:

Tarif

Wahnsinnige Preisunterschied tun sich da auf. Das am Wochenende als eigentlich günstig geltende Arcor soll 2,5 mal so teuer sein wie die Telekom und fast 10 mal so teuer wie callandoFON?

Die Auflösung ergibt sich, wenn man das kleingedruckte studiert, welches sich hinter den unscheinbaren Ziffern hinter den Ct./Min verbirgt.

Der Telekomtarif gilt in der Zeit von Montag bis Freitag von 7-19 Uhr, der Arcor-Tarfi gilt in der Zeit von Montag bis Freitag von 8-19 Uhr und der CallandoFON-Tarif gilt Sams- und Sonntags von 9-14 und 16-18 Uhr. In den übrigen Wochenendzeiten kostet der Spass bei CallandoFON übrigens 4x soviel, bzw. das 2,7-fache von dem, was Arcor zu diesen Zeiten verlangt.

Verwundert bin ich eigentlich nicht, im Bereich Internet-by-Call ist das ja mittlerweile leider gang und gäbe geworden, minütlich den Tarif zu wechseln.

Allerdings ist die obige Gegenüberstellung doch sehr obskur.

Sollte so etwas auch im Einzelhandel um sich greifen, dürfte man vermutlich bald folgendes lesen dürfen:

alldi: 5,69 EUR/L(1)

reell: 1,49 EUR/L(2)

liddl: 0,19 EUR/L(3)

(1) Gilt für kalifornischen Cabernet Sauvignon

(2) Gilt für handgepressten Blutorangensaft

(3) Gilt für stilles Mineralwasser

Sony BMG und das schlechte Image

Weil es ja nicht reicht, dass der Name Sony BMG mit Rootkits in Verbindung gebracht wird, die aus dem Computer eines unbedarften Hörers einer SONY BMG-CD eine Virenschleuder machen können, zeigt die Firma auch den Künstlern, was eine Harke ist.

Weil ja nach der Logik von Sony BMG Managern auch beim elektronischen Vertrieb via iTunes Verpackungskosten anfallen und scheinbar auch das ein oder andere Stück zu Bruch gehen kann, werden diese Kosten vom Musikkonzern einbehalten.

Wenn es SONY BMG passt – im Zusammenspiel mit Zahlungen an die Urheber – ist ein Kauf via iTunes vergleichbar mit dem Kauf einer CD. Gegenüber dem Käufer allerdings wird ein Kauf dem Kauf einer Lizenz gleichgesetzt, mit der man deutlich weniger Rechte hat, was beispielsweise dann eine Rolle spielt, wenn man die Musik nicht mehr hören mag und verkaufen will. Der Verkauf ist nämlich anders als der Verkauf einer CD nicht gestattet.

Und zum Schluss noch die Höhe der Vergütung für den Urheber. Pro verkauftem Song landen satte 4,5 ct bei den Urhebern.

Da mag man eigentlich nur noch 2 Dinge erwähnen:

  • Die Verwerter – allen voran SONY BMG – wollen höhere Preise bei iTunes durchsetzen, weil sie anscheinend mit der Verteilung: 30% itunes, 65% Verwerter, 5% Urheber unzufrieden sind.
    • Die 5-15 ct pro Lied, die der russische Online-Shop allofmp3 pro Lied verlangt sind eigentlich nicht zuwenig, wenn damit nur die Urheber vergütet werden müssen.

    Dr. Joachim Wuermeling und der verbale Griff ins Klo

    Anders kann man es beim besten Willen nicht nennen, was Dr. Joachim Wuermeling, seines Zeichens beamteter Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium bei seinem Vortrag für den  „Tag des geistigen Eigentums“, veranstaltet und bezahlt vom BDI, vom Stapel gelassen hat.

    Leider werden auch ahnungslose Leute aufgrund des Parteienproporz in wichtige Ämter gespült, so wie Herr Wuermeling, der auf 7 Jahre Europaparlamentskarriere zurückblicken kann und was viel wichtiger ist, ein CSU-Parteibuch sein Eigen nennt.

    Michael Glos sein Dienstherr stand wahrscheinlich vor der Qual der Wahl, entweder fähige Mitarbeiter zu benennen, die ihm zuarbeiten können, ihn aber vermutlich in einem schlechten Licht dastehen lassen, oder aber er greift auf Mitarbeiter wie Herrn Wuermeling zurück, bei denen zumindest letzteres nicht der Fall ist.

    Der Grund meiner Aufregung lässt sich beispielsweise hier bei heise nachlesen, den blutdrucksteigernden Absatz zitiere ich mal:

    Auf den Tisch kam zudem wieder der langjährige Streit um die Softwarepatent-Richtlinie der EU. [..] Joachim Wuermeling, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, monierte, dass eine „geistige Bewegung“, die „dem Freakbereich verbunden“ sei und sich mit dem „Antifaschismus im Internet“ vereint habe, „den Mittelstand irregeführt“ habe.

    Im Gegensatz zu Befürwortern der Softwarepatent-Richtlinie, wie z.B. Herr Wuermeling, die immer nur sehr diffus von Chancen für den Mittelstand und hunderttausender Dank Softwarepatent-Richtlinie neu zu schaffender Arbeitsplätze reden, hat sich bspw. der FFII, der Förderverein für eine freie Informationelle Infrastruktur sehr detailliert um die Auswirkungen gekümmert, die eine Patentrichtlinie hätte und hat dies mit dem Beispiel des patentierten Europäischen Online-Shop auch sehr gut demonstriert.

    Das niemand bereitwillig „Hier“ schreit, wenn es darum geht Nutzungsgebühren dafür zu bezahlen, dass bei einem Klick auf ein kleines Bild ein grosses Bild in einem neuen Fenster aufgeht, verwundert vermutlich nur Menschen wie Herrn Wuermeling.

    Ansonsten ist die Wortwahl, zurückhaltend formuliert, gewöhnungsbedürftig. Ich weiss nicht, ob Herr Würmeling den BDI für eine geistige Bewegung hält, etwas anderes als bspw. der FFII ist der nämlich auch nicht: Eine Interessenvertretung, die die verschiedenen Vorstellungen bündelt und die sich aufgrund ihrer Anzahl der Mitglieder Gehör verschaffen kann. Darin unterscheidet sich der FFII dann allerdings doch teilweise vom BDI; Beim FFII wird man als Abgeordneter vermutlich nicht mit Honoraren für Reden in teilweise 5-stelliger Höhe angelockt und auch das Büffett und die Getränkekarte bei Informationsveranstaltungen wird vermutlich einige Nummern kleiner ausfallen.

    Dann hätten wir da noch Sätze wie „dem Freakbereich verbunden“. Herr Wuermeling sollte sich vor dem Aussprechen solcher Sätze vielleicht mal die Liste der Gegner der Sotwarepatent-Richtlinie anschauen; Dort findet sich beispielsweise Deutschlands grösster Webhoster 1&1 mit 356 Millionen EUR Jahresumsatz genauso wie kleine Ingenieurbüros. Diesen Menschen abzusprechen zu wissen worüber sie reden, ist gerade dann ziemlich vermessen, wenn man selbst Zeit seines Lebens aber auch gar nichts mit Informationstechnik zu tun gehabt hatte.

    Dass Herr Wuermeling „Antifaschismus im Internet“ als Schimpfwort gebraucht, ist vermutlich seiner bayrischen Herkunft und dem Parteibuch geschuldet, und beschäftigt mich im Gegensatz zu anderen auch nicht weiter.

    Das Weltbild des US-Justizministers

    Man mag sich fragen welchen Einflüsterungen Alberto Gonzales lauscht, der davon ausgeht, dass die Einnahmen aus dem Diebstahl geistigen Eigentums auch für die Finanzierung terroristischer Aktivitäten verwendet werden.

    Der Grossteil des „Diebstahls“ findet in Tauschbörsen statt, ohne das überhaupt Geld fliesst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein nennenswerter Anteil von Tauschbörsennutzern das gesparte Geld an Al-Kaida spenden oder sich davon Schnellfeuergewehre (legal) und Munition (auch noch legal) kaufen um Bundeseinrichtungen zu stürmen (nicht mehr legal).

    Auch abseits von Tauschbörsen wird weiter munter an der Entrechtung des Verbrauchers gearbeitet. Während ich für die Verfolgung kommerzieller Urheberrechtsverletzer durchaus Verständnis habe, finde ich eine Höchststrafe von 10 Jahren für bspw. das Zusammenstellen einer CD fürs Auto oder das Kopieren eines Liedes auf den MP3-Player etwas überzogen. Es geht hier wohlgemerkt darum, dass man so etwas mit seinen eigenen persönlich gekauften CD macht.

    Vielleicht gehen den Gefängnissen in den USA auch nur die Insassen aus und da dort ja fleissig privatisiert wurde, drängen die Betreiber jetzt auf die Mindestbelegungszahlen, weil die Gefangenen als billige Arbeiter fest eingeplant sind.

    Internettarife call-by-call

    Wenn man einen Blick auf die Internettariftabelle von Freenet wirft, bekommt zumindest der Werbeslogan „Normal ist das nicht“ einen Sinn. Am 14. März 2006 beispielsweise gibt es drei Tarife ohne Einwahlentgelt mit einer 60/60-Taktung.

    Man sollte meinen, dass da drei Tarife irgendwie unnötig wären.

    Wären sie auch, wenn freenet ein normales Unternehmen wäre. So allerdings sieht es so aus, als würde freenet (vornehm formuliert) die Bequemlichkeit der Internetnutzer ausnutzen, die nicht alle 2 Stunden eine andere Einwahlnummer eintragen wollen. Provokant formuliert könnte man freenet auch vorhalten, diejenigen Kunden abzuzocken, die sich nicht jede freie Minute über die jeweiligen Tarif-Feinheiten des Anbieters informieren.

    Auch arcor scheint sich in Sachen Preistransparenz von seinen früheren Gewohnheiten zu verabschieden. Hier gibt es drei Tarife, die scheinbar alle das gleiche machen, aber doch ganz unterschiedlich kosten.

    Ein weiteres Beispiel unter vielen ist die Firma activinet, die insgesamt 5 scheinbar identische Tarife anbietet, bei denen man von 0,15 ct/min bis zu 4,99 ct/min so ziemlich alles zahlen kann.

    Natürlich steht es den Unternehmen frei, eine Tarifpolitik zu machen, die selbst die Bonusmeilenregelungen der diversen Allianzen von Fluggesellschaften in den Schatten stellt.

    Die Provider, die man bedenkenlos auch auf dem Rechner von Wenigsurfern einrichten kann, scheinen immer weiter auf dem Rückzug zu sein. Schade eigentlich.