Sehr geehrter Herr Lafontaine

gerade muss ich von Ihnen vernehmen, dass Menschen mit hohen Einkommen schuld an der Krise seien.

Ganz ungewohnt rechne ich mich jetzt mal zum Personenkreis mit hohem Einkommen (normalerweise beginnt Reichtum ja immer frühestens eine Gehaltsklasse über der eigenen).

Ich bin mir nicht mal im Ansatz bewusst, wie ich diese Krise verursacht haben könnte. Ich habe weder dafür gesorgt, dass Kapitalgesellschaften ihre Unternehmensbeteiligungen steuerfrei veräussern dürfen, ich habe nicht dafür gesorgt, dass der Verbriefungsmarkt in Deutschland geöffnet wurde (und habe auch nie so ein Produkt gekauft, vermutlich passe ich nicht ins Beuteschema des „Sparkassen-Beamten“ und Privatkundenberaters. Ich bin zu jung, zu informiert und lese Verkaufsprospekte bis zum bitteren Ende durch). Ich habe mich nicht davor gedrückt Steuern zu zahlen, ich habe nicht mal einen Steuerberater.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich anders hätte machen sollen, um die Krise zu verhindern. Sagen sie es mir bitte?

Die CDU und die Zweitstimmen

Die CDU hätte sich die Zeit, die sie mit dem Zusammenstellen und Wählen der Landesliste verbracht hat, in vielen Bundesländern auch sparen können.

Gerade mal 21 der insgesamt 194 CDU-Abgeordneten sind über die Landesliste in den Bundestag gekommen und zwar aus Hamburg, Brandenburg, Berlin, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Der Rest schwelgt im Überhang oder kurz davor.

Erststimmen-Ergebnisse

Ich lasse mal die politische Analyse aussen vor, da haben andere einfach die besseren Zahlen. Ich schaue mir die Sachen an, die nicht unbedingt von allen aufgegriffen werden.

Noch nie haben so wenig Stimmen ausgereicht, um ein Direktmandat zu erringen.

Im Osten haben CDU, SPD und Linke erfolgreich um Direktmandate gekämpft.

Tankred Schipanski in Thüringen haben 29,1% der Erststimmen gereicht, um den Wahlkreis 192 zu gewinnen.

Andrea Wicklein in Brandenburg haben 28,9% der Erststimmen gereicht, um den Wahlkreis 62 zu gewinnen.

Dr. Thomas Wolfgang Feist in Sachsen haben 28,8% der Erststimmen gereicht, um den Wahlkreis 154 zu gewinnen.

Dr. Eva Högl in Berlin haben 26,0% der Erststimmen gereicht, um den Wahlkreis 76 zu gewinnen, weil da auch die Grünen mit 21,5% ziemlich erfolgreich gewesen sind. Natürlich nicht so erfolgreich wie Christian Ströbele im Wahlkreis 84, der mit 46,8% das drittbeste Berliner Erststimmenergebnis geholt hat (und das beste Ergebnis für einen grünen Direktkandidaten aller Zeiten) und der mit seinem Ergebnis rund 20% vor dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei im Wahlkreis liegt. Der Wahlkreis 84 ist übrigens auch der, in dem die Piraten mit 6,0 eines ihrer bundesweit besten Ergebnisse erzielt haben.

Im Westen gibt es sie noch, die Ergebnisse jenseits der 60%, aber man muss sie schon suchen. Der CSU in Bayern ist es im Wahlkreis 240 mit Dr. Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg und 68,1% der Erststimmen und im Wahlkreis 213 mit Stephan Ernst Johann Mayer und 60,7% gelungen.  Franz-Josef Holzenkamp holte für die CDU im Wahlkreis 33 62,3% der Erststimmen. Das war’s dann aber auch schon.

Da FDP-Wähler ihre Erststimme seltener an die FDP als Grüne-Wähler ihre Erststimme an den Grünen-Kandidaten geben, reicht es der CDU häufig (noch).

Ich bin sowieso der Meinung, dass man, wenn man schon von Leihstimmen spricht (was ich ablehne), dann doch bitte bei der Erststimme.

Vorläufiges amtliches Endergebnis der Bundestagswahlen 2009

Wie üblich unter Berücksichtigung der Nicht- und Ungültigwähler

bundestagswahl2009

Überhangmandate gab es reichlich. 24 Stück, davon 10 in Baden-Württemberg, 4 in Sachsen, 3 in Bayern, 2 in Mecklenburg-Vorpommern, 2 in Rheinland.-Pfalz und jeweils 1 in Schleswig-Holstein, Thüringen und im Saarland. Alle für CDU/CSU.