Ignoranz, gepaart mit technischem Unverständnis

Auf heise findet sich der ganze Bericht zur mündlichen Verhandlung der Wahlprüfungsbeschwerde gegen die Verwendung von Wahlcomputern.

Ich darf mal zitieren:

Für den Deutschen Bundestag hielt der stellvertretende Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses, der Abgeordnete Carl-Christian Dressel, die Fahne für die verwendeten Nedap-Wahlgeräte hoch. [..] „Der Einsatz von Wahlgeräten soll weiterhin ermöglicht werden.“ Und was Manipulationsrisiken angehe, vertraue er hier „auf die generalpräventive Wirkung des Strafrechts“.

Aus diesem Grund hat sein Haus auch vermutlich keine Tür mit Schlüssel, Diebstahl ist ja verboten.

Bisher habe noch nie jemand einen Anhaltspunkt für Manipulationen gehabt, trug Hannappel vor [..] „Eine Manipulation eines Wahlgerätes hat nur einen Sinn, wenn sie irgend etwas bewirkt“, entgegnete der Landeswahlleiter, „sie haben dann ein abweichendes Ergebnis“.

Wie kann denn so jemand Landeswahlleiter werden. Abweichend von was?

  • Abweichend von der letzten Wahl? Die CDU hat 13% gegenüber der letzten Wahl verloren, die Linke ist beim letzten Mal überhaupt nicht angetreten.
  • Abweichend vom Landesschnitt? Zwischen Kassel-Stadt I mit 26,8% für die CDU und Fulda II mit 50,3% für die CDU liegen fast 100% Differenz.
  • Abweichend von einem erwarteten Ergebnis? Wer definiert was erwartet wird? Der Landeswahlleiter?

Für die nach der Bundeswahlgeräteverordnung bisher für die Zulassung der Nedap-Maschinen zuständige Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) erläuterte der Leiter des PTB-Fachbereichs „Metrologische Informationstechnik“, Prof. Dieter Richter, dass die Wahlämter gemäß Bedienungsanleitung gehalten seien, die korrekte Zuordnung von Stimmzettelausdruck und Tasteneingaben zu überprüfen. Wie ein Wähler die Korrektheit überprüfen könne? „Der Wähler hat keine Möglichkeit, das zu kontrollieren“, antwortete Richter. Er bestätigte auch, dass die Konfigurationssoftware im Unterschied zur Gerätesoftware gar nicht Bestandteil der Baumusterprüfung durch die PTB ist.

Irgendwo zwischen erschütternd und amüsant liest sich der Bericht des CCC zur Wahlbeobachtung in Brandenburg:

Ich habe Angst

wenn ich mir verschiedene Dokumente der Future Group der EU durchlese.

One obvious illustration is the ability to track the location of any active mobile phone (and to know where it was last switched off and last switched on). This is just the beginning. In the next few years billions of items in the physical world will be connected, using technologies such as radio-frequency identification (RFID), broadband wireless (WiFi, WiMAX), satellite and small area wireless (Bluetooth, wireless USB, ZigBee). This means it will be possible to trace more and more objects in real-time and to analyse their movement and activity retrospectively. We will soon see this with respect to major consumer items such as cars, but this trend is likely to spread quickly to most items of any significant value. In the near future most objects will generate streams of digital data about their location and use – revealing patterns and social behaviours which public security professionals can use to prevent or investigate incidents.

Mit keinem Wort erwähnt werden die Möglichkeiten des Missbrauchs, die prinzipielle Fehlerhaftigkeit von Software.

Wenn Grossbritannien dann mal wieder USB-Sticks verliert, werden darauf nicht nur die Namen, Adressen und Geburtsdaten aller Gefängis-Insassen von England und Wales, medizinische Informationen über 160.000 kranke Kinder, die Namen, Adressen und Telefonnummern von sämtlichen Führerscheinprüfungs-Anwärtern eines 3-Jahres-Zeitraums, die Namen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern und Kontoverbindungen von 25 Millionen Kindergeldempfängern, zu finden sein, sondern auch, wann, wo, wie häufig und mit wem ich telefoniere, was ich so einkaufe und und auf welchen Seiten ich gesurft bin.

Wenn der Sachbearbeiter im Polizeipräsidium Südhessen mal wieder den falschen Knopf drückt, werden nicht nur Namen, Geburtsdaten und aktuelle Adressen der Kontrollierten, Automarke, Kennzeichen, eventuelle Vorstrafen und Gesetzesverstöße die begangen worden sein sollen im Internet stehen, sondern ganz allgemein die Daten aller PKW inklusive Aufenthaltsort und -zeit.

Wenn verschiedene Gemeinden in Deutschland das Administratoren-Passwort für die Software der Einwohnermeldeämter mal wieder nicht ändern, wird man nicht nur Name, Adresse, Geburtsdatum, Religionszugehörigkeit, Familienstand und Passfoto der Einwohner erfahren können, sondern weitere Details, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Könnte natürlich auch sein, dass sich die Beamten, denen der Pool zur Verfügung steht nicht ganz an ihre Vorgaben halten, wie untenstehende Vertreter :

Statt die Straße zu kontrollieren, filmten zwei britische Angestellte mit ihrer Überwachungskamera lieber in die Wohnung einer Frau – und ergatterten dabei mehrere intime Szenen.

Österreichischen Bürgerrechtlern ist es gelungen, mittels einer billigen Satelliten-TV-Ausrüstung die Signale einer Überwachungskamera der Wiener Polizei mitzuschneiden. Wie zwei Vertreter des Datenschutzvereins Quintessenz auf dem 22. Chaos Communication Congress (22C3) in Berlin erklärten, schwenkten die Beamten bei einem der am Wiener Schwedenplatz aufgezeichneten Filme von einem Fenster der benachbarten Häuser zum nächsten und zoomten ganz dicht ran. Man hätte recht genau beobachten können, “was sich hinter den Gardinen abspielt”, so Martin Slunksy, einer der beiden Aktivisten; ein Zusammenhang mit Strafverfolgung sei für sie nicht ersichtlich gewesen.

Könnte natürlich auch sein, dass die Software einfach fehlerhaft ist. Statt zu Raketenabstürzen, Fehlern im Gepäck-System, oder dem Ausfall eines Stellwerks zu führen, werden die Fehler in dieser Software dazu führen, dass man Besuch von Männern mit HK-MP5 bekommt, die einen für einen Top-Terroristen, Kinderschänder oder Bombenleger halten.

Könnte natürlich auch sein, dass man einen Namen hat, der dem eines vermutlichen Terroristen ähnelt oder man mal neben einem gesessen hat, der einen Terroristen-ähnlichen Namen hat. Dann darf man sich auf ausführliche Befragungen, Verweigerung von Flügen, Einreiseverbote und ähnliches freuen. Halt, das gibt es ja jetzt schon.

Wenn man dann einmal auf so einer Liste steht, wird es ziemlich schwer wieder runterzukommen, weil keiner wirklich zuständig zu sein scheint. Das gibt es jetzt auch schon, allerdings steigen die Chancen, unberechtigterweise auf diese Liste zu gelangen mit der Informationsfülle, die generiert wird.

Aber wer nichts zu verbergen hat …

np:

Neue Einnahme-Quelle für Mitarbeiter in der iPhone-Fertigung

Durch die blog-Welt und Teile des „Qualitätsjournalismus“ schwappt momentan die Geschichte eines Engländers, der auf seinem neuen iPhone Fotos gefunden hatte, die aller Wahrscheinlichkeit in der chinesischen Fabrik entstanden sind, in der das iPhone gefertigt wird.

Die Bilder finden sich auf hunderten von Webseiten, angefangen bei kleinen blogs (wie diesem hier), die vermutlich nur vom Schreiber gelesen werden, bishin zu Seiten mit 7-stelligen Tageszugriffszahlen.

Ein Teilaspekt der ganzen Sache wird allerdings nirgends angesprochen:

Der Fotograf des iPhone-Girls hat die Urheberrechte an den Bildern 🙂

Zumindest in Deutschland, dem Land in dem „geklaute“ Fotos von Zitronen durchaus mal Anwaltseinnahmen im mittleren 5-stelligen Bereich generieren, könnte er damit einige Menschen sehr glücklich machen. Aber auch die Lizenzeinnahmen (durch die fehlende Nennung des Urhebers ergibt sich laut h.M. eine Verdoppelung des Betrags) für ihn sind nicht zu verachten, zumal das Bild auch von Onlinemedien im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (zumindest was punitive damages angeht) veröffentlicht wurde.

Also liebe Anwälte, auf ins Land der Mitte und her mit dem Urheber.

iPhone auch bei T-Mobile mit Prepaid-Vertrag erhältlich

Allerdings funktioniert der Tarif anders, als man das bisher von Prepaid-Verträgen kennt.

Momentan verschickt die T-Mobile aktivierte SIM-Karten, hat allerdings keine iPhones mehr, die sie dazulegen kann.

Der Kunde zahlt bis zu 89 EUR pro Monat für eine aktivierte SIM-Karte, deren Inklusivminuten -SMS und -daten er laut Vertrag nur in einem iPhone nutzen darf, welches aber Gerüchten zufolge noch bis Oktober auf sich warten lässt.

Man könnte ja der Ansicht sein, dass da ein Fehler aufgetreten ist und T-Mobile das ganze stoppt, aber vermutlich freut man sich eingedenk des abgestürzten Börsenkurses einfach über die unverhofften Mehreinnahmen, bucht weiter fleissig ab und will sich, wenn denn mal wieder iPhones verfügbar sind, „kulant zeigen“.

Manchmal frage ich mich schon, was für ein besonderer Menschenschlag Apple-Nutzer sein müssen, die das ganze über sich ergehen lassen.